Dass die Preise steigen, ist für die meisten Menschen in unseren Breiten keine Neuigkeit mehr: Die Corona-Krise trug einen Teil dazu bei, die durch die Ukraine-Invasion Putins ausgelöste Energiekrise mit Kostenexplosion verschärfte die Lage weiter. Dabei bekommen die Menschen das ganze Ausmaß des Desasters vermutlich erst im Herbst und Winter zu spüren, wo mit Energie- und Gasknappheit und dem möglichen Ausfall ganzer Branchen zu rechnen ist.

Umso besorgniserregender ist eine aktuelle Studie der Statistik Austria, die noch dazu bereits im ersten Quartal 2022 durchgeführt wurde und die meisten Auswirkungen des Ukraine-Kriegs noch gar nicht abbildet: Etwa 10 % der Bevölkerung (knapp 800.000 Menschen in Österreich) geben an, sich Kinobesuche nicht mehr leisten zu können. Berücksichtigt man die seit Durchführung der Studie weiter extrem gestiegenen Preise, kann man gut und gerne von einer Verdopplung dieser Zahl ausgehen. Weiter verschärft wird die Lage für das Publikum, da Kinos ihre Preise tendenziell nicht senken, sondern erhöhen. Gründe sind ebenfalls höhere Betriebskosten, im Zuge der Pandemie ausbleibendes Publikum und natürlich die Konkurrenz durch den immer größer werdenden Streaming-Markt.

Für das Kino als „Kulturort des Volkes“ (Kinos waren zu Beginn des 20. Jh. auch die billigere, für jeden zugängliche und erschwingliche Alternative etwa zum Theater oder der Oper) ist das eine Hiobsbotschaft. Nachvollziehbar ist da jedenfalls, dass sich viele Menschen lieber ein Streaming-Abo um knapp 10 € im Monat leisten, das mehrere Personen nutzen können und das Zugriff auf unzählige Filme bietet. Visuelles Erzählen ist auch dort zu finden, und oftmals in besserer Qualität als im Kino. Zudem erscheinen Kinofilme inzwischen oft schon innerhalb weniger Wochen als VOD, meist zu leistbareren Preisen als ein Kinoticket, das inzwischen oft über 15 € kostet.

Natürlich geht durch die Verlagerung ins Heim-Kino auch etwas verloren: der soziale Aspekt des Kinos. Gleichzeitig unternehmen weder Politik, noch Kinobetreiber Schritte, einen sicheren Kinobesuch angesichts der wieder aufflammenden Corona-Pandemie zu garantieren – dadurch verliert man ein weiteres Publikumssegment. Der Hut brennt schon jetzt, und was ist der Plan für den Herbst? Dass die in den letzten Wochen auf Filmfestivals mit Verve und Inbrunst simulierte Normalität und das „tun-als-ob“ keine nachhaltige Lösung ist, ist jedem ersichtlich, der seinen Kopf zum Denken benutzt.

Einfache Antworten gibt es auf all diese Herausforderungen nicht. Das Ziel ist klar: Ein Kinobesuch sollte eine für alle sichere und leistbare Angelegenheit sein. Punkt eins wäre einfach zu erreichen: Kinobetreiber sollten durch individuell adaptierte Regeln Sicherheit garantieren, etwa durch Maskenpflicht oder Zutrittstests bei hohen Corona-Inzidenzen. Bei geringem Infektionsrisiko können diese Regeln natürlich wieder ausgesetzt werden. So könnte der soziale Aspekt des Kinoerlebnisses im sicheren Rahmen und für alle garantiert werden. Punkt zwei ist die größere Herausforderung, da jedes Kino, jeder Betreiber selbst von der Inflation betroffen ist. Eine Möglichkeit wären Abo-Tickets oder „Kino-Flatrates“, ähnlich Streaming-Abos, wie das aktuell in der Branche bereits diskutiert wird: Bei kaum ausgelasteten Sälen verliert der Betreiber nichts, wenn jemand zu einem Fixpreis mehrere Filme pro Monat sieht, er gewinnt eher durch die mehrfache Konsumption. Und das Publikum hätte eine attraktive Alternative zum Streaming.

Dahingestellt bleibt freilich, ob etwa ein Abo-Ticket um 30€ / Monat (dafür so viele Filme sehen, wie man will) die Lösung ist für jene Menschen, die sich jetzt schon kein einfaches Ticket mehr leisten können. Für sie bleibt nur das inzwischen vielfältige Streamingangebot – oder illegale Optionen, die sich niemand wünschen kann.

Das Kino wird in irgendeiner Form bestehen bleiben und überleben. Aber wenn es sich nicht reformiert und an die neuen Realitäten anpasst, wird es irgendwann musealen Charakter haben und nicht viel mehr sein als eine Erinnerung an bessere Zeiten. (ck)