Wenn das Sequel besser ist als das Original – Deadpool 2

Wir schrieben das Jahr 2009: nachdem die Anhänger der gepflegten cineastischen Superheldenunterhaltung knapp drei Jahre zuvor beim letzten Widerstand beinahe auch ihre letzte Hoffnung verloren hatten, schien es doch noch einen Silberstreif am Horizont zu geben – „X-Men Origins: Wolverine“ schien die Antwort auf jegliche Fangebete zu sein. Nicht nur, weil die Geschichte Licht auf die Herkunft des wohl beliebtesten Mutanten des Franchise bis dato werfen sollte, sondern auch deshalb, weil der Trailer ein Aufgebot an weiteren Superhelden mit besonderen Fähigkeiten versprach.

Dem geschulten Blick des aufmerksamen Beobachters war dabei wohl unter anderem ein Mann mit zwei Samuraischwertern in rotem Leder nicht entgangen, der den Laden kräftig aufmischen sollte: Deadpool. Das Endergebnis hingegen ging in die Kinogeschichte ein – im negativen Sinne: Von vielen als eine der schlechtesten Darstellungen eines bereits bestehenden Charakters in der Luft zerrissen, gab sogar Ryan Reynolds, also der Mime höchstselbst, seinen Unmut über die Verschandelung der beliebten Figur lautstark preis, und schwor feierlich zu einem späteren Zeitpunkt Wiedergutmachung zu leisten.

Dieser Zeitpunkt sollte jedoch erst ganze 7 Jahre später eintreten, nachdem das Projekt durch eine Art Produktionshölle gegangen war. Entgegen jeglicher Erwartungen seitens des produzierenden Studios wurde die bitterböse R-Rated-Komödie rund um den Ex-Soldaten und Gangster, der mit Hilfe eines Militärexperiments quasi unsterblich gemacht wird, über Nacht zum Hit. Die erfrischende Derbheit, sowohl was Sprache als auch Gewalt betrifft, gepaart mit viel Mut zur Selbstironie und einer beinahe unerhörten Gagdichte waren das Erfolgsrezept des Kassenschlagers „Deadpool“ aus dem Jahr 2016.

Eine Fortsetzung war somit von Anfang an unvermeidbar, und ist seit kurzem in den österreichischen Kinos zu sehen: Im folgenden unsere Kritik zu „Deadpool 2“.

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Und was dieser Film nicht alles zu bieten hat: Denn mit „Deadpool 2“ ist den Machern etwas gelungen, das trotz dem deutlich erkennbaren Aufwärtstrend nach wie vor eine Seltenheit im Filmbusiness ist – ein wirklich hervorragendes Sequel. Dabei zeigt sich die Qualität des Films vor Allem darin, dass er zu verstehen scheint, was sich die Zuschauer von einer Fortsetzung erwarten; Ähnlichkeit ohne Gleichheit, Einheitlichkeit ohne Einfallslosigkeit. Der Zuschauer möchte eine kohärente Welt vorfinden, er möchte an das Gefühl bei der Sichtung des ersten Teils erinnert werden, ohne das Gefühl zu haben, erneut exakt das gleiche vorgesetzt zu bekommen.

Genau hier macht „Deadpool 2“ einfach alles richtig. Viele Elemente des Vorgängers werden übernommen, dabei aber abgewandelt, weiter entwickelt und anders interpretiert. Aber nicht nur die stimmige Eingliederung in die erschaffene Welt wurde gekonnt gemeistert, auch das wohl wichtigste bei einem Film mit diesem Titel kommt keineswegs zu kurz: der Humor. Wie bereits beim ersten Teil sitzen die Zungen locker, die Sprüche fliegen wie Kugeln umher und treffen zielsicher den Lachmuskel; Schonungslosigkeit und ein Hang zur Selbstironie sind auch diesmal wieder deutlich zu spüren, was das neuerliche R-Rating unterstreicht.

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Inszenatorisch ist es Regisseur Leitch gelungen, sein Gespür für Action sowie Bildsprache und Ästhetik abermals unter Beweis zu stellen und sich damit wohl endgültig in die Liga gefragter Hollywoodregisseure zu katapultieren. Doch nicht nur die Action kann mit dem Vorgänger mithalten, denn in puncto Handlung wird dieser sogar von seinem Nachfolger ausgestochen. Während der erste Teil noch an einer Krankheit laborierte, die viele Verfilmungen dieses Genres befällt – einem blassen Bösewicht – hat sich „Deadpool 2“ mit der Wahl von Cable als vermeintlichem Antagonisten von dem schematischen Schwarz-Weiß-Denken verabschiedet, und bietet dem Publikum damit eine interessantere und komplexere Geschichte als Teil 1, welche die Grenzen zwischen Gut und Böse immer mehr verschwimmen lässt.

Fazit: „Deadpool 2“ hat somit alles, was sich das Fanherz nur wünschen kann, und stellt eine Fortsetzung dar, die seinen Vorgänger in mancher Hinsicht sogar noch zu übertreffen vermag. Für bisherige Nicht-Fans empfiehlt sich zuvor eine Sichtung des ersten Teils, da man sonst viele Witze und Anspielungen wohl nicht verstehen wird – bei Filmen von derartiger Qualität und solch hohem Unterhaltungswert sollte es Schlimmeres geben.

von Mara Hollenstein-Tirk  (https://mediaffinblog.wordpress.com/)

Bilder: 20th Century Fox

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