Zwischen der alternativen Musik- und der Horrorszene gibt es schon lange eine Überschneidung – daher haben gemeinsame Projekte von Bands und Indie-Regisseuren beinahe Tradition, was schon so manchen Kult-Klassiker hervorgebracht hat. Mit „The Retaliators“ holen sich die Geare – Brüder für ihr Drehbuch Unterstützung von Bands wie Five Finger Death Punch, Papa Roach und Ice Nine Kills, nebst anderen Rocklegenden. Das Ergebnis ist ab heute im Kino zu sehen.

von Natascha Jurácsik

Pastor Bishop (Michael Lombardi) lebt seinen Töchtern Sarah (Katie Kelly) und Rebecca (Abbey Hafer) das christliche Ideal der Nächstenliebe vor und lehnt jegliche Form von gewaltsamer Konfrontation ab. Als jedoch Sarah scheinbar ohne Grund ermordet wird, bietet ihm der Detektiv Jed die Möglichkeit, Rache zu üben. Heißt es also bald nicht mehr „Liebe deinen Nächsten“, sondern „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ ?

Die blutige Eröffnungsszene von „The Retaliators“ macht von Anfang an klar, worauf man sich hier einstellen kann, und wirkt trotz kleinerer Schwächen vielversprechend. Sie lässt zunächst eine Art Zombie-Streifen vermuten und erst am Ende des Films begreift das Publikum, was das Opening eigentlich mit dem Rest der Handlung zu tun hat. Einerseits passiert dies auf durchaus clevere Art – andererseits fragt man sich während der darauffolgenden anderthalb Stunden, wann das angekündigte Blutbad denn endlich beginnt.

Die Figuren sind zwar sympathisch, aber die Story kommt ein wenig zu schleppend ins Rollen, wodurch die Aufmerksamkeit zwischendurch etwas abhanden kommt. Auch die einzelnen Handlungsstränge werden nur lose zusammengehalten und über weite Strecken wirkt das Ganze wie ein Horrorstreifen, der ab und zu von kurzen Musikvideos unterbrochen wird. Als Metalfan findet man vermutlich eh Gefallen daran, aber aus der Sicht des „normalen“ Kinobesuchers hätten die Regisseure die Cameos der Bands entweder kürzer halten oder genauer ausarbeiten sollen. Das brutale Finale macht dann allerdings ganz schön was her: Die Idee hinter der verstörenden Auflösung ist originell und mit reichlich praktischen Effekten sehr gut umgesetzt. Daher ist es wirklich schade, dass sie nur den letzten Akt einnimmt, und nicht auch andere Sequenzen mit derartigem Verve inszeniert wurden.

Visuell ist „The Retaliators“ eindeutig an die Grindhouse-Filmen der 70er und 80er angelehnt und setzt diese Retro-Ästhetik effektiv um. Zwar wirkt die Kameraführung manchmal wie in einem amateurhaften Studentenfilm, allerdings kompensieren hierfür Atmosphäre und Soundtrack – somit ist der Film trotz einer gewissen Unbeholfenheit durchaus stimmungsvoll. Auch die vorhin erwähnten musikvideoähnlichen Ausschnitte passen mit ihren knalligen Farben, der hektischen Kamera und den bekannten Gesichtern absolut in den Splatter-Horror-Stil, obwohl sie narrativ etwas aus der Reihe tanzen.

Etwas unbedarft kommen leider auch die Dialoge rüber: Auch wenn sie durchaus ihren Zweck erfüllen, wirken sie hier und da doch etwas unnatürlich und tollpatschig, was den Zuschauer einige Male aus der Handlung wirft. Die Geare – Brüder sind offensichtlich kreativ und wissen, wie man einen Horror-Streifen mit Kultpotential macht, aber ähnlich wie beim Aufbau der Story hätte auch beim Dialog eine kleinere Überarbeitung nicht geschadet, um das Potential ihre Projekts besser auszuschöpfen.

So sind die minimalen – aber dennoch eindeutigen – Schwächen des Drehbuches auch in den schauspielerischen Leistungen spürbar: Michael Lombardi macht sich als Pastor im Glaubenskonflikt zwar recht gut, aber ähnlich wie seine Kollegen wirkt er ab und zu etwas versteift. Bei den Bandmitgliedern, die sich hier in einer anderen Disziplin ausprobieren, ist auch die Unerfahrenheit spürbar, allerdings kann man bei einem B-Movie wie diesem leicht darüber hinwegsehen, vor allem wenn zumindest Musik und blutige Effekte stimmen.

Fazit

Alles in allem ist „The Retaliators“ ein – mehr oder weniger – gelungener Grindhouse-Streifen, der allerdings nur zum Ende hin so richtig interessant wird. Optisch stimmungsvoll, von der Geschichte her anregend und begleitet von einem starken Soundtrack, werden sich sowohl Horror-, als auch Musikfans über den Film freuen können. Auch wenn man 30 Minuten schneiden und das Ende um einen Akt verlängern könnte. Ab 14.9. weltweit im Kino.

Bewertung

Bewertung: 6 von 10.

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Bilder: (c) Strike Media Ltd