Michael Mann gilt als „Action Poet“ Hollywoods, und das zurecht: Keinem anderen Regisseur gelang in den letzten 20 Jahren, dem Genre derart seinen Stempel aufzudrücken, der aus visueller Brillanz und einem unübertroffenen Gespür für poetische Bilder besteht. Seit „Miami Vice“ scheint die Karriere des großen Cinema-Stilisten allerdings ins Stocken geraten zu sein. Mit „Public Enemies“ und vor Allem „Blackhat“ folgten zwei richtig enttäuschende Filme, die weit hinter dem Können des Regisseurs zurückbleiben; vor Allem im Letztgenannten hatte man nicht selten das Gefühl, Mann wolle sich selbst kopieren.

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„Public Enemies“ aus dem Jahr 2009 ließ das nun alles schon ahnen. Die Story um den Gentleman-Gangster John Dillinger und das Chicago der 30er verspricht vieles, hält aber wenig: All die Komponenten, die ansonsten Manns Filmkunst ausmachen, greifen hier nicht, und machen Public Enemies eindeutig zu einem seiner schlechtesten Filme.

Das Geschehen spielt im Chicago der 30er Jahre: Der hochmotivierte Melvin Purvis (Christian Bale), direkter Untergebener von FBI-Boss J. Edgar Hoover, macht Jagd auf den berüchtigten Einbrecher und Knast-Ausbrecher John Dillinger (Johnny Depp), ein Nobel-Gangster mit „sozialem Gewissen“. Der Film beschränkt sich dann darauf, in Episoden die Raubzüge des John D., die Jagd auf ihn, und seine schlussendliche Festnahme zu dokumentieren.

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Wie immer bei Michael Mann geht es bei „Public Enemies“ mehr um die Bilder als um die Story. Was bei den meisten seiner Filme kein Problem darstellt, hier ist es eines: Weil die Story einfach schlecht ist, zu banal, zu abgedroschen und vor allem zu vorhersehbar. Wahrscheinlich ging es Mann wohl um ein Abbild vom Chicago der 30er Jahre, wo ein weiteres Problem begründet liegen könnte: Vor diesem (fiktiven) Hintergrund scheint der Regisseur sein (audio-)visuelles Talent nicht, oder nur beschränkt, ausleben zu können. Was schade ist, wenn man bedenkt, dass ihm mit Johnny Depp und Christian Bale zwei Schauspieler zur Verfügung standen, ähnlich der Kaliber von Al Pacino und Robert De Niro in „Heat“. Doch ihr Leinwand-Duell erreicht nie dieselbe Intensität.

Im Zentrum steht, wie oft bei Michael Mann, eine Liebesgeschichte, die allerdings unzureichend ausgearbeitet wurde, wie die Charaktere überhaupt sehr oberflächlich, fast „blutleer“ bleiben. Public Enemies „zündet“ nicht wirklich, er wirkt einfach schleißig inszeniert. Es scheint fast, als würde die notwendige „Fokussierung“ fehlen, die Bilder wirken fahrig gefilmt, nicht „auf den Punkt“ gebracht, was wiederum überrascht, denn ansonsten liegt darin eine der großen Stärken des Regisseurs.

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FAZIT: Am Ende hat man den Eindruck, einen Film gesehen zu haben, bei dem offenbar alles schief lief: Der Einsatz von Musik – ansonsten eine große Stärke Manns, eine lahme Story, nicht gelungene Kamera-Experimente, und vor Allem furchbares Timing in der Regie; „Public Enemies“ ist einfach kein guter Film.

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