Spät, aber doch, die Kritik zum Remake bzw. zur Neuverfilmung des Christie-Klassikers. Kritik zur Verfilmung von 1974: Vergessene Meisterwerke der 70-er

In den seltensten Fällen übertreffen Remakes die Originale, vor Allem in den letzten Jahren wurden durch inflationären Einsatz dieser Produktionspolitik unzählige Klassiker beschädigt. Widmet sich allerdings ein Mann wie Kenneth Branagh der Regie, kann man davon ausgehen, dass das Ergebnis zumindest sehenswert ist. Das trifft auch auf den vor Kurzem erschienen „Mord im Orient Express“ zu.

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Die Story sollte inzwischen hinlänglich bekannt sein: Eine Gruppe illustrer Gäste, hier ebenso wie im Film von ´74 dargestellt von einer illustren Runde von Hollywood-Stars (Johnny Depp, Judi Dench, Willem Defoe, Penelope Cruz, Michelle Pfeiffer uvm.), trifft im „Orient-Express“ aufeinander, zu Mitternacht erfolgt ein Mord. Während der Zug im dichten Schneetreiben stecken bleibt, versucht Hercule Poirot (Branagh selbst), seines Zeichens Meisterdetektiv, der per Zufall auch an Bord ist, den undurchsichtigen Fall zu lösen, und den/die Mörder zu finden.

„Mord im Orient Express“ ist ein guter Film, der sich angenehm vom Hollywood-Einheitsbrei abhebt. Branagh schafft es, seinen dialoglastigen Theater-Zugang mit zeitgemäßen Bildern zu verbinden, ohne auf billige Effekthascherei zu setzen. Im Vergleich zum Film von 1974, bei dem Sidney Lumet Regie führte, ist dieser hier „ernsthafter“, weniger ironisch, weniger Parodie und viel mehr Drama, ohne dabei Kitsch zu werden. Der Film versteht es, die emotionalen Konflikte zu veranschaulichen, die die Protagonisten durchleben.

Wenn man etwas kritisieren möchte, dann eben unter Umständen eine zu große Ernsthaftigkeit, bis hin zum Melodrama. Auch wäre bei einem derartigen Cast unter Umständen noch mehr Schauspiel drinnen gewesen, doch die einzelnen Akteure haben oft nur wenig Redezeit, Poirot selbst, also Branagh, steht ganz im Zentrum des Films.

Dennoch bietet „Mord im Orient-Express“ gute Unterhaltung, besticht durch überzeugende Bilder und eine solide Regieleistung, und zählt deshalb sicher zu den Film-Remakes, die ihre Berechtigung haben, die mehr eine Neuinterpretation eines bekannten Stoffes sind, als plumpe Geldmacherei.

Bewertung: 8 von 10

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-> zum weiterschauen: „Dead Again“, 1991; „Sleuth“, 2007. Beide ebenfalls von Kenneth Branagh, und sehr gut

 

 

 

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