Die Discounter sind zurück: Die von Christian Ulmen produzierte und vom jungen Regie-Trio Emil & Oskar Belton und Bruno Alexander (alle gerade Anfang 20) geschriebene und inszenierte Serie zählte in der ersten Staffel Ende letzten Jahres zu den Überraschungserfolgen auf Amazon Prime. Die anarchistische Kreativschöpfung dieser jungen, wilden rebels without a cause, besetzt mit hervorragendem Cast, hatte geradezu etwas Revolutionäres, insbesondere mit Blick auf den deutschen Serien/Fernsehmarkt.

von Christian Klosz

Während Staffel 1 noch als „Geheimtipp“ gelten konnte, ist die am Freitag erschienene Staffel 2 mit nun Platz 1 in den Amazon Prime-Streamingcharts bezüglich Erfolg endgültig im „Mainstream“ angekommen – während die „ich scheiß mir nichts“-Attitüde der Serie dankenswerterweise erhalten geblieben ist.

Wer bisher nichts mit Thorsten, Titus, Jonas, Flora, Pina und Co am Hut hatte: „Die Discounter“ begleitet im Mockumentary-Stil die Belegschaft eines Supermarkts in Hamburg bei ihrem eskalationsreichen Arbeitsalltag. Das großteils improvisierte Ergebnis ist eine kurzweilige Mischung aus klassischen Ulmen-Formaten, „The Office“, „Jackass“ und humoristischer Sozialstudie, die durch scharfen und politisch unkorrekten Humor, radikale Respektlosigkeit, hohes Tempo und Originalität glänzt. Staffel 2 setzt nahtlos dort an, wo man vor einem Jahr aufhörte (wenngleich der Überraschungseffekt, zugegeben, natürlich inzwischen etwas verpufft ist).

Handlungstechnisch fokussiert man sich weiterhin auf kurze Episoden und Anekdoten, große Handlungsstränge und -bögen existieren nicht, was auch der spontanen und improvisierten Machart geschuldet ist: „Die Discounter“ lebt von den Figuren, deren großzügig ausgestellten und -geschlachteten Schattenseiten, den scharfen Dialogen. Inhaltlich geht es weiterhin um die kleinen und großen Dinge des Lebens: Liebe, Sex, Geld, Macht. Konkret kommen sich die Mitarbeiter Titus und Lia (endlich) näher, während Samy seine ersten Beziehungsversuche in den Sand setzt, Jonas‘ Suche nach einem Partner im Desaster endet und Filialleiter Thorsten – unfähig wie eh und je – sich in Peters Mutter verliebt, nachdem sie ihm gegen Geld einen geblasen hatte. Weitere Highlights: Eine auf den Supermarktboden geklatschte Plazenta; Jonas trinkt Thorstens Urin; Peter kriegt bei Flora keinen hoch; eine Feminismus-Crashkurs der Mädels für die Jungs, die lieber biersaufend Fußball schauen; eine gescheiterte Marktinspektion; ein bei der Konkurrenz geklautes Huhn als Haustier, das im Kochtopf endet. Und Gastauftritte von Frederik Lau und Mats Hummels, mit dem übrigens Lia im Bett landet.

Die Freude, die diese Serie macht, ist schwer zu beschreiben: Es ist wie einem provozierten Unfall zusehen, bei dem sich die Urheber mit Absicht verletzen (nur nicht allzu schwer), aber man den Blick nicht abwenden kann und will. Die drei Serienschöpfer beweisen erneut, dass ihnen die Zukunft der deutschen Serienwelt gehören könnte. Und dass es möglich ist, in düsteren, unsicheren Zeiten etwas völlig Neues zu schaffen, das durch pure Kraft, Energie und überbordende Kreativität Freude und Licht in unseren Alltag zu bringen vermag: Eine nicht unerhebliche Leistung.

Fazit

Staffel 2 von „Die Discounter“ setzt dort an, wo Staffel 1 aufhörte, und erweist sich als qualitativ nahezu ebenbürtige Fortsetzung: In 9 etwa 20-minütigen Episoden können wir dem verrückten Arbeitsalltag der Belegschaft der Discounter-Filiale Kolinski beiwohnen. Und dabei ebenso viel kurzweiligen Spaß haben, wie offenkundig die Macher und Darsteller bei ihrer Arbeit. Wann kommt Staffel 3?

Bewertung

Bewertung: 9 von 10.

(86/100)

Bild: ©Amazon Prime Video