Der australische Regisseur George Miller ist vor allem für adrenalingeladene Actionspektakel („Mad Max“ – Reihe) und vormittagsprogrammtaugliche Abenteuer für die ganze Familie („Happy Feet“, „Babe“) bekannt. Mit „Three Thousand Years of Longing“ widmet er sich einer ganz anderen Welt, jener der Märchen und Sagen, quer durch die Jahrtausende der alten Welt.

von Christoph Brodnjak

Alithea (Tilda Swinton) ist eine angesehene Narratologin, befasst sich also akademisch sowie mit Herz und Seele mit Geschichten und Texten. Es ist ihre ganze Leidenschaft, ihr Lebensinhalt, denn sie geht alleine durchs Leben. Sie hatte mal jemanden, doch der hatte irgendwann eine jüngere – aber das macht ihr nichts aus, sagt sie. Doch das alles ändert sich schlagartig, als sie in Istanbul aus Versehen einen seit Jahrhunderten in der Flasche schlummernden Dschinn (Idris Elba) erweckt, der dann auf einmal splitternackt in ihrem Hotelzimmer erscheint. Das gleiche Hotelzimmer übrigens, in dem Agatha Christie damals „Murder on the Orient Express“ schrieb.

Womit wir ja wieder bei Geschichten wären. Geschichten an sich, und die Geschichte von Alithea und jener des Dschinns, der nicht nur einmal, sondern gleich dreimal in eine Flasche gesperrt wurde. Schuld daran war immer die Liebe, wie der Dschinn sagt. Denn dieser Flaschengeist ist zur Abwechslung kein hinterhältiger Gauner, sondern eher hoffnungsloser Romantiker. So erzählt er im Bademantel im Hotelzimmer sitzend von seinen Abenteuern, von König Salomon bis Sultan Suleiman.

Was folgt ist eine Reihe an kurzen Vignetten und Episoden, begleitet durch eine stets präsente Narration des Geists. Irgendwo zwischen Fritz Langs „Der Müde Tod“ und M. Night Shyamalans „Lady in the Water“ angesiedelt, geht es in „Three Thousand Years of Longing“ um Liebe, Sehnsucht, Verrat und Verlust. Miller untermalt diese Episoden mit teilweise beeindruckenden Bildern und visuellen Effekten, die ein charmantes und wunderliches Bild der alten Welt zeichnen.

Die Bilder sind dabei vermutlich jener Aspekt, in dem der Film am stärksten ist. Denn der erreicht rein dramaturgisch nie so wirklich das Level des romantischen Epos, das er so gerne sein möchte. Zwar ist er vollbepackt mit einer ordentlichen Prise Melodrama, dennoch wird man auf emotionaler Ebene nie ernsthaft mitgerissen. Stattdessen lässt man sich eher von den doch sehr farbenfrohen und kreativen Bildern berieseln, während man sich bei der Geschichte selbst stellenweise eher langweilt.

Was dann doch irgendwie enttäuschend ist, bedenkt man, dass gerade Geschichten an sich ein sehr integraler Bestandsteil der Grundidee des Films sind. Vor allem im Hinblick auf die Dynamik zwischen dem Flaschengeist und der Narratologin, die ja – theoretische – Erfahrung mit diesen Wesen hat, bleibt viel Potenzial auf der Strecke. „Three Thousand Years of Longing“ und seine Charaktere sind sich der alten Sagen und Mythologien sowie der altbekannten Botschaften hinter dieser Art von Geschichten ja augenscheinlich bewusst. Und dennoch wird dieses Wissen selten auf befriedigende Art und Weise genutzt, um etwas Neues daraus zu basteln. Gerade gegen Ende hin passieren emotionale Wendungen zu schnell und plötzlich, als dass sie ernsthaft glaubwürdig und wirksam sein könnten. Schade.

Fazit

„Three Thousand Years of Longing“ ist ein Märchen. Doch mit dem starken Bezug auf Geschichten und Mythologie an sich kommt eine Metaebene hinzu, durch die man sich einfach etwas mehr Finesse und Tiefgründigkeit erhofft. Visuell definitiv berauschend, wenn auch etwas chaotisch, hat des neue Werk von George Miller sicher seinen Charme. Auf emotionaler sowie dramaturgischer Ebene wirkt er allerdings etwas zu oberflächlich – und wenig herzerweichend. Ab 1.9. im Kino.

Bewertung

Bewertung: 5 von 10.

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Bilder: © 2022 LEONINE