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Kinderpornografie: Skandal um österreichischen Schauspieler Florian Teichtmeister

Florian Teichtmeister Kinderpornografie

Die österreichische Filmbranche hat ihren nächsten Skandal: Nach der Spaltung des Filmregie-Verbandes letzten Herbst und den Vorwürfen bezüglich sexuell übergriffigen / problematischen Verhaltens gegenüber Minderjährigen am Set von Urlich Seidls „Sparta“ wurde am Freitag bekannt, dass der Wiener Schauspieler Florian Teichtmeister wegen Besitz von Kinderpornografie angeklagt ist. Nicht nur das: Er zeigt sich geständig und muss sich Anfang Februar in Wien vor Gericht verantworten, eine unbedingte Haftstrafe ist möglich.

von Christian Klosz

Teichtmeister gehörte in den letzten Jahren zu den bekanntesten und vielbeschäftigtsten österreichischen Darstellern. Neben TV-Rollen im „Tatort“, „SOKO Kitzbühl“, „Vienna Blood“ oder „Boesterreich“ war er auch als Theater- und Filmschauspieler gefragt, etwa am Burgtheater in Wien. Zuletzt war er in einer Hauptrolle in Marie Kreutzers Sisi-Adaption „Corsage“ zu sehen – ausgerechnet von der Branche gefeierter Oscar-Kandidat Österreichs.

Teichtmeister wird zur Last gelegt, von Februar 2008 bis August 2021 etwa 58.000 Dateien auf diversen Handys, Laptops, externen Festplatten, Speicherkarten und USB-Sticks gehortet zu haben – Dateien mit sexuellen Handlungen auch an Kindern unter 14 Jahren. Ein Doppelleben: Im Jahr 2016 machte sich Teichtmeister noch im österreichischen Parlament bei einer Veranstaltung gegen Kindesmissbrauch stark, wo er mehrere Briefe von Opfern vorlas.

Die Branche und sein Arbeitsumfeld wissen vermutlich seit spätestens August 2021 von den Vorwürfen. Eine Ex-Partnerin zeigte Teichtmeister da bei der Polizei an: körperliche Attacken, verbale Drohungen, Besitz von Rauschmitteln – und eben wegen des Besitzes von kinderpornografischem Material. Die Polizei ging den Hinweisen nach, stellte ein Handy sicher und forschte weiter, bis man auf den diversen Datenträgern die Dateien fand. (Zur Präzisierung: Teichtmeister wird der Besitz von Kinderpornografie zur Last gelegt, nicht deren Produktion oder der körperliche Missbrauch Minderjähriger. Strafbar und verwerflich ist das Verhalten natürlich dennoch.)

Laut Regisseur Sebastian Brauneis, in dessen Debütfilm „Zauberer“ Teichtmeister 2018 mitgespielt hatte, wusste man wegen der Gewaltvorwürfe in der Branche 2021 sofort, um wen es sich handeln würde, auch wenn der Name öffentlich erst nicht bekannt war. Neu war branchenintern der Vorwurf bezüglich des mutmaßlichen Besitzes von Kinderpornografie. Brauneis hatte sich damals als einer von wenigen öffentlich dazu geäußert und – wenn auch ohne Angabe des Namens – auf Facebook distanziert. Gegenüber Arbeitgebern und Kollegen, die nachfragten, gab Teichtmeister 2021 an, dass an den Vorwürfen nichts dran sei und es sich um einen „Rachefeldzug“ seiner Ex handeln würde. Man glaubte ihm scheinbar und forschte nicht weiter nach. Er behielt all seine Rollen und Engagements. Obwohl er gegenüber den Behörden laut seinem Anwalt bereits 2021 alles gestanden hatte.

„Corsage“ war zu zu dem Zeitpunkt bereits abgedreht. Regisseurin Marie Kreutzer und die Produzenten wollen von der Anzeige bis Freitag nichts gewusst haben, aufgefallen wäre ihnen am Set nichts Problematisches. „Gerüchte“ habe es bereits im Sommer 2021 gegeben, da konnte der Darsteller aber „glaubhaft versichern“, dass nichts dran sei. In den letzten Monaten reiste er mit der Filmcrew zu diversen Filmfestivals, wo das Werk gezeigt wurde, posierte mit Regisseurin und anderen Darstellern vor den Kameras.

