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Die 10 besten True Crime – Dokus auf Netflix: Teil 1

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„True Crime-Serien“ galten bisher meist als inhaltlich seichte und reißerische Formate filmischen / dokumentarischen Erzählens: Der Fokus lag auf direkter Schockwirkung, Massen konnten sie ob der oft billigen Machart schon lange nicht mehr vor die Bildschirme locken, das Publikum war übersättigt und wenig interessiert. Daher wurden viele True Crime-Dokus meist ins Spätprogramm diverser TV-Sender verfrachtet oder liefen in ganzen Blöcken auf Nischensendern.

von Christian Klosz

Das hat sich geändert. Spätestens seit „Making a Murderer“ und „Tiger King“ haben gut gemachte und wertig produzierte True Crime-Dokuserien und -filme Hochkonjunktur auf den Streamingdiensten: Insbesondere auf Netflix folgten vergleichbare Werke, viele davon überraschend gut gemacht, recherchiert und inszeniert. Sie handeln von gerissenen Con-Artists und flawed protagonists, „bösen Menschen“, die andere betrügen, belügen, manipulieren und hinters Licht führen, Gewalttätern und deren Verbrechen, korrupten Institutionen und unglaublichen Kriminalfällen. Das Publikum taucht ein in eine geheimnisvolle, gefährliche, fremde Welt, von der eine morbide Faszination ausgeht.

Folgende Liste stellt die zehn besten, derzeit auf Netflix verfügbaren True Crime-Dokus (Serien und Filme) vor.

Platz 10: „Vertraue niemandem: Die Jagd nach dem Kryptokönig“

Eine Gruppe ehemaliger Investoren versucht, den Tod des Kryptowährung-Königs Gerald Cotten und den Verbleib der 250 Millionen Dollar, die Cotten im Rahmen des sogenannten QuadrigaCX-Skandals von ihnen gestohlen hat, aufzuklären. Cotten war ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr erreichbar, reiste durch die Welt – und starb scheinbar auf einem Trip nach Indien unter mysteriösen Umständen. Seine Witwe will von nichts gewusst haben, die offiziellen Ermittlungen sind inzwischen eingestellt wurden, aber das Geld ist weg. Und es gibt es immer noch einige, die glauben, Cotten habe seinen Tod nur vorgetäuscht und wäre noch am Leben: Eine kurzweilige und spannende Spurensuche in Spielfilmlänge, die ganz nebenbei Einblicke in die dubiose Welt der Kryptowährungen gibt und deren ehemaligen Boom nachzeichnet.

Platz 9: „The Sons of Sam: Abstieg in die Dunkelheit“

Diese Doku-Serie erzählt von einer der berüchtigtsten Mordserien in der Geschichte New Yorks, den „Son of Sam“-Morden. David Berkowitz wurde als Täter ausgemacht und verurteilt, doch bestätigte später, als Teil eines mysteriösen, satanischen Kults gehandelt zu haben und nicht der einzige Täter zu sein – eine Theorie, die Reporter Maury Terry von Beginn an vertreten und obsessiv verfolgt hatte. Er sammelte Beweise, ermittelte, wühlte in Archiven und den Abgründen schlechter Polizeiarbeit, um sie zu belegen: „The Sons of Sam“ ist auch ein unaufdringliches Porträt dieses stillen Helden (und eine Hymne auf idealistischen Investigativjournalismus), der sein Leben dem Glauben an Gerechtigkeit opferte, kostete es, was es wolle.

Platz 8: „John Wayne Gacy: Selbstporträt eines Serienmörders“

Ein auch psychologisch erhellendes Porträt des „Killer-Clowns“, u.a. auch Vorbild für „Es“ von Steven King, John Wayne Gacy, einem Angeber, Aufschneider, Großkotz, der die Nähe zu angesehenen Personen der Öffentlichkeit und Politik suchte und lebenslang mit seiner unterdrückten Bisexualität und seinem Vater in innerem Konflikt stand, was ihn zu grauenhaften Morden führte, die er auf Tonbandaufnahmen fast beiläufig und nebenbei schildert: Die Banalität des Bösen.

Platz 7: „Ikarus“

Eigentlich hätte es in „Ikarus“ um etwas ganz anderes gehen sollen: Der US-Filmemacher und begeisterte Hobby-Radfahrer Brian Fogel will in einem (Selbst-)Experiment herausfinden, ob und wie man dopen und entsprechende Doping-Tests umgehen kann, um erfolgreicher zu sein. Im Zuge seines Experiments lernt er den russischen Wissenschaftler Grigori Rodtschenkow kennen, der ihm als „Experte bezüglich nicht nachweisbarer Dopingsysteme“ empfohlen wird. Was folgt, ist ein Blick in die Abgründe eines russischen Systems aus Lügen, Macht, Betrug und Manipulation, das auch vor Gewalt nicht zurückschreckt – und gerade angesichts des Überfalls Putins auf die Ukraine hochaktuell ist. -> Ausführliche Kritik

Platz 6: „Bad Vegan“

„Bad Vegan“, eine 4-teilige Mini-Dokuserie, erzählt vom Aufstieg und Fall der New Yorker Gastronomin Sarma Melngailis, die Anfang des Jahrtausends mit ihrem Lokal „Pure Food and Wine“ weit über die Stadtgrenzen hinweg bekannt wurde: Sie lernte Anthony Strangis kennen, der sich damals noch „Shane Fox“ nannte. Er gab sich als Geheimagent aus, der in gefährlichen Aufträgen für die „gute Sache“ und Erlösung kämpfen würde. 2012 wurde geheiratet, danach ging es steil bergab mit Melngailis, die sich als Part einer zutiefst toxischen und kranken Beziehung selbst mitschuldig machte. Neben dem offensichtlichen, voyeuristischen Wert ist „Bad Vegan“ auch eine erhellende Geschichte über psychische Abgründe und Abhängigkeiten. -> Ausführliche Kritik

-> Teil 2: Die Plätze 5 bis 1

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