Bei „Ein verborgenes Leben“ handelt es sich um ein Filmdrama von Terrence Malick, das die wahre Geschichte des Landwirten Franz Jägerstätters erzählt, der zur Zeit des Nationalsozialismus gemeinsam mit seiner Frau Fani im oberösterreichischen St. Radegund lebte. Er weigerte sich, den Kriegsdienst für die Nationalsozialisten zu leisten und Hitler die Treue zu schwören.

von Paul Kunz

Zunächst nimmt sich „Ein verborgenes Leben“ ausgiebig Zeit um das friedliche Leben in St. Radegund zu zeigen: Franz (August Diehl) und Ehefrau Fani (Valerie Pachner) spielen mit den Kindern im Grünen, schwingen die Sense vor pittoreskem Hintergrund oder liegen gemeinsam im Gras. Doch dann wird Franz zum Militärstützpunkt bestellt, um für den Kriegsdienst vorbereitet zu werden. Franz glaubt nicht an die Sache des NS-Regimes, aber seine Ablehnung trifft bei den anderen Bewohnern St. Radegunds auf Unverständnis. Bald werden die Jägerstätters von den eigenen Freunden und Nachbarn angefeindet, ausgegrenzt – und als Franz schließlich in den Krieg einberufen wird, muss er eine schwere Entscheidung treffen.

Malicks Film ist ein Lobgesang auf die Standhaftigkeit eines einzelnen Mannes im Angesicht einer politischen Übermacht geworden. Franz lehnt das NS-Regime nicht aus rationalen Überlegungen oder politischen Überzeugungen ab, sondern aus einer christlich geprägten Intuition heraus, aus seinem Gewissen, an dem er eisern festzuhalten bereit ist, auch wenn er nicht die Macht hat, etwas zu verändern. Es ist ein Zugang nicht über den Verstand, sondern über das Gefühl und dieser lässt auch Malicks typisch poetisch-stilisierte Bildsprache äußerst passend erscheinen. Jörg Widmer leistet grandiose Kameraarbeit, die in den richtigen Momenten zwischen losgelöst-schwebend und dem Geschehen wie gehetzt folgend wechselt und die Schönheit Oberösterreichs mit dem politischen Grauen und Jägerstätters inneren Konflikten kontrastiert. Die Bearbeitung der Fragen, die Malick aufwirft, ist dann jedoch nicht ganz so tiefgründig, wie man sich am Anfang verspricht und damit kann der höchst stilisierte Film den Beigeschmack des Selbstherrlichen nicht vollständig abschütteln.

Wer aber ob Malicks jüngerer Werke befürchtet, dass sich der Regisseur gänzlich in seinen Eigentümlichkeiten verloren hat, darf aufatmen: „Ein Verborgenes Leben“ ist zwar unmissverständlich Malick und ufert in beinahe drei Stunden Laufzeit auch gerne aus, etwa, wenn wir immer und immer wieder gezeigt bekommen, wie die Jägerstätters von den verschiedenen Dorfbewohnern beschimpft werden. Dennoch hat der Film eine klare Struktur mit einem roten Faden und findet immer rechtzeitig zurück auf Kurs, ehe er zu langweilen droht. Wie emotional man das Geschehen letzten Endes empfindet, hängt aber davon ab, inwieweit man sich in Malicks Regieführung hineinfühlen kann, oder ob man sich davon eher auf Abstand gehalten fühlt.

Einen Zugang ermöglichen die schauspielerischen Leistungen der beiden Hauptdarsteller: August Diehl spielt Jägerstätter im besten Sinne unaufgeregt, nach innen gerichtet und vermittelt die seelische Unruhe eines zerrissenen Mannes auf großartige Weise. Nicht weniger gelungen ist Valerie Pachners Fani, die die Anfeindungen im Dorf mit Würde und Stärke erträgt, während ihr Mann abwesend ist. Ihr Spiel verleiht dem Film eine Natürlichkeit und Bodenhaftung, die er gut vertragen kann.

Fazit

„Ein verborgenes Leben“ ist ein gelungener Film, der sich einer höchst spannenden Person der Zeitgeschichte auf interessante Weise nähert. Zwar ist er ein Stück zu lang geraten und nicht ganz so tiefsinnig wie er zu sein vorgibt, aber die ergreifende Handlung, die wunderschöne Bildsprache, sowie die hervorragenden schauspielerischen Leistungen fügen sich dennoch zu einem durch und durch lohnenden Ganzen zusammen.

Bewertung

8 von 10 Punkten

Bilder: © Filmladen Filmverleih