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„Corsage“: Kritik zum Kinostart der feministischen Sissi-Neuadaption

corsage

Filme und Erzählungen über (tragisch früh verstorbene) Prinzessinnen und andere Royals stehen momentan ja hoch in Kurs. Angefangen von Princess Diana („Spencer“, „The Princess“), über Sissi („Sisi„, „Elizabeth“), bis zu Marylin Monroe („Blonde“), die ja auch irgendwie in dieselbe Kategorie passt. Mit „Corsage“, in Cannes gefeiert und ab 7.7. ind Deutschland und Österreich im Kino, trägt Marie Kreutzer ihr Scherflein zu der Liste bei.

von Christoph Brodnjak

Im Gegensatz zu der originalen Sissi-Trilogie von Ernst Marischka oder der neuen, erst kürzlich veröffentlichten ORF – Serie konzentriert sich Corsage nicht auf das Kennenlernen von Elizabeth und Kaiser Franz Josef, sondern setzt weit später, nach den Schicksalsjahren der Kaiserin, rund um ihren vierzigsten Geburtstag, an. Wobei die wirklichen Schicksalsschläge da ja noch vor ihr liegen.

Bei „Corsage“ handelt es sich um eine zeitgemäße Adaption, frei von Kitsch und Phantasie. Im Gegensatz zur „Sisi“-Serie drückt sich das nicht in Form von Sex und Gewaltexzessen aus. Es handelt sich um eine moderne, progressive, feministische, gar anachronistische Behandlung der Thematik.

Der naheliegendste Vergleich wäre hier sicherlich „Spencer“. Sissi (Vicky Krieps) fühlt sich in Wien eingeengt, von ihrem Mann (Florian Teichtmeister) und ihren Verpflichtungen, die sich mittlerweile auf reine Repräsentanz reduziert haben. Gleichzeitig kämpft sie auch mit langsam einsetzenden Alterserscheinungen, gehören doch ihre Jugend und Schönheit quasi zur Marke Sissi. Corsage – man kann es erraten, dem Korsett – kommt auf gleich mehreren Ebenen hohe metaphorische Bedeutung zu.

„Corsage“ ist eine rebellische Sinnessuche: Kaum ist Sissi am kaiserlichen Hof anzutreffen, lieber bereist sie die Welt, raucht und kokettiert mit den verschiedensten Männern. Es zeichnet sich ein sehr diffuses Bild der Kaiserin, die zwar Protagonistin, aber nicht immer Heldin ihrer Geschichte ist. Ihr impulsives oder gar kindisches Gehabe wirkt teilweise genau so verstörend und kann man als Zuschauer oftmals kaum gutheißen. Was dem Film aber durchaus bewusst ist, gerade wenn die Mutter beispielsweise von ihren eigenen Kindern gerügt wird. Das Kind als der eigentliche Erwachsene – mittlerweise auch schon des öfteren gesehen, und somit doch auch etwas abgedroschen bis nervtötend.

Mit dieser diffusen Sinnessuche einher geht, dass der Erzählung eine gewisse Form und Richtung fehlt. Genauso wie die Kaiserin selbst wabert der Film von Szene zu Szene, ohne immer recht wissen, wohin schlussendlich die Reise führen soll. Je länger der Film dauert, je länger man die Quintessenz schon verstanden hat, desto mehr hat „Corsage“ auch seine Leerläufe. Oftmals fühlen sich Szenen etwas repetitiv an und man fühlt sich etwas verloren.

Der interessanteste Aspekt ist mit Sicherheit der inszenatorische Anachronismus. Am deutlichsten zeigt sich das am Soundtrack, der mit diversen modernen Pop-Balladen gespickt ist. Aber auch in der Szenerie. Wobei man sich hierbei oftmals nicht ganz sicher ist, ob es reiner Schlampigkeit – eine Steckdose hinten an der Wand -, einfachem Pragmatismus und fehlendem Budget – das Kunsthistorische Museum hat nun mal moderne Glastüren – geschuldet ist, oder ob da doch mehr Absicht dahintersteckt. Dafür sind einzelne Elemente – ein Plastikkübel oder ein Staubsauger – zu direkt in Szene gesetzt, als dass es sich dabei um einen Zufall handeln könnte. Das aus-der-Zeit-Gefallene macht thematisch natürlich Sinn, wirkt aber nicht immer ganz glaubhaft beabsichtigt. Jedenfalls kauft man „Corsage“ niemals wirklich – zumindest in Außenszenen – ab, dass er wirklich inmitten des 19. Jahrhunderts spielen soll.

Fazit

„Corsage“ ist ein interessanter Einblick in das oftmals romantisierte Leben der Kaiserin Sissi, durch einen modernen, progressiven und vor allem weiblichen Blick eingefangen. Er hat definitiv seine Längen und betritt oftmals dieselben Pfade, wie beispielsweise „Spencer“ es tat. Aber gewisse filmische Elemente und Entscheidungen reichen trotzdem aus, für Interesse und für Gesprächsstoff nach der Sichtung zu sorgen.

Bewertung

Bewertung: 7 von 10.

65/100

Weiterlesen: Kritik zur Serien-Neuadaption „Sisi“

Bild: © Alamode Film

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