Superheldenfilme haben Hochkonjunktur, Marvel und Konsorten überschwemmen das kommerzielle Kino seit Jahren mit ihren Filmproduktionen. Die klassische „Comicverfilmung“ folgt inzwischen bestimmten, beliebig wiederholbaren und variierbaren Schemata (und wurde deshalb bereits „Western des 21. Jahrhunderts“ genannt), nur wenige Filme, wie etwa die Deadpool-Reihe, brechen mit den bereits etablierten Mustern. Was einerseits (und als eines der letzten Genres) Publikum ins Kino lockt, und deshalb vonseiten der Studios weiter forciert wird, nervt andere endlos. Wo bleiben kreative, eigenständige Filme, die sich etwas trauen? Doch Marvel war nicht immer diese Kino-Kommerzmaschine, frühe Verfilmungen des Comic-Riesen waren oftmals als das einzuordnen, was man heute wohl „Flop“ nennt.

Der folgende Film qualifiziert sich für gleich mehrere Kategorien: box-office-bomb, Kritiker-Flop, Goldene Himbeeren-Favorit, aber auch guilty pleasure par excellence und dabei vollkommen zu Unrecht verrissenes Machwerk: „Howard the Duck“ ist ein Trash-Kunstwerk allererster Güte.

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Der Film basiert auf einem 1973 erstmal erschienenen Marvel-Charakter gleichen Namens, und die Story ist ordentlich surreal: Howard T. Duck ist, wie der Name verrät, eine (sprechende) Ente (vergleichbar etwa mit Donald Duck), die auf dem Planeten „Duckworld“ eine menschenähnliche Existenz führt. Durch ein gescheitertes wissenschaftliches Experiment landet Howard auf der Erde, unter Menschen, und muss sich in der für ihn unbekannten Umgebung zurechtfinden. Neben allerlei Problemen, die einer sprechende Ente hier logischerweise begegnen, muss sich Howard schließlich gegen einen „Dark Overlord“ (siehe GIF) durchsetzen, der ebenfalls irgendwie auf der Erde gelandet war – und so die Erde und seine Population vor dem sicher scheinenden Untergang retten.

Selten war ein Drehbuch derart schwachsinnig, abstrus – und dennoch gleichzeitig so unterhaltsam und lustig. Die Dialoge in „Howard the Duck“ sind gespickt mit genialen One-linern wie etwa „That’s it! No more Mister Nice Duck!“. Vieles an dem Film lässt sich ideal mit „so bad it’s good“ beschreiben, man kann einfach nicht anders, als laut loszulachen.

Doch „Howard The Duck“ bereitet nicht nur bei hipstermäßig ironischer Aneignung Vergnügen: Er enthält – ganz ernsthaft – mehrere schöne, rührende, und herzliche Szenen. Im Zentrum steht natürlich Howard die Ente, dessen Kostüm eine unendlich bizarre Erscheinung bietet. Heute undenkbar: Man steckte einen „kleinwüchsigen“ Schauspieler in ein halbwegs realistisches Entenkostüm, und ließ die Hauptfigur so knapp 2 Stunden über die Leinwand watscheln. All das entwickelt ob seiner unfassbaren Skurrilität derartigen Charme, dass man nicht anders kann, als den Film zu lieben.

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Warum also dieser – zugegeben etwas ungewöhnliche – Tipp? Weil der Film einfach unglaublichen Spaß macht. Wer schon vieles gesehen hat, dem bietet „Howard the Duck“ eine erfrischende Alternative, knapp 2 Stunden schrägster, aber ehrlich herzensguter Unterhaltung. Und wer Marvel-fanboys und –girls auf die Frage nach dem Lieblings-Superhelden als Antwort „Howard T. Duck“ entgegenschmettern kann, kann nur gewinnen.

von Christian T. Klosz

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