Zuletzt machte Roland Emmerich nicht mit seinem neuesten Film auf sich aufmerksam, sondern mit seinen Kommentaren zur Netflix-Weltuntergangssatire „Don’t Look Up“, die gerade dabei ist, einige Streaming-Rekorde zu brechen. Emmerich hatte für Adam McKays Film mit seiner Botschaft zum Klimawandel allerdings nicht viel Lob übrig. „Es war mir ziemlich egal, mit all den großen Schauspielern und allem“, so der Regisseur in einem Interview mit „The Hollywood Reporter“. Man müsse die Menschen wirklich erschrecken, um etwas zu bewegen, meinte er. „Moonfall“, sein neuestes Weltuntergangsszenario, scheint die Menschen zwar erschrecken und staunen lassen zu wollen, es ist aber unwahrscheinlich, dass Emmerich mit seinem Film irgendetwas bewegen wird. Der Film startet am 10.2. in den Kinos.

von Lena Wasserburger

In „Moonfall“ ist der Mond für den vermeintlichen Untergang der Welt verantwortlich. Eines Tages verlässt er aus mysteriösen Gründen seine Umlaufbahn und geht auf Kollisionskurs mit der Erde. Die einzigen, die die Erde vor ihrer Zerstörung bewahren können, sind NASA-Chefin Jo Fowler (Halle Berry), der in Ungnade gefallene Astronaut Brian Harper (Patrick Wilson) und Verschwörungstheoretiker K.C. Houseman (John Bradley). Zusammen begeben sie sich auf eine gefährliche Mission ins All, um die Katastrophe zu verhindern und herauszufinden, was im Mond wirklich vor sich geht.

Eine Sache vorweg: „Moonfall“ ist ein typischer Roland Emmerich Film. Das mag zunächst vielleicht wenig aussagekräftig klingen, doch wer zumindest einen von Emmerichs Katastrophenfilmen gesehen hat, beispielsweise „2012“, kann sich unter dieser Aussage vermutlich bereits etwas vorstellen. Und „Moonfall“ ist mehr Katastrophe als Film. Angefangen bei den Charakteren, über die Handlung bis zum Dialog hinweg ist klar: Die eigentliche Geschichte steht hier nicht im Fokus.

Wenn man den Film für etwas loben kann, dann für seine Visuals. Es hat durchaus etwas Beeindruckendes, den Mond bedrohlich nah an der Erde aufgehen zu sehen. Die Sci-Fi-Optik ist gelungen und wirklich schön anzusehen. Auch das Sounddesign sticht positiv hervor. Tatsächlich könnte man fast dankbar dafür sein, dass man von Optik und Sound abgelenkt wird, da dadurch bedeutend weniger auffällt, wie wenig Handlung in „Moonfall“ steckt.

Eine der größten Schwächen sind allerdings die Charaktere, die per se eigentlich gar keine sind. Denn sie haben keine Persönlichkeiten, nur eine einzige Charaktereigenschaft. Es verwundert somit auch nicht, dass sich über die schauspielerischen Leistungen des Casts nicht viel sagen lässt, außer, dass Berry, Wilson und Bradley als Jo, Brian und K.C. im Verlauf des Films jeweils nur eine einzige Emotion verkörpern. Jo ist besorgt, Brian ist cool und K.C. ist aufgeregt.

Der dritte Akt ist schließlich der Punkt, an dem der Tiefpunkt der Handlung auf wirklich eindrucksvolle Bilder trifft. Wie bereits erwähnt überschattet die Ästhetik meist die Story, doch am Ende wird etwas offensichtlich, das bereits den ganzen Film über etwas fragwürdig wirkt. Der eigentliche Held der Geschichte, der, der die Lösung des Rätsels findet, ist K.C., ein Verschwörungstheoretiker. An dieser Stelle könnte man sagen: Ja, warum nicht? Weil die Entscheidung, im Angesicht des drohenden (wenn auch nur fiktiven) Weltuntergangs einen Verschwörungstheoretiker zum Retter der Menschheit zu ernennen gerade im heutigen Gesellschaftsklima mehr als problematisch ist. Was will uns Emmerich damit sagen? Es ist zwar natürlich „nur“ ein Film, doch die Darstellung der NASA als ahnungslose, teilweise korrupte Institution als Kontrast zu K.C., einem Mann, der sich zwar selbst einen falschen Doktortitel verliehen hat, um authentischer zu wirken, gleichzeitig aber klüger als studierte NASA-Mitarbeiter ist, hinterlässt doch einen ziemlich sauren Nachgeschmack.

Fazit

Mit „Moonfall“ hat Roland Emmerich seine jüngste Zerstörungsfantasie auf die Leinwand gebracht. Der Film ist bildgewaltig, Optik und Audio sind sehr imponierend. Ist man also dazu in der Lage, den Kopf auszuschalten und sich alleine der Weltuntergangsorgie hinzugeben oder sowieso ein Genre- beziehungsweise Roland Emmerich-Fan, wird man mit diesem Film sicher Spaß haben. Sonst nicht.

Bewertung

Bewertung: 2 von 10.

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Bilder: (c) Leonine