Mein heutiger Filmtipp war eine der großen, persönlichen Entdeckungen der letzten Berlinale: Es gibt diese Filme, die einen direkt ansprechen, die einem aus der Seele sprechen, denen man sich von der ersten Sekunde an verwandt fühlt. Dieses Gefühl hatte ich bei „The Fountainhead“ aus dem Jahr 1949 mit Gary Cooper und Patricia Neal in den Hauptrollen, der in der von Rainer Rother ausgezeichnet kuratierten King Vidor-Retrospektive lief.

von Christian Klosz

Der auf dem gleichnamigen Buch von Ayn Rand (die auch selbst das Drehbuch dazu verfasste) basierende Film befasst sich mit der Rolle des Individuums in der Gesellschaft, mit der Rolle des Künstlers in der Gesellschaft und seiner Bedeutung für die Gesellschaft, propagiert einen idealistischen Individualismus und künstlerische Kompromisslosigkeit und stellt sich gegen mittelmäßigen Massengeschmack.

Der Protagonist in „The Fountainhead“, Architekt Howard Roark, ist ein Mann stahlharter Prinzipien, Kompromisse bei seiner Arbeit sind ihm ein Graus, lieber arbeitet er unterbezahlt am Bau, als ein Gebäude zu entwerfen, das nicht seinen Vorstellungen entspricht. Dieser extreme Entwurf des „künstlerischen Genies“ ist ein Plädoyer für künstlerische Freiheit gegen alle Widerstände, für visionäre und originäre Kunst als Fortschrittsmotor der Gesellschaft und gegen Kommerzialismus. Wenngleich von Rands radikal-liberaler Gesinnung geprägt, kann diese hervorragende Filmadaption für sich alleine stehen und nimmt eine universell gesellschafts- und machtkritische Position ein. Auch die avantgardistisch geprägte Kameraarbeit, die gediegenen Schwarz-Weiß-Bilder überzeugen.


„The Fountainhead“ ist hier zu sehen:

Bei Amazon als VOD ab 3.99$ (Leihe)

Bei Vimeo gibt es einen frei verfügbaren Stream, allerdings in mangelhafter Qualität und mit spanischen Untertiteln:


Über die Streaming-Tipps des Tages:

Die öffentlichen Kinos sind wegen Corona geschlossen, Filmfans müssen also vorerst mit dem Home Cinema Vorlieb nehmen. Doch wie soll man aus dem Wildwuchs der Streamingdienste und dem Meer verfügbarer Filme das Richtige auswählen? Unsere Streaming-Tipps des Tages sollen hier Abhilfe schaffen: (Fast) jeden Tag präsentiert Film plus Kritik-Gründer und Chefredakteur Christian Klosz einen Film, der derzeit bei diversen Anbietern online als VOD verfügbar ist. Dabei handelt es sich oft um eher unbekannte Werke, Geheimtipps, die zum Kinorelease nicht die Aufmerksamkeit bekommen haben, die sie verdient hätten – oder überhaupt (noch) nie in den Kinos zu sehen waren. Diese kuratierte Filmsammlung soll insgesamt ein alternatives Filmprogramm fürs Home Cinema darstellen, und quasi als Carte Blanche Rückschlüsse auf den Filmgeschmack des Autors zulassen. Die vorigen 15 Streaming-Tipps des Tages gibt es HIER nachzulesen.