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„Überredung“: Kritik zum Netflix-Erfolgsfilm

Spätestens seit der Netflix-Serie „Bridgerton“ hat sich in der Popkultur eine neue Faszination für die sogenannte „Regency Ära“ entwickelt. Der Begriff umschreibt eine relativ kurze Epoche Englands und dauerte von 1810 bis ungefähr 1820 an. Eine der berühmtesten Figuren jener Zeit war Jane Austen, deren Bücher bis heute als einige der erfolgreichsten Werke der Literatur und beliebte Klassiker gelten. 2020 erschien die Austen-Adaption „Emma“ und fuhr durchaus gute Kritiken ein, während „Bridgerton“ im selben Jahr fast schon einen richtigen „Hype“ für das Historien-Rom-Com-Genre auslöste. Diese Welle an Begeisterung wollte Netflix nutzen und schickte eine eigene Jane Austen-Verfilmung ins Rennen: „Persuasion“ oder „Überredung“. Vermarktet wurde der Film als eine „moderne“ und „originelle“ Neuauflage des gleichnamigen Klassikers.

von Lena Wasserburger

Die Handlung von „Überredung“ beginnt sieben Jahre, nachdem Anne Elliot (Dakota Johnson) den Heiratsantrag ihrer großen Liebe Frederick Wentworth (Cosmo Jarvis) abgelehnt hat. Denn der Seemann Wentworth entsprach nicht den Ansprüchen von Annes eitler Familie, weshalb sich die junge Dame dazu überreden ließ, den Geliebten fortzuschicken. Nun, Jahre später trauert die noch immer unverheiratete Anne nach wie vor ihrem Verflossenen hinterher. Als Wentworth schließlich als dekorierter Captain zurückkehrt und sich die beiden erneut begegnen, muss sich Anne entscheiden, ob sie erneut auf ihre Familie oder auf ihr Herz hört.

Klassische Geschichten mit einem neuen, „modernen“ Twist zu versehen, ist durchaus eine gute Idee. Im Falle von „Überredung“ hat es nur leider die erhoffte Wirkung verfehlt. Der Dialog wurde beispielsweise stark modernisiert und passt besser in einen Rom-Com-Film der 2000er als in eine Jane Austen-Verfilmung. Er ist weder originell noch so geistreich und witzig, wie Netflix es zunächst in den Trailern zum Film versprach. „Persuasion“ war Austens letzter Roman und weit melancholischer als ihre früheren Werke. Manchmal versucht auch „Überredung“ diese Melancholie einzufangen und wiederzugeben, was allerdings nur stellenweise gelingt. Umso irritierender ist es also, dass der Ton des Films durchgehend zwischen Komödie und Drama schwankt. Grundsätzlich spricht zwar nichts dagegen, dass ein Film auch beides sein kann, doch braucht es selbst in diesem Fall einen einheitlichen Stil, eine Vision. Und „Überredung“ ist leider viel zu sehr darum bemüht, zu gefallen. Man möchte die Bridgerton-Fans ansprechen, indem man auf lockeren Dialog und Romantik setzt, aber gleichzeitig immer noch ein ernster, tragischer, poetischer Film sein, der sich dann doch irgendwo am Quellenmaterial orientiert. Man möchte charmant wirken, was ab und zu auch gelingt, doch über weite Strecken plätschert der Film einfach ohne besondere Höhen und Tiefen dahin. Das bedeutet zwar, dass er leicht zu verdauen ist, auf der anderen Seite fehlt aber einfach der Witz, die Spannung, der Esprit.

Auch die Farben des Films wirken nüchtern, blass und fast schon fade, die Einstellungen sind uninspiriert, abgesehen von einigen ansehnlichen Ausnahmen. Auch der Cast schafft es nicht, dem Film etwas mehr Farbe zu verleihen. Dakota Johnson spielt Anne Elliot zwar sehr sympathisch, so richtig passt sie doch nicht in die Rolle hinein. Dasselbe gilt für die übrigen Darsteller und Darstellerinnen, die sich zwar bemühen, es aber kaum schaffen, die Charaktere wirklich zum Leben zu erwecken oder interessant zu machen, was sicher hauptsächlich dem Dialog geschuldet ist. Die Ausnahme bildet hier Richard E. Grant, der als Sir Walter Elliot, Annes Vater, den Hauptcharakteren in den meisten Szenen die Show stiehlt.

Fazit

Zusammenfassen kann man den Film wohl am besten mit dem Wörtchen „meh“. Wer ein Fan von Jane Austens Romanen oder den Adaptionen ist, wird von „Überredung“ vermutlich nur milde begeistert sein. Letztendlich ist der Film vielleicht ein netter Zeitvertreib und eignet sich sicher auch für ruhige Filmabende. Denselben Beliebtheitsgrad wie „Emma“ oder „Stolz und Vorurteil“ (2005), wird er aber wahrscheinlich nicht erreichen.

Bewertung

Bewertung: 5 von 10.

(50/100)

Bild: (c) Netflix

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