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„Jackass 4.5“ – Kritik zum Netflix-Start

If you’re gonna be dumb, you gotta be tough – Es ist kaum zu glauben, aber Johnny Knoxville & Co. sind wieder da. Nach mehr als zehn Jahren kam ihr neuester Film „Jackass Forever“ im März 2022 in die Kinos und wurde zum kommerziellen und kritischen Erfolg. Fans wissen was folgen muss: ein Zusammenschnitt des restlichen Materials mit Interviews des Teams. Die Veröffentlichung zusätzlichen Inhalts vom Set hat Tradition, doch statt einer Home Media Release sicherte sich nun Netflix die Rechte. Zu sehen ist „Jackass 4.5“ ab dem 20. Mai 2022.

von Natascha Jurácsik

Wer in den frühen 2000ern aufwuchs hat vermutlich das eine oder andere Mal bei MTV reingeschaut und kennt die berühmt-berüchtigte Warnung, die jeder Folge „Jackass“ vorangestellt wurde, eventuell sogar auswendig. Doch kommerziell so richtig erfolgreich wurde die Truppe erst, nachdem sie den Sprung vom Fernsehbildschirm auf die Kinoleinwand machte und sämtliche Regeln des guten Geschmacks beiseite warf. Damals sahen viele Kritiker nur sinnlos gefährliche Aktionen, schweinische Witze und ekelerregende Mutproben. Doch die Zuschauer sollten ohnehin selbst entscheiden, ob sie diese Art von Humor nachvollziehen können oder nicht. Wenn letzteres der Fall sein sollte: Einfach nicht ansehen.

Doch diejenigen, die sich als Fans dieser Franchise bezeichnen würden, kommen bei „Jackass 4.5“ voll auf ihre Kosten. Einblicke hinter die Kulissen, einzelne Kommentare der Crew und eine Anzahl von Skits, die dem Editing-Prozess des eigentlichen Films zum Opfer fielen, versammeln sich hier zu einer Montage, die dem Ganzen einen für „Jackass“ so typischen Grad an Authentizität verleiht, sodass selbst das abgehärtetste Publikum beim Anblick der Stunts zusammenzucken und sogar hin und wieder den gelegentlichen Würgereflex unterdrücken muss. Auch werden hier einige Mysterien gelüftet, die sich nach dem letzten Kinobesuch gestellt haben dürften: Johnny Knoxvilles wechselnde Haarfarbe und die Frage, ob die Herren nicht doch schon etwas zu alt für das Ganze sind.

Doch vor allem ist nach all den Jahren die Chemie zwischen den Freunden erhalten geblieben, was großartig von der Kamera eingefangen wird und den Spaßfaktor nochmal um ein Vielfaches erhöht: Denn wenn – einer nach dem anderen – alle Mitwirkende anfangen, aus vollster Brust zu lachen, fällt es recht schwer, sich ein Lächeln zu verkneifen. Und trotz aller Missbilligung dieser „niederen Kunst“ darf man eins nicht vergessen: Dank dieser Jungs – oder mittlerweile Männer – bekam der Beruf des Stuntman bzw. der Stuntwoman das erste Mal all jene Aufmerksamkeit, die ihm vorher im Schatten der Stars einer Hollywood-Produktion verwehrt blieb. Wer sich gerne Sendungen wie „Joko gegen Klaas – Das Duell um die Welt“ oder „The Eric Andre Show“ ansieht, sollte wissen, wo diese Art der Unterhaltung im modernen Fernsehen anfing.

Auch die neuen Rekruten fügen sich blendend in die Gruppendynamik ein und es fällt im Grunde gar nicht auf, dass dies ihre erste Erfahrung mit „Jackass“ ist. Sie werden ebenso Opfer von Streichen wie alle anderen am Set. Aber die wahre Magie geht natürlich vom wiederkehrenden Kern der Truppe aus: Johnny Knoxville, Steve-O, Chris Pontius, Dave England, Danger Ehren, Wee Man und Preston Lacy sind alle dabei, angeführt von Regisseur Jeff Tremaine und Produzent Spike Jonze, die dem originalen „Jackass“-Stil treu geblieben sind. Nur zwei Gesichter fehlen: Bam Margera hielt sich, nach einem dramatischen Hin und Her während der Dreharbeiten für „Jackass Forever“, auch von diesem Projekt fern. Und der verstorbene Ryan Dunn erhält am Ende eine Widmung.

Fazit

Wem „Jackass Forever“ gefallen hat, dem wird auch „Jackass 4.5“ sehr viel Spaß machen. Die einzigartige Wirkung der von dieser verrückten Gruppe geprägten Art der Körperkomik hat auch nach all den Jahren seine Kraft nicht verloren. Zwar betonte Knoxville in mehreren Interviews, dass dies sein letzter „Jackass“-Film sein würde, aber dennoch hält sich die Hoffnung, dass er und seine Kumpanen auch in Zukunft (doch zumindest hinter der Kamera) eine Rolle spielen werden. Durch die Einweihung neuer Gesichter kann die Fortsetzung der Franchise durchaus als wahrscheinlich eingestuft werden.

Bewertung

Bewertung: 7 von 10.

(74/100)

Bild: (c) Netflix

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