Dass man es bei Biopics und Verfilmungen über Serien-Mörder oftmals mit sehr sensibler Materie zu tun hat, musste zuletzt auch Netflix eingestehen. Die neue Serie „Dahmer“ sprengte unlängst eine ganze Reihe an Netflix-Rekorden und ist nach wie vor ein großer Hit auf der Streaming-Plattform. Selbst die Erfolgsserie „Squid Game“ hat „Dahmer – Monster: Die Geschichte von Jeffrey Dahmer“ mittlerweile überholt. Nicht lange nach dem Start der Miniserie wurden allerdings bereits erste kritische Stimmen laut.

Zunächst waren es die Angehörigen der Opfer, die offen Kritik an der Serie sowie am True Crime-Genre übten. Serien wie „Dahmer“ würden das Leid von Menschen ausbeuten, Kapital aus dem Trauma der Hinterbliebenen schlagen und deren Erlebnisse im Sinne der Unterhaltung zur Schau stellen. „Wie viele Filme/Serien/Dokumentationen brauchen wir?“ merkte ein Familienmitglied eines der Opfer auf Twitter an. Darüber hinaus habe man die Familie nicht im Vorhinein kontaktiert, um sie über das Erscheinen der Serie zu informieren, geschweige denn, um ihre Meinung einzuholen, so der Twitter-Nutzer.

Doch nicht nur die Angehörigen der Mordopfer meldeten sich zu Wort. Weitere Kritik stammt aus der LGBTQ-Community. Auf Netflix wurde „Dahmer“, neben Schlagworten wie Mystery oder Krimi, nämlich mit dem Tag „LGBTQ“ gekennzeichnet. Bei Tags handelt es sich um bestimmte Kategorien, die das Netflix-Angebot in verschiedene Genres oder Stimmungen unterteilen und dem Publikum so die Auswahl von Inhalten erleichtern sollen. Dass „Dahmer – Monster“ mit dem LGBTQ-Tag versehen wurde, sorgte gerade deshalb für Empörung, weil ebenjener Tag normalerweise dazu dienen soll, Filme und Serien, in deren Zentrum unterrepräsentierte Figuren stehen, hervorzuheben. Jeffrey Dahmer war selbst zwar homosexuell, doch die LGBTQ-Community machte deutlich, dass man nicht mit einem Serienmörder assoziiert werden wolle und die Gemeinde nicht von einer Serie wie „Dahmer“ repräsentiert werden sollte. Netflix reagierte letztendlich und entfernte den Tag.

Während auf diese Art der Kritik somit eine Antwort gefunden wurde, stellt sich andererseits noch immer die Frage, ob True Crime-Serien wie Dahmer eventuell ethisch fragwürdig sein könnten. (lw)

Weiterlesen: Kritik zu Miniserie „Jeffrey Dahmer: Selbstporträt eines Serienmörders“ auf Netflix

Bild: (c) Netflix