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„The Adam Project“ – Kritik zum Netflix-Start

Für Ryan Reynolds und Shawn Levy („Nachts im Museum“) ist „The Adam Project“ nach dem Sommerüberraschungshit „Free Guy“ das zweite gemeinsame Projekt, dessen Idee und Ursprung in keinem Franchise zu finden ist. Basierend auf einem Script, das fast zehn Jahre unberührt blieb und damals noch Tom Cruise im Cast vorsah, ist das Zeitreise-Fantasy-Action-Spektakel jetzt bereits der dritte Film für Netflix mit Reynolds der Hauptrolle.

von Madeleine Eger

Auch wenn der titelgebende Held gleich erst einmal klarstellt, dass das Multiversum als Erklärungsversuch für die ungewöhnliche Begegnung mit dem Zukunfts-Ich eine Filmerfindung ist, fühlt sich „The Adam Project“ dennoch wie eine Kollision verschiedener Universen und Zeitepochen an. Da treffen Elemente von „Zurück in die Zukunft“ auf „Frequency“ und „Guardians of the Galaxy“, Mark Ruffalo spielt wie im MCU einen hochbegabten Wissenschaftler, der dann nicht nur mit Zoe Saldana fernab der Avengers ein Wiedersehen, sondern sogar noch mit Jennifer Garner eine kleine „30 über Nacht“ Reunion feiert. Ein Mash-up, das neben der Action aber vor allem ein Familienfilm mit viel Herz ist.

Das Verhältnis zwischen dem zwölfjährigen Adam (Walker Scobell) und seiner Mutter Ellie (Jennifer Garner) ist angespannt. Beide haben den Tod von Vater und Ehemann Louis (Mark Ruffalo) auch nach über einem Jahr noch nicht überwunden. Während seine Mutter Adam für ein Date allein zu Hause lässt, strandet plötzlich ein Fremder in der Garage seines Vaters. Ein verwundeter Airforce Pilot, der erstaunlich viel über ihn und sein Leben weiß. Und das nicht ohne Grund, denn dieser ist das Zukunfts-Ich von Adam. Mit einem gestohlenen Kampfjet 2050 gestartet, ist der versehentlich im Jahr 2022 gelandet. Seine eigentliche Mission: Zurück ins Jahr 2018, das Verschwinden seiner Frau Laura (Zoe Saldana) aufklären, seinen Vater davon abhalten das Zeitreisen zu erfinden und die Zukunft zu retten. Um das zu erreichen, muss er mit seinem jüngeren Ich zusammenarbeiten und mit einer Vergangenheit abschließen, die er lange versucht hat zu vergessen.

60er-Jahre Rocksong und eine Verfolgungsjagd mit raumschiffähnlichen Jets. Was wie der Auftakt eines „Guardians of the Galaxy“ Films wirkt, hat kurze Zeit später bis auf hin und wieder eingestreute markante Songs nicht mehr viel mit der zusammengewürfelten Gruppe Außenseiter des MCUs gemeinsam. Stattdessen wird sich „The Adam Project“ in sanfter Nostalgie hüllen, wenn man sich zunächst der Geschichte vom jungen Adam, der Familie und dem Adam aus der Zukunft widmet. Mit der Fokussierung auf Charakterdarstellung, den zwischenmenschlichen Bindungen und der Vergangenheitsbewältigung ist Levys und Reynolds neueste Arbeit somit ein kleiner Rückblick auf Filme wie „Zurück in die Zukunft“ oder „E.T.“ geworden, wo neben starken Actionsequenzen und Effekten der emotionale Part einen wichtigen Teil in der Erzählung einnahm. Hier ist es vor allem Adam, sowohl der Zwölfjährige als auch der Erwachsene, der sich mit dem Tod seines Vaters auf ganz neue Weise auseinandersetzten muss und erkennt, dass die kessen Sprüche und die empfundene Wut doch nur eine Fassade sind um irgendwie mit dem schmerzlichen Verlust fertig zu werden. Gerade das erste Drittel punktet so mit feinfühligen wie liebevollen Momenten und wunderbaren Dialogen, die die inneren Konflikte der Figuren nach außen tragen. Der Augenblick in dem Ellie in einer Bar unbewusst auf ihren älteren Sohn trifft und dieser ihr ihre Ängste mit ihrem Teenager nimmt, gehört tatsächlich zu einem der schönsten des gesamten Films.

Ähnlich wie in „Free Guy“ kann Reynolds seiner Figur ein paar mehr Facetten abringen, als ausschließlich die des zynischen Deadpool, wenngleich dieses Markenzeichen natürlich auch in „The Adam Project“ zum Tragen kommt. Diesmal jedoch nicht nur einmal, sondern gleich doppelt. Schauspieldebütant Walker Scobell, der den jungen Adam mimt, ist eine kleine Entdeckung und kann Reynolds Vibes treffsicher abspielen. Mit dem Sprachklang und den Bewegungen ist der Jungdarsteller an so mancher Stelle kaum von seinem Vorbild zu unterscheiden. Ein äußerst sympathisches Duo entsteht, das sich gegenseitig unterstützt ihr Verhalten zu reflektieren und Frieden zu schließen mit einer Vergangenheit, die sich nicht ändern lässt. Besonders schön ist dabei zu beobachten, wie sich Erinnerungen verändern und wie der Zwölfjährige seinem gealtertem Ich später den Spiegel vorhält, nachdem das erste Zusammentreffen der beiden Söhne mit ihrem Vater etwas aus dem Ruder gelaufen ist und mit Vorwürfen endete.

Neben der ganzen Familiengeschichte um Verlust und Vergebung, bleibt die Story rund um Maya Sorian (Catherine Keener), die durch die Übernahme des Zeitreiseunternehmens zur mächtigsten Frau geworden ist und natürlich verhindern will, dass Adam zurück in die Vergangenheit reist, deutlich auf der Strecke. Die Verfolgung des Flüchtigen führt zwar zu ordentlichen Actionsequenzen und durchaus gut choreografieren Kämpfen (die Reynolds mit seiner lichtschwertähnlichen Waffe bestreitet), aber vor allem im letzten Drittel geht dem Film zusehends die Luft aus und kann dann auch nur noch mit einem ziemlich erwartbaren und enttäuschenden Finale aufwarten.

Fazit

„The Adam Project“ punktet mit einem starken und sympathischen Schauspielduo, einer im Kern herzerwärmenden Familiengeschichte und durchweg solide inszenierter Action samt wohliger Nostalgie. Reynolds „Deadpool“ Manier wirkt am Ende dann aber doch öfter fehlplatziert und besonders der letzte Teil des Films zeigt die deutlichen Schwächen des Drehbuchs auf.

Bewertung

Bewertung: 6 von 10.

(64/100)

Bilder: ©Netflix

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