Im Laufe der letzten Jahrzehnte haben sich traditionelle Familienkonstellationen stark verändert – so bleiben immer mehr Männer zuhause, um den Haushalt zu schmeißen, während ihre Frauen arbeiten gehen. Regisseur John Hamburg zeigt in seiner neuen Komödie „Me Time“, dass diese Hausväter es auch nicht immer leicht haben – und manchmal einfach Zeit für sich brauchen. Die Komödie ist seit gestern, 26.8., auf Netflix zu sehen.

von Natascha Jurácsik

Sonny Fisher (Kevin Hart) hat in seinem Reich alles im Griff: Kinder, Haushalt, Ehe. Als seine Frau Maya (Regina Hall) vorschlägt, mit ihren zwei Kindern allein in den Urlaub zu fliegen, ist er zunächst zwar etwas zögerlich, willigt aber letztendlich ein und blickt voller Enthusiasmus einer Woche voller „me time“ entgegen. Nach einigen Tagen Langeweile – und Sticheleien von seinen Bekannten – entscheidet er sich, spontan an der Geburtstagsparty seines (ehemaligen) besten Freundes Huck (Mark Wahlberg) teilzuhaben. Nach einer wilden Feier in der kalifornischen Wüste stolpern die beiden von einem Chaos ins nächste – und lassen ihre Freundschaft neu aufleben.

Die Anzahl der Menschen innerhalb der US-Filmindustrie, welche das Attribut „Autorenfilmer“ verdienen, ist nicht die größte – und Drehbuchautor und Regisseur John Hamburg gehört definitiv nicht dazu. Dass er hier Skript und Inszenierung übernommen hat, mag nicht die beste Entscheidung gewesen sein. Zwar sorgte Hamburg in der Vergangenheit mit Filmen wie „Why Him?“, „Und dann kam Polly“ und „Zoolander 2“ für Belustigung, doch kritischen Erfolg hat er noch nie wirklich genossen – was sich mit „Me Time“ wohl kaum ändern wird.

Es stellt sich die Frage, ob es für die Story überhaupt ein Konzept gegeben hat, bevor Hamburg damit begann, seinen geistlosen Dialog auf die Tasten zu hämmern, oder ob das Skript eher ein missglückter Versuch des spontanen Schreibens war. Bereits nach dem ersten Drittel zeigen sich eindeutige Schwächen, was die Handlungsrichtung betrifft, und spätestens nach der Hälfte hat man als Zuschauer das Gefühl, als hätte Hamburg vergessen, worum es in seinem Film eigentlich geht. Ein billiger „feel good“-Moment jagt den nächsten, nur unterbrochen von Witzen, die so flach sind, dass man instinktiv die Füße hochziehen will.

Allem Anschein nach wurde auf den wichtigsten Teil einer interessanten Geschichte vergessen: Konflikt. „Me Time“ scheint nämlich keine zu haben – beziehungsweise zu viele. Denn jedes Mal, wenn ein zentrales Problem auftritt, wird dieses binnen weniger Minuten gelöst, gefolgt von „lustigen“ Gags und fader Interaktion zwischen den Figuren. So quält sich der Film von einer Sequenz zur nächsten, ohne zu wissen, wo er eigentlich hin will. Zum Schluss fällt dem Regisseur ein, dass er ja noch eine Aussage einbauen wollte – und holt dies in einem ungeschickten Monolog des Protagonisten nach.

Die einzigen Momente des stillen Schmunzelns sind Kevin Hart zu verdanken. Als Comedian weiß er Timing und Delivery einzusetzen, doch nicht mal ein erfahrener Entertainer wie er schafft es, „Me Time“ tatsächlich unterhaltsam zu machen. Mark Wahlberg gibt sich ebenfalls Mühe, aber die peinlichen Witze, die den Humor einer Generation ansprechen sollen, von dem der Autor offensichtlich keine Ahnung hat, werden auch durch Wahlbergs Hundeblick nicht weniger schmerzhaft. Immerhin: Ein Gastauftritt von Seal in einem Duett mit Hart bietet einen kleinen Trost.

Fazit

Ob geistreich, clever oder schweinisch, Komödien müssen vor allem eins: unterhalten. Leider versagt „Me Time“ in dieser Richtung vollkommen, geschuldet einem unterirdischen Drehbuch und Witzen, die physische Schmerzen auslösen. Nicht einmal für einen entspannten, anspruchslosen Abend auf der Couch taugt John Hamburgs neuestes Verbrechen an der Filmwelt. Höchstens extrem treue Kevin Hart – Fans könnten dem Ganzen eventuell etwas abgewinnen. Oder krankhafte Seal-Fanatiker.

Bewertung

Bewertung: 5 von 10.

(48/100)

Bilder: (c) Netflix