So unterschiedliche Regisseure wie David Cronenberg, Brian de Palma, Paul Verhoeven oder Stanley Kubrick haben vielfältige Versuche unternommen, das Wesen der „menschlichen Sexualität“ auf Leinwand zu bannen. Von satirisch überzeichnet („Showgirls“) bis abgründig und intellektuell („Crash“), bis hin zu hochstilisiert („Eyes Wide Shut“) reicht das Spektrum der „Erotik-Filme“.

Hier ein kurzes „Best Of“, die „Top 10 des Erotik-Films“ – ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

1. „Swimming Pool“ – Francois Ozon, 2003

Intelligenter und packender Erotik-Thriller in bester französischer Film-Tradition, gespickt mit wunderbaren Aufnahmen der französischen Landschaft. „Ein fabulierfreudiges, hervorragend gespieltes, ebenso anregend wie delikat ersonnenes Vexierspiel um kreative Gestaltung, das zirzensisch und tiefgründig zugleich um existenzielle Fragen, Daseinsansprüche und Lebensbedürfnisse, Ängste und ihre Bewältigung kreist“, meint der Film-Dienst treffend.

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2. „Eine dunkle Begierde“ – David Cronenberg, 2011

Eine tiefgründige und intellektuelle Annäherung an das Thema, das vor Allem die pathologischen Seiten der menschlichen Sexualität ins Auge fasst. Zudem ein genialer Exkurs über die Entstehung der Psychoanalyse. Gespickt mit hervorragenden Schauspielerleistungen, allen voran Keira Kneightley und Viggo Mortensen als Sigmund Freud.

3. „Die Satansweiber von Tittfield“ – Russ Meyer, 1965

Ein Tipp aus der Kategorie Erotik-Trash: Russ Meyer erreichte den Höhepunkt seiner pervers unterhaltsamen Sexploitation-Kunst 1965 mit „Die Satansweiber von Tittfield“, der überraschend kunstvolle Einstellungen mit einer Menge Humor und rüden Gewalteinlagen kombiniert. Ungezwungene Blödeleien, freizügige Sexualität und Schauwerte für männliche und weibliche Zuseher machen den Film zu einem wahren Genuss: Trash-Kunst vom feinsten, der man ohne jegliches schlechte Gewissen frönen sollte.

4. „Nymphomaniac“ – Lars von Trier, 2013

So schmerzhaft kann Lust sein: Von Triers Opus Magnum fordert dem Zuseher alles ab, und zeigt vor allem die dunklen Seiten menschlichen Begehrens. Während Teil 1 noch ansatzweise „Freude“ bereitet, ist Teil 2 eine wahre Herausforderung. Die Vorzüge liegen nicht in den kalkulierten „Skandalen mit Anlauf“ (echte Sexszenen, Pornodarsteller etc.), sondern in der tiefen Melancholie des Werks.

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5. „Crash“ – David Cronenberg, 1996

Immer wieder zieht es den kanadischen Auteur zum selben Thema: Hier gewährt uns Cronenberg im wahrsten Sinne des Wortes intime Einblicke in eine fiktive, perverse Subkultur von Menschen, die durch fatale Autounfälle sexuell erregt werden – Sich ineinander schiebende Autos als Metapher für sich ineinander schiebende Körper. Emotional und intellektuell fordernd und stimulierend.

6. „Secretary“ – Steven Shainberg, 2002

Ein großartiger Independent-Streifen, der beweist, dass es auch alternative „Happy Ends“ abseits der öden Hollywood-Konventionen geben kann: „Secretary“ Maggy Gyllenhaal, privat und psychisch schwer gebeutelt, begibt sich in ein auf den ersten Blick schwer pathologisches Arbeitsverhältnis, das jede „50 Shades“-Kitsch-Romantik alt aussehen lässt – und findet darin ihre Erfüllung. Getragen von großartigen Schauspielleistungen.

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7. „Showgirls“ – Paul Verhoeven, 1995

Beim Erscheinen verrissen, in den letzten Jahren wird die Meinung zu Verhoevens größtem finanziellen Desaster schrittweise revidiert, und der Film gar als „Meisterwerk“ bezeichnet. Der satirische Wert von „Showgirls“ wurde lange Zeit verkannt, wobei die Parodie kaum offensichtlicher sein könnte: Es gibt keinen anderen Film der soviel nackte Haut zeigt – und dabei derart unerotisch ist.

8. „Body Double“ – Brian de Palma, 1984

Ein verkannter De Palma-Geniestreich, der diverse Hitchcock-Zugänge zu einem äußerst unterhaltsamen Trash-Amalgam verschmilzt, das dem Begriff „guilty pleasure“ ganz neue Bedeutung verleiht. Eine filmische Feier des (kinematographischen) Voyeurismus, in dem De Palma sein zentrales Motiv auf die Spitze treibt, garniert mit großartigen gefilmten Einstellungen.

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9. „Basic Instinct“ – Paul Verhoeven, 1992

Der kommerziell erfolgreichste Verhoeven-Film, der nicht nur wegen seiner schlüpfrigen „Verhör-Szene“ Kultstatus erlangte und zum „Skandalfilm“ avancierte. Wie immer in seinen Filmen spielt der Holländer mit Genre-Regeln, bricht und pervertiert sie, und zieht dem Zuschauer permanent den (doppelten) Boden unter den Füßen. Wie Sharon Stone als ultimative femme fatale Michael Douglas führt uns Verhoeven nicht nur aufs Glatteis, sondern zertrümmert dasselbe schlussendlich mit dem inszenatorischen Eispickel, sodass das furiose Finale einem Fall ins Leere gleichkommt.

10. „Eyes Wide Shut“ – Stanley Kubrick, 1999

Der letzte Film von Meister Kubrick: Ein sperriger und hypnotischer filmischer Trip in die Untiefen der menschlichen Seele, eine Odyssee durch die dunkelsten Begierden, und ein pessimistisches Portrait der bürgerlichen Liebe, deren braver Schein als trügerisch entlarvt wird. Basierend auf Schnitzlers „Traumnovelle“, liefern Tom Cruise und Nicole Kidman darstellerische Bravourleistungen ab, während Kubrick seine Charaktere gleich Schachfiguren von einem Abgrund zum nächsten schiebt. Er verstarb kurz nach der Fertigstellung, und hinterließ mit „Eyes Wide Shut“ ein grandioses Abschiedswerk.

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