Ständig im Schatten ihres berühmten und schönen Vaters streunt Vera durch die römische Vorstadt: „Vera“ ist eine Geschichte zwischen Realität und Fiktion und startet am 6.1. in Österreich im Kino.

Das österreichische Regie-Duo Tizza Covi und Rainer Frimmel („Aufzeichnungen aus der Unterwelt“) inszenieren die Geschichte der Vera (Vera Gemma) in halb dokumentarischer, halb fiktionaler Manier. Vera ist in ihren Fünfzigern und Tochter des bekannten Spaghetti-Western Darstellers Giuliano Gemma („Ben Hur“, „To Rome with Love“, „Blutiges Blei“). Aufgebaut ist „der Film“Vera“ an sich wie ein Spielfilm, nur dass er eben von echten Personen handelt, die sich größtenteils selbst spielen. So beispielsweise auch Asia Argento – ihres Zeichens ja ebenfalls Tochter eines berühmten Italieners.

von Christoph Brodnjak

Das zentrale Thema ist, wie man schon vermuten mag, der Versuch, aus dem Schatten des eigenen Vaters zu treten. Dieser war im Fall von Vera Gemma nicht nur berühmt, sondern auch sehr attraktiv. Mit dessen Schönheit wird sie ständig verglichen, von anderen aber auch oder vor allem von sich selbst. Früh begann sie mit Schönheitsoperationen. In dieses filmische Grundgerüst wird dann noch eine Art Romanze oder Freundschaft mit einem Mann und dessen Sohn eingeflochten.

Diese Gradwanderung zwischen Dokumentarischem und Fiktion ist aber eine durchaus holprige. Als Spielfilm betrachtet ist vieles an „Vera“ etwas zu plakativ, eine wirkliche Handlung entsteht dabei nicht. Das ist natürlich dem Umstand geschuldet, dass viele der Gespräche mit anderen Personen so klingen, als wie wenn Vera sie direkt in die Kamera des Dokumentarfilmemachers sprechen würde. Sinn und Zweck der Übung erschließen sich nicht ganz, denn anstatt dem Besten zweier Welten stehen sich nur die jeweiligen Schwächen des Films und der Dokumentation gegenseitig im Weg. Die Geschichte wabert ziellos herum, ohne einen wirklichen tiefen Einblick zu geben. Vera lernen wir schon kennen, ein Portrait ihres Charakters ist es allemal. Nur kommt man nicht um den Gedanken herum, dass das Ganze in der Hälfte der Zeit auch möglich gewesen wäre.

Stilistisch und visuell sind einzelne Ideen der Regisseure zu erkennen. Das Bild lässt in seiner Körnigkeit und Unreinheit an einen billigen Film (das Material) denken, wie er in vielen klassischen Italo-Western verwendet wurde. Vera stolziert des Öfteren mit einem breiten Cowboy-Hut herum, und eine der ersten Szenen zeigt sie mit Hut in einer Bar – einem Saloon – an der Theke stehen und einen Kurzen trinken. Weiter als das geht der Film aber mit seiner gewollten Western-Ästhetik nicht, für die meiste Zeit gerät dieser Aspekt völlig in Vergessenheit. Einerseits ist das sicherlich bewusst so gewählt, andererseits wirkt es dadurch auch einfach halbgar.

Fazit

Der Versuch, Spielfilm und Dokumentarfilm miteinander zu verschmelzen, ist gewagt und vor allem frustrierend. Selbst Werner Herzog ist bei dem ähnlichen Ansatz in „Family Romance, LLC“ damit ordentlich gescheitert. Es können sich dabei weder das Potenzial, noch die Mittel des jeweiligen Mediums vollends entfalten. So strauchelt „Vera“ an die zwei Stunden herum – und lässt den Zuschauer dabei gelangweilt schmoren. Seit 6.1. im Kino (Ö)

Bewertung

Bewertung: 4 von 10.

(40/100)

Bild: (c) Stadtkino Filmverleih