Regisseur Peter Brunner entführt in seinem neuesten Film in eine Arthouse-Version der österreichischen Alpenlandschaft, beherrscht von religiöser Selbstgeißelung, komplexen familiärischen Naheverhältnissen und durchwegs präsenten und alles sehenden Drohnen. Und dem Teufel, wer auch immer das sein mag. „Luzifer“ feierte im Rahmen der Diagonale 22 seine Premiere, ist seit 22.4. in sen österreichischen Kinos und ab 28.4. in den deutschen Kinos zu sehen.

von Christoph Brodnjak

Der geistig eingeschränkte Johannes (Franz Rogowski) lebt gemeinsam mit seiner Mutter Maria (Susanne Jensen) auf einer kleinen Hütte inmitten der Alpen. Sie leben fast vollständig autark, ihre einzigen Begleiter sind eine Handvoll Kühe und mehrere Greifvögel, insbesondere der Adler Arthur, der Johannes nicht von der Seite weicht. Trotz der malerischen Landschaft herrscht keineswegs friedliche Idylle. Maria scheint von einer Art religiösen Manie geplagt, bedingt durch ihre – frühere – Alkoholsucht und dem Verlust des Partners, Johannes’ Vater. Zwischen Maria und Johannes herrscht ein seltsam anmutendes Naheverhältnis, was man beinahe schon als inzestuös werten könnte. Diese ohnehin schon mit genug Spannung aufgeladene Situation wird noch dazu durch Belästigungen seitens eines Unternehmens verschlimmert, das auf ihrem Grund ein Skigebiet errichten will. Und dem jedes Mittel recht ist.

Mensch versus Maschine, Natur versus Technik, Kapitalismus, Religion, Familie, Scham, Trauer, Schmerz, Liebe. Diese und viele andere Motive werden in „Luzifer“ durch atmosphärische bis durchaus unangenehme Bilder evoziert. Der rote Faden zieht sich in Form einer Frage durch die gesamte Laufzeit: Wer ist der Teufel?

Wie man sich vielleicht bereits denken kann, lässt uns der Film mit diesen Motiven und symbolischen Bildern im Regen stehen und bietet keinerlei vorgekauten Antworten. „Luzifer“ ist getragen von Symbolen, kryptisch anmutenden Selbstgesprächen, Assoziationen, religiösen Bildern und keinem typisch linear strukturierten Ablauf. Arthouse eben. Die Bilder sind in immer kürzeren Abständen unangenehm bis abstoßend, die Szenerie gleichzeitig atemberaubend und trotzdem beklemmend und desolat. Diese Art von Film muss man natürlich mögen, oder zumindest sich vor der Kinokassa darauf einstellen, dass es sich nicht um einen übernatürlichen Slasher wie „Blutgletscher“ (um beim Alpenmotiv zu bleiben) oder Ähnliches handelt.

Fazit:

Völlig neues erwarten einen vielleicht nicht unbedingt, je nach Grad der Vertrautheit mit dem gegenwärtigen Arthouse-Kino, die klassischen Elemente, wie zuvor aufgezählt, sind immer wieder in solchen Filmen zu finden. Nur die Anordnung dieser Elemente ist doch keineswegs konventionell. Für viele vielleicht etwas zu langatmig, zu repetitiv in seinen Bildern oder gar etwas überladen in seiner Symbolträchtigkeit, ist „Luzifer“ jedenfalls eine gewaltige und durchaus fordernde Erfahrung, die manche stellenweise sicher auch geschmacklos finden könnten. Das sei einem unbenommen, man sollte sich aber auf jeden Fall bewusst machen, worauf man sich bei diesem Werk einlässt, bevor man dann vielleicht entweder überfordert oder gar gelangweilt den Kinosaal verlässt.

Bewertung:

Bewertung: 7 von 10.

(70/100)

Bilder: © Ulrich Seidl Filmproduktion