Ältere Semester werden sich vielleicht an die Zeit erinnern: im Zuge des Kalten Krieges lieferten sich die USA und die damalige Sowjetunion einen Konkurrenzkampf um die militärische Aufrüstung, heute besser bekannt als das sogenannte „Wettrüsten“. Im Jahre 1957 gelang es dann der Sowjetunion als Erste einen künstlichen Erdsatelliten in die Umlaufbahn zu befördern und verpasste dem Konkurrenten einen erheblichen Schlag. Der Name der Errungenschaft: Sputnik 1. Seitdem wird der Begriff „Sputnik“ als Synonym für „Satellit“ verwendet, lässt sich seiner allgemeinen Übersetzung nach aber eher mit dem Wort „Begleiter“ beschreiben – womit wir auch bei der Handlung des Films angekommen wären.

von Cliff Brockerhoff

Kosmonaut und Nationalheld Konstantin Veshnyakov hat nach der Rückkehr aus dem All nämlich einen ebensolchen Weggefährten im Gepäck. Während sein menschlicher Kompagnon nach der Landung nur noch tot geborgen werden konnte, hat er es halbwegs unbeschadet auf die Erde geschafft und verweilt nun, nach Wochen der Schwerelosigkeit, in einem Rehabilitationscenter. So lautet zumindest die offizielle Erklärung, die der Bevölkerung aufgetischt wird – die Wahrheit ist aber eine andere. Die Erholung ist in Wirklichkeit eine Untersuchung, denn Konstantin zeigt auffällige Verhaltensmuster und scheint mental und körperlich verändert. Hier kommt die junge Neuropsychologin Tatyana Klimova ins Spiel, die aufgrund ihrer unkonventionellen Arbeitsmethoden in der Kritik steht, im konkreten Fall aber herausfinden soll, was den Wandel ausgelöst hat.

Die Antwort auf diese Frage gibt der Film relativ zügig und ist der zentrale Aufhänger des Films, denn Konstantins Verhalten speist sich aus seinem Inneren, genauer gesagt aus einer scheinbar extraterrestrischen Präsenz, die seinen Körper bewohnt und nachts zum Vorschein kommt. „Sputnik“ setzt quasi dort an wo „Life“ seinerzeit geendet hatte und konfrontiert den Zuschauer mit einer ruhigen, dafür aber umso intensiveren Storyline, die gerade Fans älterer Science-Fiction Filme erfreuen sollte. Anstelle von überladendem Effektgewitter setzt der russische Genrevertreter auf eine starre Fahrweise, massig Dialog und große Gefühle. Eine Herangehensweise, die stark an Klassiker wie „Alien“ erinnert und mit Bruchstücken aus „Arrival“ vermengt wird. Die sich aufbauende Beziehung zwischen Tatyana und ihrem Untersuchungsobjekt hat starke menschliche und moralisch geprägte Züge, und steht somit in krassem Kontrast zu der überirdischen Präsenz, die nun unter ihnen weilt.

Während seiner Laufzeit von 107 Minuten findet der Großteil der Handlung dabei innerhalb der Einrichtung statt und ruft automatisch ein sehr beengendes Gefühl beim Zuschauer hervor. Unisono zu den Personen innerhalb des Gebäudes gibt es auch für den Betrachter kein Entkommen vor der Story, die sich leider relativ schnell entschlüsseln lässt und gegen Ende die aufgebaute Faszination einbüßt, da sie sich doch in absehbare Konventionen ergeht. Regisseur Egor Abramenko versucht seine Defizite mittels Hochglanzproduktion zu vertuschen, die so tatsächlich auch der großen Blockbuster-Schmiede Hollywoods entsprungen sein könnte. Szenerie, Farbgebung und Bildsprache sind wirklich großes Kino und umschmeicheln das Ensemble, welches ebenfalls gute Leistungen erbringt. Die offensichtlichste Stärke kommt aber immer dann zum Tragen, wenn der Film sich aus seinem Korsett befreit. Sowohl das fantastische Kreaturendesign, als auch die vereinzelt eingesetzten Gewaltspitzen können richtig punkten und lassen den Rest der Spielzeit in einem schmerzlich verkümmerten Licht erstrahlen, denn bei aller Liebe für Stimmung und Atmosphäre: die sich wie ein Parasit einschleichende Langeweile lässt sich an vielen Stellen nicht von der Hand weisen.

Fazit

Arm an echten Highlights, dafür reich an Reminiszenzen positioniert sich Abramenkos erster Langspielfilm „Sputnik“ irgendwo zwischen Altbewährtem und moderner Spielerei, lässt dabei aber beinahe sämtliche Originalität vermissen und schleppt sich in bis zum Stillstand entschleunigten Tempo in ein letztes Drittel, das dann etwas entschädigt, abseits von klaustrophobischer Atmosphäre aber nur selten in überirdische Regionen abdriftet. Schade, denn das Potential des Werkes blitzt immer wieder auf und lässt zumindest darauf hoffen, dass der Regisseur mit gebündelten Stärken zurückkehrt.

Bewertung

Bewertung: 6 von 10.

(61/100)

Gesehen beim Fantasy Filmfest.

Bilder: ©capelight pictures