Im Rahmen der Kathryn Bigelow-Retrospektive lief gestern Abend, am 13.12., einer ihrer früheren Filme, nämlich „Gefährliche Brandung“ (deutscher Titel) im österreichischen Filmmuseum in Wien. Der Film beweist bereits das inszenatorische Talent dieser weiblichen „Männerfilme-Macherin“, strotzt vor Gewaltexzessen a la Peckinpah, es fehlt ihm aber einiges von dem, das das Bigelow-Kino seit „The Hurt Locker“ ausmacht.

Die Story: Keanu Reeves spielt Johnny Utah, einen jungen FBI-Agenten, der, „young, dumb, full of cum“ wie sein Vorgesetzter (genial: John C. McGinley) passend beschreibt, und top-motiviert ist, mit Kollegen Angelo Pappas (Gary Busey) einer Serie von Banküberfällen ein Ende zu bereiten, die die Stadt sein Jahren in Atem hält. Eine Gang, die sich „Ex-Presidents“ nennt (wegen der bei den Rauben getragenen Masken), konnte und kann nicht dingfest gemacht werden. Gemeinsam beginnen Pappas und Utah zu recherchieren, und kommen zu der Erkenntnis, dass sich die Gruppe im Surfer-Umfeld herumtreiben müsse. Utah schleust sich „undercover“ ein, um Surfen zu lernen, und so Kontakt zu den (möglichen) Tätern herzustellen, findet aber schrittweise selbst immer mehr Gefallen an dem Lifestyle einer Surfer-Sekte, deren Anführer Bodhi (Patrick Swayze) sich als „moderner Messias“ versteht, der Erlösung durch exzessiven Adrenalinausstoß verspricht.

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In „Point Break“ wird erkennbar, dass  Bigelow schon früh Interesse an Ambivalenzen ihrer Charaktere hatte, hier am Zwiespalt, in dem sich Utah befindet, hin- und her gerissen zwischen personal life, Liebe, Surfer-Lifestyle und seinem FBI-Job und dessen Anforderungen; schrittweise verschwinden die Grenzen zwischen Tarnung und echtem Leben, zwischen undercover-Rolle und Utah selbst. Der Film ist gut in Szene gesetzt, und kann mit einigen schön fotografierten Aufnahmen aufwarten (vor Allem: die Fallschirmsprung-Szene mit minutenlangen Aufnahmen aus der Luft). Dennoch erreicht er nicht ganz die Qualität von Bigelows späteren, weitaus kontroverseren Filmen wie „The Hurt Locker“, vor Allem „Zero Dark Thirty“, oder, zuletzt, „Detroit“ (Kritik: „Detroit“ (2017)), deren zwingender Konsequenz bei der Umsetzung dringender Themen. Der eher „nüchterne“ Blick auf die Welt trifft sich besser mit politisch aufgeladenen Sujets, ist von Vorteil bei den deskriptiven, nahezu investigativ-journalistischen Filmen der 2000-er-Jahre, die am Ende einfach besser sind als „Point Break“.

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Dennoch bietet der Film gute Unterhaltung, schöne Bilder, melancholische Atmosphäre, Macho-Sprüche es masse und harte Action. Wer aber vor Allem mit Bigelows neueren Werken vertraut ist, könnte etwas enttäuscht werden, wenngleich der Film diverse Entwicklungen dieser Regisseurin bereits vorzeichnet.

von Christian Klosz

 

 

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