Paul Verhoeven und sein (Provokations-)Kino erlebte gerade in den letzten Jahren eine (Wieder-)Entdeckung durch die etablierte Filmkritik. Möglich, dass seine Rückkehr nach Europa und zu offensichtlich „autorenhaften“ Zugängen („Elle“) dazu beigetragen haben mögen.

Egal, wo der Niederländer arbeitet, eines eignet aller seiner Filme: Die Lust an der Provokation, am „In-Frage-stellen“ der Sehgewohnheiten der Zuseher, und  am Hinterfragen und Pervertieren von Genregrenzen und -konventionen.

„Hollow Man“ aus dem Jahr 2000 war Verhoevens letzter Film seiner Hollywood-Ära, die in den 80-ern begann und Filme wie „Total Recall“, „Basic Instinct“ oder „Starship Troopers“ hervorbrachte. Die story ist schnell umrissen: Ein genial-größenwahnsinniger Wissenschaftler, Sebastian Cane (Kevin Bacon) arbeitet daran,  tierische Lebewesen unsichtbar zu machen. Nachdem die „Phasenverschiebung“ bereits an einem Gorilla erfolgreich angewendet worden war, und er auch wieder in die „Sichtbarkeit“ zurückgeholt werden konnte, will Cane das Unsichtbarkeits-Serum an sich selbst testen. Seine Mitarbeiter (dargestellt u.A. von Elisabeth Shue, Josh Brolin) willigen widerwillig ein, und spritzen ihm das Gift. Zuerst scheint alles glatt zu gehen, doch als das „Zurückholen“ scheitert, ergreift das Wissen um unbegrenzte Macht und Möglichkeiten, die sie Unsichtbarkeit mit sich bringt, Besitz von Sebastian – mit tragischen Folgen….

Verhoeven bastelt auf Basis einer Kurzgeschichte von H.G. Wells einen Sci-Fi-Horror-Thriller, auf Grundlage des „Unsichtbarer Mann“-Motivs. Er führt uns nicht mit dem erhobenen moralischen Zeigefinger vor, welche Auswirkungen eine solche Situation auf den Menschen hat, sondern verführt uns, die Perspektive von Sebastian einzunehmen; und fragt: Wie weit würdet ihr Zuseher gehen? Was würdet ihr in einer solchen Situation machen?

Das von Cane an den Tag gelegte Verhalten steigert sich von latentem Größenwahn zu übergriffigem Verhalten bis hin zu ausgewachsener Bösartigkeit – bis er schließlich ein (un)menschliches Monster ist.
Wie immer bei Verhoeven zieht sich durch den Großteil des Films eine ironische Grundhaltung, die das Gezeigte selbst nicht allzu ernst nimmt. Insofern lässt sich „Hollow Man“ als „ironischer Slasher“ oder „zynischer Horror-Thriller“ bezeichnen (der doppelte Boden fällt erst am Ende wie der Fahrstuhl im Finale, das ein klassisches Action-Ende darstellt, aber gekonnt inszeniert ist).

Hervorzuheben sind des weiteren die beeindruckenden technischen Spezialeffekte, die einen Großteil des heute produzierten ziemlich alt aussehen lassen, und die gar in eine Oscar-Nominierung mündeten, und der tolle Soundtrack von Jerry Goldsmith.

„Hollow Man“ ist am Ende ein ziemlich unterhaltsamer Film, der sich selbst (die meiste Zeit) nicht sehr ernst nimmt, und durchaus sehenswert ist. Verhoeven hat sicher tiefgründigere Filme gemacht, aber auch welche die beim Schauen weniger Spaß machen.

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