Ein historisches Drama aus Österreich: Adrian Goiginger ließ sich für sein neues Projekt von seinem eigenen Urgroßvater inspirieren und bringt die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft mit viel Empathie auf die Leinwand. Doch ob dies reicht, um ein breiteres Publikum zu begeistern, bleibt offen – das ungewohnte Bildformat dürfte einigen Kinobesuchern jedenfalls etwas befremdlich vorkommen. Ab dem 13.01. kann man sich davon selbst überzeugen.

Von Natascha Jurácsik

Franz Streitberger wächst auf einem ärmlichen Hof im Pinzgau auf und wird von seinen Eltern als kleiner Junge als Knecht zu einem reicheren Bauern gegeben. Als er einige Jahre später sein Gehilfenleben zurücklässt und sich schwerlich auf die Suche nach Arbeit begibt, tritt er kurzerhand der Armee bei. Nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland kämpft Franz im Zweiten Weltkrieg und stolpert bei einem Einsatz über einen verletzten Fuchswelpen, dessen Mutter in eine tödliche Falle geraten war. Kurzerhand entscheidet sich der junge Soldat, das Tier bei sich aufzunehmen.

Tatsächlich ist die Geschichte selbst rührend, was von der Tatsache, dass sie auf wahren Begebenheiten basiert, verstärkt wird, allerdings passiert handlungstechnisch relativ wenig in „Der Fuchs“. Goiginger setzt auf Minimalismus – der Dialog ist knapp und wirkt an manchen Stellen wie eine philosophische Meditation statt echter Konversation, was der Psychologisierung der Geschichte in Bezug auf den Protagonisten jegliche Subtilität nimmt. Als Charakterstudie ist der Film daher etwas tollpatschig. Auch die Kameraführung hält sich zurück: Zwar unterstreicht sie die verschiedenen Emotionen der Figuren auf gelungene Weise, überlässt den Aufbau von Atmosphäre und Stimmung aber überwiegend den Drehorten. Zusätzlich ist das klaustrophobische Bildformat zwar mehr oder weniger nachvollziehbar, letztendlich allerdings nicht wirklich gerechtfertigt.

Dass weniger nicht immer mehr ist, zeigt auch die Handlung selbst, denn Höhen und Tiefen gibt es wenige, wodurch bereits nach den ersten 30 Minuten eine gewisse Monotonie einsetzt. Ein Kriegsfilm ohne Kriegsszenen – wären die zu langen zwei Stunden Spielzeit nicht ganz so einfarbig, hätte dieser Versuch vermutlich etwas besser funktioniert. Beim Soundtrack sucht man ebenfalls vergebens nach Abwechslung, denn ein Großteil des Filmes ist ohne Musik gestaltet, was zwar dramatische Szenen hervorheben kann, bei zu extensiver Anwendung jedoch schnell uninteressant wird.

Ein Highlight dagegen ist Simon Morzé als Franz: Er verkörpert die Rolle des belasteten, fast naiv wirkenden Soldaten, der sich verzweifelt an die Freundschaft zu einem wilden Tier klammert, weil er sich in diesem wiedererkennt, auf geschickte und herzzerreißende Art. Leider bleibt seine Figur ebenfalls überwiegend eintönig, wodurch seine Performance nicht so facettenreich ausgefallen ist, wie sie sicherlich hätte sein können.

Fazit

Eine Geschichte mit viel Potenzial: Nichts ist an „Der Fuchs“ wirklich schlecht, einiges sogar überaus gelungen, und dennoch schafft er es nicht, das Publikum mitzureißen. Wer langsame, schwermütige Dramen im minimalistischen Stil mag, wird sicherlich auch an Goigingers neuem Film Gefallen finden, doch große Kinosäle wird er damit wohl nicht füllen können.

Bewertung

Bewertung: 5 von 10.

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Bild: (c) Alamode Film