Geografiekundige Leser werden mit dem Titel des Films im Bestfall eine Stadt in Kalifornien assoziieren, die vor allem für ihre meterhohen Palmen, sonnigen Temperaturen und extravaganten Hotelanlagen bekannt ist. Filmisch ist die Erholungsstätte der High Society zumeist aber eher Schauplatz für seichte Unterhaltung. Diese Einordnung wird dem gleichnamigen Werk nur bedingt gerecht, denn die romantische Komödie hat weit mehr zu bieten als vor Schmalz triefende Gefühlsduselei, und wurde kurioserweise gar nicht in Palm Springs, sondern in umliegenden Orten gedreht. Soweit der kosmografische Exkurs.

von Cliff Brockerhoff

Doch worum geht es in dem Werk von Max Barbakow, das seit seiner Vorstellung auf dem Sundance Film Festival als Geheimtipp durch die Filmbranche geistert? Zentraler Charakter ist der nihilistisch angehauchte Nyles („Brooklyn 99“-Star Andy Samberg), der auf der Hochzeit seiner Schwägerin vor versammelter Mannschaft konstatiert, dass wir ja doch allein enden und eine Beziehung nur bedingt Abhilfe schaffen kann. Die Ursachen für diese Erkenntnis sind vielfältig. Einerseits begründet sie sich auf Nyles‘ frühmorgendlichem Genuss von alkoholischen Kaltgetränken und der mehr als holprigen Beziehung zu seiner Freundin Misty, die den Coitus aus Zeitgründen gerne einmal frühzeitig abbricht. Der Hauptgrund für seine lebensverneinende Einstellung liegt aber sprichwörtlich in der Wüste begraben und ist eine Art Zeitportal, dessen Durchquerung dazu geführt hat, dass er in bester „Und täglich grüßt das Murmeltier“ Manier den Tag der Vermählung immer und immer wieder durchlebt. Als Nyles auf der Feier dann die nicht minder betrübte Sarah (Christin Milioti) kennenlernt und aus Versehen mit in seine Zeitschleife entführt, muss auch er allerdings erkennen, dass das Leben mehr bereithält als den liebgewonnenen Alltagstrott.

Unter dieser anfänglich aufgebauten, schwarzhumorig gestrichenen Fassade offenbart sich dem aufmerksamen Zuschauer im Fortlauf eine liebevoll ausgeschmückte Geschichte, die sehr viel mehr offenbart als inszenatorischen Schnickschnack und alkoholgetränkten Slapstick. Dabei ist auch die technische Herangehensweise keine reine Spielerei, sondern verstärkt das Narrativ. Nyles, der sich in der Schlichtheit des Lebens sonnt, dient als Ankerpunkt und geleitet durch Themen wie Einsamkeit, der Suche nach dem Sinn des Seins, der Angst vor dem nächsten Schritt und dem subjektiven Arrangement mit der Unperfektheit des Lebens. Beide Protagonisten, immerzu zwischen Hoffnung und Resignation pendelnd, erhalten dabei just genauso viel Hintergrund, dass ihre Handlungen nachvollziehbar werden und avancieren schleichend zu Sympathieträgern – nicht zuletzt, da der Zuschauer sich nur allzu leicht in sie hineinversetzen und von ihrer Chemie verzaubern lassen kann.

Selbstredend wirft der Film dabei, trotz philosophischer Ausflüge, einen eher beschwingten Blick auf die sehr ernsten Thematiken und erreicht keine allumfassende Tiefe. In seiner Art und Weise und dem, was der Film darstellen möchte, muss er dies aber auch überhaupt nicht und tut sich selbst den größten Gefallen damit sich eben nicht an der plausiblen Lösung quantenphysikaler Gleichungen zu versuchen, sondern einfach zu dem zu stehen, was er nun einmal ist. Das führt zwar unweigerlich dazu, dass der emotionale Punch in all den sonnendurchfluteten Bildern in den Schatten des fantastisch pointierten Humors rückt, trübt den Gesamteindruck aber nur unbeträchtlich. So wild wogend die Wellen am Strande Südkaliforniens zeitweise sein mögen, so aufbrausend und heterogen ist auch Barbakows Werk, dessen Esprit man spätestens zur Hälfte seiner 90 Minuten kampflos erliegt.

Fazit

Hinter der schon oftmals erzählten Geschichte und unter einer unumwunden bizarren Inszenierung verbirgt sich in „Palm Springs“ eine mysteriöse Rom-Com oberer Güteklasse, die humoristisch zwingender, aber auch emotional durchaus tiefschürfend daherkommt und somit am Ende genauso rund (ellipsenförmig) ist wie die Zeitschleife, mittels derer sie dem Zuschauer präsentiert wird. Ein charismatischer Wohlfühlfilm für die breite Masse und ganz nebenbei eine Ode an die Liebe mit all ihren Kuriositäten – stark!

Bewertung

Bewertung: 8 von 10.

(77/100) 

Gesehen beim Fantasy Filmfest.

Bilder: ©Hulu