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„Uncharted“ – Kritik zum Kinostart

Bei Ruben Fleischers Unchartedfallen schon auf den ersten Blick viele Warnsignale ins Auge: Videospielverfilmung. Eine jahrelange Produktion mit etlichen unterschiedlichen Regisseuren. Und der eigentlich klassische Oldtimer Victor Sullivan – Markenzeichen: Schnurrbart, Hawaii-Hemd und Zigarre, wird von Mark Wahlberg gespielt. Ohne Schnurrbart, Hawaii-Hemd oder Zigarre. Bestätigt sich der erste Eindruck oder liefert der „Zombieland“-Regisseur hier eine gelungene Adaption der erfolgreichen Abenteuerspiele?

von Marius Ochs

In den zugrundeliegenden Spielen steht tatsächlich das Abenteuer an erster Stelle. Man reist mit dem sympathischen Helden Nathan Drake um den Globus und besucht in vier Teilen vom Himalaya bis Madagaskar alle Ecken des Planeten. Klettern, Schießen, Rätsel lösen und dabei noch ein sympathisches, archetypisches Figurenensemble: Mit Controller in der Hand macht das Spaß, einfacher konnte man sich noch nie fühlen wie einst Indiana Jones. Gerade wenn man sich also die Qualitäten der Spiele nochmal vor Augen hält, wird deutlich: Nein, „Uncharted“ bringt den Stoff nicht gut auf die Leinwand.

Dabei ist erstmal paradox, dass sich die Spiele stark von klassischen Abenteuerfilmen wie „Indiana Jones“ und -spielen wie Tomb Raider inspirieren ließen. Die Playstation-Hommage wird jetzt also für die Leinwand umgeschrieben. Und das fühlt sich an, als hätte man Wein schon das dritte Mal mit Wasser verdünnt. Ein bisschen von der gewünschten Wirkung ist noch da und das Ganze geht ganz gut runter. Schmecken tut es aber wahrlich nicht mehr. Das liegt nicht an Tom Holland (Spider Man: No Way Home), der zwar nahtlos an seinen Peter Parker anknüpft, aber immerhin seine One-Liner sympathisch rüberbringt. Auch Mark Wahlberg macht, was Mark Wahlberg sonst so macht – und wirkt so wie ein Fremdkörper. Im Vergleich zu dem Victor Sullivan aus den Spielen eine absolute Fehlbesetzung und auch die Chemie zwischen ihm und Holland stimmt nicht. Der restliche Cast ist austauschbar und ohne Tiefe, nur Antonio Banderas‘ Charakter sticht durch seine Präsenz leicht aus der Masse hervor.

Das sympathisch zwischenmenschliche Mit- und Gegeneinander aus den Spielen gibt es also nicht mal ansatzweise in derselben Qualität. Wie sieht es mit dem Klettern, dem Schießen und den Rätseln aus? Geklettert wird durchaus an der ein oder anderen Stelle, aber wenn dann ist das so schnell geschnitten und schlecht choreographiert, dass keinerlei Spannung aufkommt. Auch die Rätsel sind keine – die Charaktere laufen größtenteils in einen Raum und sehen direkt, was sie zu tun haben. So kommt keine Abenteuerstimmung auf. Und auch die Action ist absolut ausbaufähig. Ja, Tom Holland hat einige Action-Szenen. Nein, sein Nathan Drake wird nicht wie in den Spielen einfach so nebenher zum sympathischen Massenmörder. Der Shooter-Aspekt der Spiele fehlt demnach völlig. Wäre alles nur halb so schlimm, wenn der Regisseur mit dem Material wenigstens etwas Eigenes versucht hätte. Aber „Uncharted“ ist nur ein Medley aus eigentlich ikonischen Szenen und Charakteren, die lieblos umgesetzt werden. Hier steckte keine Vision, keine Seele dahinter. Ein Film, der nicht hätte sein müssen.

Fazit

Wer die gewohnten Stärken der namensgebenden Videospiele erwartet, wird oberflächlich zwar bedient, wirklich echtes Abenteuer-Feeling kommt jedoch nie auf. Die Action reißt nicht mit, die Rätsel sind keine und die Charaktere sind schlicht austauschbar. Tom Holland macht nichts Neues in dem Film, ist aber als Nathan Drake immerhin keine krasse Enttäuschung. Trotzdem: „Uncharted“ kann man sich getrost sparen.

Bewertung

Bewertung: 4 von 10.

(40/100)

Bilder: ©CTMG

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