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„Spirited“ – Kritik zum Start auf Apple TV+

Es ist wieder so weit. Die Adventszeit steht bevor und wie jedes Jahr sind Streamingdienste dabei, uns romantische Weihnachtskomödien in den Algorithmus zu spülen. Zur festlichen Jahreszeit veröffentlicht Apple TV+ nun mit „Spirited“ einen Musical-Blockbuster, der unter der Regie von Sean Anders und mit Drehbuchautor John Morris (beide „Daddy’s Home – Ein Vater zuviel“, „Kill the Boss 2“) die Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens abermals neu auflegt.

von Madeleine Eger

Eben die Weihnachtsgeschichte, die bereits unzählige Male fürs Theater adaptiert wurde und von den Muppets bis hin zu „Die Geister die ich rief“ mit Bill Murray im Film erzählt worden ist. Werbegenie Ryan Reynolds und Schauspielkollege Will Farrell versprachen im „Spirited“ Teaser (vom damaligen Milli Vanilli Bandmitglied Fabrice Morvan selbstironisch nachsynchronisiert), dass die beiden selbst singen würden und man weder mit „Deadpool“ noch mit einem an „Buddy, der Weihnachtself“ angelehnten Sequel rechnen solle. Das allerdings ist dann doch nur halbe Wahrheit. Wie sich zeigt, hat das groß angelegte Musical mit den Songs vom „La La Land“ Komponistenduo Benj Pasek und Justin Paul zwar Rhythmus im Blut, so richtig zünden mag die Mischung aus vorweihnachtlicher Komödie und zahmer Gesellschaftssatire trotzdem nicht. Schuld daran ist diesmal jedoch nicht nur Reynolds üblicher Deadpool(Meta-)Humor…

Jedes Jahr wählt das Komitee der Weihnachtsgeister einen Griesgram aus, der im Schnelldurchlauf zu einem besseren Menschen gemacht wird. Nachdem die Weihnachtsgeister der Vergangenheit (Sunita Mani), der Gegenwart (Will Farrell) und der Zukunft (gesprochen von Tracy Morgan) mit Karen (Rose Byrne) ihren alljährlichen Erfolg verbuchen konnten, geht es am Morgen darauf direkt weiter mit der Arbeit. Denn schließlich ist in einem Jahr schon wieder Weihnachten. Zunächst ist ein Hotelier in Vancouver ein vielversprechender Kandidat, dann aber begegnen sie Clint Briggs (Ryan Reynolds). Ein PR-Manager, der es faustdick hinter den Ohren hat und nebst Medienmanipulation für Klienten wie Billie Eilish oder Ed Sheeran nicht davor zurückschreckt, zugunsten seiner Nichte Wren (Marlow Barkley) einen konkurrierenden Achtklässler zu Fall zu bringen. Einziges Problem, als die Wahl auf den Mann ohne Gewissen fällt: Clint gilt als unbelehrbar, und während der Weihnachtsnacht geht es dann ganz plötzlich nicht mehr nur um den skrupellosen Skandalschöpfer, sondern auch um das Leben vom Weihnachtsgeist der Gegenwart …

Das Bekehrungsgeschäft rund um Weihnachten ist in „Spirited“ mächtig angewachsen. Waren es ursprünglich gerade mal eine Handvoll Geister, ist man im Jenseits mit Headset und Klemmbrett mittlerweile ziemlich fleißig. Jacob Marley (Patrick Page), der auch jetzt noch mit rasselnden Ketten die Nacht für die Auserwählten eröffnet, hat eine ganze Firma, in denen sich die Mitarbeiter frei nach dem Motto „Wir verfolgen sie, wir ändern sie, Wir singen über sie“ bei jeder Gelegenheit zum nächsten großen Musical Flashmob formieren. Nicht die einzige Neuerung, die „Spirited“ für seine Interpretation der Weihnachtsgeschichte mitbringt. So ist der damalig geläuterte Ebenezer Scrooge nun nach seinem Tod nämlich selbst als Geist der Gegenwart im Dienst. Und der hadert immer noch mit seiner Vergangenheit und zieht das moralische Make-over der Menschen seinem Ruhestand oder vielmehr seinem dann bevorstehenden Neuversuch als Lebender vor. Ein gefundenes Fressen für Ryan Reynolds gehässigen Clint und ein spannender Twist für die altbekannte Geschichte.

Regisseur Sean Anders holt allerdings aus der Konfrontation, bei denen der eine nicht an Charakterveränderung glaubt und der andere nicht sicher ist, ob die Veränderung zum Guten tatsächlich von Dauer ist, nicht viel raus. Wenn man nämlich der Skrupellosigkeit, den Zweifeln oder Sorgen und dementsprechend der Entwicklung der Figuren fortlaufend das komödiantische fast schon zwanghaft überstülpt, landen zwar einige bissige Oneliner recht treffsicher, der schwelende kritische Gesellschaftskommentar bleibt jedoch als zahme Satire nur schemenhafte Randnotiz. Für „Spirited“ wird die auch in den Musicalnummern durchschimmernde Ernsthaftigkeit somit zum Knackpunkt. Denn Sean Anders Film wirkt dadurch oft tonal unentschlossen, zerrissen zwischen den Genres, die man hier gern unterbringen möchte.

Auch dass die zwei Hauptdarsteller und das große Ensemble mehr Spaß an den fantastisch choreografierten Tanz- und Gesangseinlagen haben als wir, merkt man während der zwei Stunden deutlich. Wenn nämlich Ryan Reynolds in seiner ersten Nummer den Plastikweihnachtsbäumen den Kampf ansagt, wirken seine Bewegungen und der lockere Stepptanz inmitten der Menschenmenge zugegeben wie eine kleine Parodie auf seinen Marvel-Kollegen Hugh Jackman und dessen Performance in „The Greatest Showman“. Wirklich mitreißen kann das alles aber trotz der pompösen Klänge nicht. Nicht nur, weil viele der Songs entweder laufend für einen Metakommentar unterbrochen werden, sondern auch, weil die Melodien lange nicht derart eingängig sind, wie eben die des damals erfolgreichen Films um den Zirkusdirektor oder die Lieder aus „La La Land“. Da können Ryan Reynolds und Will Farrell noch so sehr versuchen, die theaterartige Kulisse mit ihrer Präsenz und Stimme zu füllen, Ohrwurm oder Weihnachtsklassikerpotenzial hat „Spirited“ letztendlich leider nicht.

Fazit

Große Schauwerte, die in der überfrachteten, gleichzeitig etwas träge erzählten Weihnachtsgeschichte oftmals ihre Wirkung verlieren und ein Ryan Reynolds, der mal wieder seiner Deadpoolpersona freien Lauf lässt. „Spirited“ ist am Ende doch nicht viel mehr als einmalige Abendunterhaltung, bei dem der Funken Magie eines Musicals nicht überspringen will.

Bewertung

Bewertung: 6 von 10.

(55/100)

Bilder: ©Apple TV

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