Seit 7.3. ist soweit: Das Programm der Diagonale 2019 wurde veröffentlicht. Wir berichten ab 19.3. – erstmals als vier-köpfiges Team – LIVE aus Graz.

Wie jedes Jahr präsentieren die Festival-Chefs Peter Schernhuber und Sebastian Höglinger einen Querschnitt des österreichischen Filmschaffens, der sowohl bereits Bekanntem aus dem vergangenen Jahr eine neue Bühne gibt, wie auch Neuentdeckungen und Premieren präsentiert.

Als Stargast wurde Rose McGowan gewonnen, die im Kontext der #metoo-Debatten zu einem Talk eingeladen wird, dem österreichischen Schauspieler Hanno Pöschl wird eine Retrospektive gewidmet. Im folgenden die Programm-Highlights im Überblick:


Aus der Kategorie „Bereits Bekanntes“ im Spielfilm-Bereich lassen sich folgende Filme nennen:

„Styx“ von Wolfgang Fischer

„Das mit drei Goldenen Bären ausgezeichnete Werk wirft einen intimen Blick hinter die erschütternden Schlagzeilen über verunglückte Flüchtlingstransporte und verfügt in all seiner Wortkargheit über gewaltige Aussagekraft. Ein hochgradig körperliches Filmerlebnis, das man sich gern als fixen Programmpunkt jeder Flüchtlingskonferenz wünsche würde.“ Daniel Krunz

„Erik & Erika“ von Reinhold Bilgeri

„Der Film beleuchtet das Leben von Erik Schinegger, der zuvor noch als Erika Schinegger Skierfolge feierte. Wie sich die geschlechterspezifische Erziehung und das Leben mit einer falschen Identität anfühlt, wird ebenso gezeigt, wie auch Ecksteine im Leben von Erik. (…) Wegen seiner moralischen Message und der Darstellung einer unglaublichen, aber wahren Geschichte ist „Erik & Erika“ ein sehenswerter Film, unperfekt, aber mit dem Herz am rechten Fleck.“ Valerian Happenhofer

„Der Trafikant“ von Nikolaus Leytner

„Nikolaus Leytners Adaption des gleichnamigen Romans „Der Trafikant“ von Robert Seethaler vereint gekonnt die Probleme eines kleinen Individuums, das sich aufgrund des Umbruchs in der Welt zur Zeit der Machtübernahme von Hitlers Truppen in Wien auch mit größeren Problemen auseinandersetzen muss. Auch gerade in der heutigen Zeit sicher ein interessantes Thema.“ Elli Leeb

DER TRAFIKANT
C. Petro Domenigg

„3 Tage in Quiberon“ von Emily Atef

„„3 Tage in Quiberon“ ist ein tragischer, aber schöner Film. Regisseurin Atef schafft es, eine ruhige, reflektierende Geschichte auf die Leinwand zu bringen, die den Menschen Romy Schneider nah und persönlich beleuchtet. Interessierte werden bestimmt nicht enttäuscht werden. Allen anderen wird die Möglichkeit geboten, sich der Person Romy Schneider ohne großes Vorwissen anzunähern. (….) ein intimes Portrait einer großartigen Schauspielerin und Frau.“ Valerian Happenhofer

„Womit haben wir das verdient?“ von Eva Spreitzhofer

„„Womit haben wir das verdient?“ illustriert auf unterhaltsame und humorvolle Weise die Bruchstellen, Irritationen, Widersprüche und Grenzen der liberalen, offenen und postmodernen „Multi-Kulti“-Gesellschaft. (…) Besonders lobenswert ist, dass Regisseurin und Drehbuchautorin Spreitzhofer nicht nur auf erhobene Zeigefinger, sondern auch auf übertriebene political correctness verzichtet. Alles in allem: Eine durch und durch gelungene Komödie, witzig, humorvoll, gut geschrieben, klug und unterhaltsam.“ Christian Klosz

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© Mona Film Produktion GmbH

„Joy“ von Sudabeh Mortezai

„Ein weiteres Mal betrachtet Mortezai in „Joy“ das alltägliche Leben von illegalen EinwohnerInnen auf eine überaus realistisch wirkende Art. 101 Minuten lang erfahren wir das kollektive Schicksal nigerianischer Migrantinnen, die tagtäglich um das Überleben kämpfen müssen. In der migrationsorientierten politischen Krise Europas ein Thema, das gar nicht aktueller sein könnte.“ Elli Leeb


Interessante Spielfilm-Premieren:

