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„Firestarter“: Kritik zum Kinostart

Nach „ES“ und „Friedhof der Kuscheltiere“ kommt nun das nächste Remake: Mit „Firestarter“ schließt sich Horror-Gigant Blumhouse dem momentanen King-Fieber an und hofft bei neuen Fans ein Feuer der Begeisterung zu entfachen. Leider wird die Prämiere von Blockbustern wie dem neuen „Doctor Strange“ überschattet. Schade – denn trotz einiger Mängel ist Keith Thomas‘ neuestes Werk durchaus sehenswert. Sich selbst davon überzeugen kann man seit dem 12.05. im Kino.

von Natascha Jurácsik

Die 80er-Nostalgie macht auch vor der Filmwelt keinen Halt, womit eine weitere Neufassung eines Stephen King Streifens aus dieser Zeit keine Überraschung sein dürfte. Für manche unerwartet ist hingegen Zac Efron in der Rolle von Andy, dem Vater der Titelfigur (verkörpert von Ryan Kiera Armstrong): Der ehemalige Disney-Schwarm erweitert im Horror-Genre seinen schauspielerischen Horizont und setzt den Weg fort, den er bereits mit kleineren Genre-Filmen wie „The Paperboy“ oder „Extremely wicked, shockingly evil and vile“ eingeschlagen hatte.

Andy und Vicky McGee sind ehemalige Testobjekte einer schattenhaften Organisation und erhalten im Zuge der an ihnen durchgeführten Experimente übernatürliche Kräfte, wie Telekinese und Gedankenkontrolle. Als ihre Tochter Charlie Zeichen von Pyrokinese aufweist, begeben sie sich auf die Flucht vor ihren einstigen Peinigern, um sie vor einem Leben als Laborratte zu schützen. Doch Charlie kann ihre Kräfte immer weniger unterdrücken und zieht damit sehr viel Aufmerksamkeit auf sich.

Regisseur Keith Thomas und Kameramann Karim Hussain wissen offensichtlich, was sie tun, denn optisch glänzt „Firestarter“ an einigen Stellen durch Atmosphäre und Kameraführung, als wäre er vom beliebten Indie-Studio A24 produziert worden. Anfangs eher zurückhaltend mit flachem, zurückhaltenden Licht und ausgewaschenen Farben, blüht das Bild Richtung Ende in einem Crescendo aus Neon auf und unterstreicht die Entwicklung von Charlies feurigen Fähigkeiten. Der Fokus dieser außergewöhnlichen Talente liegt auf den Augen, denn nur durch direkten Blickkontakt können sie angewendet werden; die Linse greift dieses Motiv auf: stilisierte Großaufnahmen und die Verwendung einer subjektiven Kameraperspektive lassen den Zuschauer in die Handlung eintauchen. Durch subtile visuelle Hinweise werden Informationen vermittelt, die nach und nach eine Geschichte erzählen – die Kamera übernimmt einen Großteil der Narration.

Und das muss sie auch: Bedauerlicherweise ist der Dialog nämlich eintönig, vorhersehbar, schematisch und orientiert sich eher an abgedroschenen Klischees als an realistischer Kommunikation. Falls sich gewisse Darsteller durch einen Mangel an Einsatz bemerkbar machen, dann liegt das beinahe ausschließlich am Drehbuch, mit dem nicht einmal Daniel Day-Lewis etwas anfangen hätte können. Zwar ist Stephen King für einige schriftstellerische Schwächen bekannt, doch diesen Schuh muss er sich nicht anziehen – der inspirationslose Wortaustausch entstammt Scott Teems‘ unbeholfener Feder. Er verfasste übrigens auch das Drehbuch für „Halloween Kills“, womit eigentlich auch schon alles gesagt ist. Leider zieht er den neuen „Firestarter“ ziemlich herunter, was auch Thomas‘ und Hussains visueller Augenschmaus nicht ganz kompensieren kann.

Die letzte Sequenz lässt das Werk allerdings mit einem Knall enden: Kein leeres Gerede, nur John Carpenters fantastischer Soundtrack begleiten Charlie beim Höhepunkt ihrer Kräfte und durch knallige Farben, gelungene Effekte und stimmungsvolle Kamerafahrten ergibt sich ein explosives Finale. Definitiv das Highlight des Films – allein hierfür lohnt sich vor allem für Begeisterte von 80er Horrorszenen das Kinoticket.

Fazit

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: „Firestarter“ erzählt die Geschichte eines kleinen Mädchens mit erschreckenden Kräften ästhetisch gekonnt mittels interessanter Optik und mitreißender Musik. Umso mehr schmerzt der misslungene Dialog, der eigentlich die Vater-Tochter-Beziehung – das Herzstück des Ganzen – greifbar machen sollte, doch im Grunde gar nichts dazu beiträgt. Das Ergebnis: Ein Film, der innerlich zerrissen ist. Ob das Drehbuch gleich das ganze Werk schlecht macht, hängt wohl sehr vom persönlichen Geschmack ab. Dank der hier angepriesenen Leistungen von Keith Thomas, Karim Hussain, John Carpenter – und sogar Zac Efron – verdient „Firestarter“ trotzdem eine Chance.

Bewertung

Bewertung: 7 von 10.

(66/100)

Bild: (c) Universal Pictures International

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