Teil 2 des Schwerpunkts zu Brian de Palma: Review zur letztes Jahr erschienenen, und bei der Viennale ´16 gelaufenen Doku „De Palma“ von Noah Baumbach und Jake Paltrow, die den Meister selbst ausführlichst zu Wort kommen lässt.

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Der Film:

Brian de Palma kann, im Großen und Ganzen, auf eine erfolgreiche Karriere zurückblicken. Der Filmemacher entstammt der „New Hollywood“-Generation, einer Riege junger Filmemacher, der auch Steven Spielberg, Martin Scorsese oder Francis Ford Coppola angehörten, und die sich in den späten 60-ern und 70-ern des letzten Jahrhunderts anschickte, das „System Hollywood“ von innen zu verändern.

Das klassische Studiosystem Hollywoods stand vor dem Zusammenbruch, alte Konventionen gerieten, auch durch gesellschaftliche Umbrüche mitbedingt, ins Wanken. Diese neuen, „anderen“ Filme waren dunkler, düsterer, behandelten andere Themen, waren gesellschaftskritisch, und beschäftigten sich nicht selten mit der „dunklen Seite“ Amerikas. Sie entfernten sich zunehmend von den mit Klischees gesäumten, ausgetretenen Erzählpfaden Hollywoods, und pervertierten diese.

Auch Brian de Palma, dem die beiden jungen Regisseure Noah Baumbach und Jake Paltrow einen Film mit den simplen Titel „De Palma“ widmeten, lernte sein Filmhandwerk in dieser Zeit. Seine Klassiker „Carrie“, „Scarface“, „The Untouchables“ oder „Mission Impossible“ genießen mittlerweile Legendenstatus, vor allem handwerklich sind seine Filme Meisterwerke, Techniken wie der „Split-Screen“ (zwei Bilder laufen parallel am Bildschirm) wurden von ihm miterfunden und im Mainstreamkino populär, seine stilistische Brillanz ist oft unerreicht.

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Die sehenswerte Dokumentation bietet eine bildkräftigen Streifzug durch die gesamte Karriere dieses bemerkenswerten Filmemachers, unterstützt durch viele Originalaufnahmen aus seinen Filmen, und kommentiert von De Palma selbst. Er geizt nicht mit launigen Anekdoten über die Produktionsbedingungen diverser Filme, über wohlbekannte Kollegen, und über das erbarmungslose „System Hollywood“, das jegliche kreative Eigenständigkeit im Kern zu ersticken trachtet. So erfährt man etwa, dass Steven Spielberg der erste Mann in Hollywood war, der ein mobiles Telefon im Auto installiert hatte, oder dass die „Big Five“ New Hollywoods, Spielberg, Scorsese, Lucas, Coppola und De Palma, wirklich eine innige Freundschaft verband, und man sich in der Anfangszeit gegenseitig unter die Arme griff, wo man nur konnte.

Zusätzlich liefert der Film einen interessanten Einblick in die Arbeitsweise dieses Regisseurs, mehrmals kommt er auf sein großes Vorbild Hitchcock zu sprechen, der ihn maßgeblich zu seiner Idee einer „voyeuristischen Perspektive“ als Filmemacher inspirierte. Laut De Palma war es der Altmeister gewesen, der zum ersten Mal das „Sehen“ selbst, und die „Macht der Obsession“ ins Zentrum seiner Filme rückte, ein Zugang, den er selbst stets weiterverfolgte.

Das Ziel „visueller Perfektion“ wird illustriert, innovative Kameratechniken erläutert (De Palmas Einsatz der „Split-Screen“-Technik ist legendär; die Einbruchs-Szene aus „Mission: Impossible“ kennt wohl jeder); steadycam-shots werden erklärt. De Palma erzählt auch ausführlich von Konflikten mit Produzenten, Drehbuchautoren oder den „Rating Boards“, von denen er ob seiner oft exzessiven und überzeichneten Gewaltdarstellungen vielfach kritisiert wurde, und Filme vor der Veröffentlichung nicht selten gekürzt, umgeschnitten, oder, im schlimmsten Fall, verstümmelt wurden.

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Offenbar wird das Bild eines stets ironischen Intellektuellen, eines selbsternannten „Technik-Nerds“, der seine Karriere lang versuchte, Filme nach seinen Vorstellungen zu realisieren – und dabei, im Gegensatz zum Kollegen und Freund Scorsese, oft scheitern musste: an Produzenten, Kritikern, der Filmzensur, dem erbarmungslosen „System Hollywood“, oder am Publikum selbst – und das zumeist zu Unrecht. Zumindest entwickelten sich einige seiner Werke später zu „Kultfilmen“, wie etwa „Body Double“ oder vor Allem „Scarface“. Postwendende Erfolge blieben mit „Carrie“, „Untouchables“ und „Mission: Impossible“ die Ausnahme.

Fazit:

Die Doku „De Palma“ ist voll von filmischen Querverweisen, Querverbindungen, und bietet für Filmliebhaber und Fans von Brian De Palma einen reichen Fundus an erstklassigen Informationen. Der Film liefert zudem interessante Erkenntnisse über die „New Hollywood“-Generation, und für Filmfans, die mit dem Werk dieses Regisseurs erst weniger vertraut sind, einen guten, ersten Überblick. Der Film illustriert anschaulich die Arbeitsweise des Regisseurs Brian De Palma, der immer auch „Outsider“ des Systems (Hollywood) war, das ihn groß gemacht hatte, neben amüsanten Anekdoten enthält die Dokumentation auch eine Vielzahl von Originalaufnahmen und vorher unveröffentlichtem Bildmaterial. Sehr Sehenswert.

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mehr zu De Palma:

Die 15 besten Filme von Brian de Palma (updated Version)

„The Untouchables“ – Brian de Palma, 1987

„Teufelskreis Alpha“ – Brian de Palma (1978)

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