Teichtmeister wird auch vorgeworfen, an Filmsets Fotos von anderen (minderjährigen, bekleideten) Darstellerinnen / Darstellern gemacht zu haben und daraus daheim „Collagen“ mit Sprechblasen mit pornografischen Inhalten gebastelt zu haben. Inwiefern solche Aufnahmen auch beim Dreh von „Corsage“ oder seinem letzten veröffentlichten Film „Serviam“ stattgefunden haben, ist nicht bekannt. Update 18.1.: Gegenüber dem Standard meldete sich gestern Abend Dieter Pochlatko, Produzent des Films „Serviam“, zu Wort. Er wurde während der Dreharbeiten Anfang Oktober 2021 „von der Anwältin der Eltern einer minderjährigen Darstellerin über ein Foto“ informiert und zugleich aufgefordert, „zu veranlassen, dass sich Teichtmeister dieser Schauspielerin nicht mehr nähert“, erklärt Pochlatko im Gespräch mit dem STANDARD. Als weitere Konsequenz wurde er von sämtlichen Einladungslisten gestrichen und es fanden auch keine Promotionsevents zu „Serviam“ mit ihm statt. Laut Produzent hatte es nur einen Drehtag mit Teichtmeister gegeben. Das alles war nach der im August erfolgten Anzeige und in einer Zeit, in der Teichtmeister sich schon „in Therapie“ befunden haben soll. Es bleibt äußerst unwahrscheinlich, dass es nicht auch bei anderen Drehs (mit Minderjährigen) ähnliche Vorfälle gegeben hat, die niemandem aufgefallen wären oder keinen gestört hätten.

Jedenfalls legt sich ein dunkler Schatten über Österreichs Cannes-Film und Oscar-Einreichung: Auch wenn Regisseurin und Team nicht für Teichtmeisters (private) Verfehlungen verantwortlich gemacht werden können, stellt sich die Frage, ob ein Film mit einem geständig pädophilen Hauptdarsteller österreichisches Aushängeschild der Branche sein sollte. Vorerst jedenfalls will man ihn nicht zurückziehen, weder aus dem Oscar-Rennen, noch aus dem Verleih. Denn in der Filmbranche galt seit jeher: Erst kommt der Ruhm, dann die Moral. Anders gehen diverse Kinos mit dem Fall um, die „Corsage“ seit Freitag teilweise aus dem Programm genommen haben (z.B. die Cineplexx-Kinos). Auch der ORF will keine Filme und Serien mit Teichtmeister mehr zeigen, sein Engagement am Burgtheater ist er ebenfalls los.

Der Skandal wirft ein schlechtes Licht auf die österreichische Filmbranche allgemein, die wie kaum eine andere „verhabert“ ist, wie man hierzulande sagt, eine „große Familie“, wo jeder jeden kennt und mit jedem kann und will, solange Engagements, Aufträge und Geld dabei herausschauen. Gern trägt man im Spiel um brancheninterne und öffentliche Aufmerksamkeit auch sein moralisches Bewusstsein vor sich her, inwiefern das eher Mittel zum Zweck und Schein als Sein ist, steht auf einer anderen Filmrolle geschrieben. Das Image der Branche wird zumindest kurzfristig unter dem Fall Teichtmeister leiden, da aufgrund der spezifischen Bedingungen in Österreich schwer denkbar ist, dass niemandem „etwas aufgefallen“ ist. Vielmehr ist wahrscheinlich, dass bewusst weggeschaut wurde, weil das eben bequemer ist. Und persönliches Prestige und Erfolg im Zweifelsfall schwerer wiegen als ethische Bedenken: Wenn der nächste Auftrag, die nächste Förderung winkt, drückt man nur allzu gerne ein oder auch beide Augen zu. (17.1.2023)

Weiterlesen: Darum sollte sich „Corsage“ selbst canceln – Kommentar

Titelbild:  Florian Teichtmeister mit dem Publikumspreis des Nestroy-Theaterpreises 2015 im Ronacher in Wien. (Wiki Commons/lizenzfrei)

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