„Der Boden unter den Füßen“ von Marie Kreutzer (Eröffnungsfilm)

„Die Unternehmensberaterin Lola (Valerie Pachner) ist ständig unterwegs und hat ihr Privatleben ebenso fest im Griff wie ihre Karriere. Vermeintlich. Der Suizidversuch ihrer älteren Schwester Conny (Pia Hierzegger) bringt Lolas strukturiertes Leben ins Wanken. Mit Sensibilität lotet Marie Kreutzer die Grenzen zwischen Gesundheit und Krankheit, Eigeninteresse und Verantwortungsbewusstsein aus. Hastend zwischen Selbst-, Prozess und Profitoptimierung.“ Diagonale 

„Die Kinder der Toten“ von Pavol Liska und Kelly Copper

„In der filmischen Adaption von Elfriede Jelineks Opus Magnum „Die Kinder der Toten“ durch das Nature Theater of Oklahoma werden heimatliche Idyllen gespenstisch untergraben: Was mit malerischen Super8-Aufnahmen vom Ferienparadies Obersteiermark beginnt, entpuppt sich nach und nach als trashiger Horrorheimatfilm, in dem die Untoten auferstehen und die Dorfbewohner/innen zwingen, sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Dabei wird der Film zur Hommage auf das Kino als Ort, an dem die Erinnerung fortlebt.“ Diagonale

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© Ulrich Seidl Filmproduktion

„Kaviar“ von Elena Tikhonova

„Der russische Oligarch Igor möchte ein Haus auf die Schwedenbrücke setzen. Davor müssen jedoch erst ein paar Stadträte bestochen und die Donaukanalsanierung vorangetrieben werden. Aber auch die Dolmetscherin Nadja und der zwielichtige Klaus haben es auf Igors Geld abgesehen. In der starbesetzten Culture-Clash-Gangsterkomödie spielt die austrorussische Regisseurin Elena Tikhonova mit Stereotypen und erteilt männlichem Größenwahn eine gehörige Lektion.“ Diagonale


Interessante Dokumentar-Filme:

„Erde“ von Nikolaus Geyrhalter

„Eine Großbaustelle in Kalifornien, ein Marmorsteinbruch in Italien, eine Kupfermine in Spanien oder der entstehende Basistunnel unter dem Brennerpass: 156 Millionen Tonnen Erde bewegt der Mensch täglich. Der Verhältnisordnung zwischen Natur, Menschen und deren Maschinen nachspürend begibt sich Nikolaus Geyrhalter in Erde an Orte, an denen der Mensch tiefe Wunden in die Natur schlägt, um ihrer habhaft zu werden.“ Diagonale

„Inland“ von Ulli Gladik

„Eine Politik für Österreich“, „Fairness“, „Wir sorgen für Sicherheit“ – Wahlslogans, die eine Rückkehr zu vergangener Moral verheißen, zieren die Stadt Wien vor den österreichischen Nationalratswahlen 2017. Das Misstrauen gegenüber vermeintlichen politischen Eliten gepaart mit populistischen Versprechungen polarisiert die Gesellschaft. INLAND gibt intime Einblicke in die Leben seiner Protagonist/ innen und zeichnet so ein Sittenbild ihrer Ängste und Hoffnungen in komplexen Zeiten.“ Diagonale

Inland, Diagonale
„Inland“ © Ulli Gladik

„Die Melancholie der Millionäre“ von Caspar Pfaundler

„Ein Haus in der Innenstadt, das als „Kunstwerk“ und „permanente Installation“ bezeichnet wird. DIE MELANCHOLIE DER MILLIONÄRE beschreibt dieses Haus entlang von Gesprächen dreier Bewohner: Es geht um Drogen, sexuelle und spirituelle Identitätsfindung, Familienkonflikte und das Verwebtsein in die (jüdische) Wiener Kultur und Geschichte mit ihrer Obsession für Status, Ansehen, Titel und Oberfläche. Ein Grenzgang, thematisch wie formal.“ Diagonale


Insgesamt findet man Premieren eher in der Dok-Sektion, ein Fokus scheint auf Kurzfilmen zu liegen, die zumeist als „Kurzspielfilme“ gekennzeichnet sind, während in der Kategorie „Langspielfilm“ eher bereits bekannte, aber nichtsdestotrotz interessante Produktionen zu sehen sind.

Die Diagonale findet von 19.3 bis 24.3 in Graz statt. Das gesamt Programm ist hier einsehbar: www.diagonale.at

Titelbild: © Juhani Zebra

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