Seit 22. April läuft endlich das langerwartete Biopic über den King of Pop Michael Jackson in den Kinos. Dabei könnte bereits die Produktionsgeschichte einen ganzen Film füllen. Unter dem schlichten Titel „Michael“ entstand der Film unter der Regie von Antoine Fuqua („The Equalizer“) und dem „Bohemian Rhapsody“ -Produzenten Graham King. Die Hauptrolle übernahm Michaels Neffe Jaafar Jackson sowie Juliano Krue Valdi als Kind. In weiteren Rollen sind u.a. Colman Domingo, Nia Long, Miles Teller, Laura Harrier und Kendrick Sampson zu sehen.
Gast-Kritik von Sandro Biener
Bereits jetzt stehen die Sterne gut, dass „Michael“ den Queen-Film „Bohemian Rhapsody“ mit 903,7 Mio. US-Dollar vom Thron der kommerziell erfolgreichsten Biopics stoßen könnte und womöglich die Marke von einer Milliarde überschreitet. Denn auch wenn Michael Jackson seit den 90ern Bestandteil einer kontroversen Wahrnehmung wurde und Missbrauchsvorwürfe auch vor dem Kinostart wieder aufflammten, könnte er Skeptiker und Fans gleichermaßen in die Kinos locken. Doch gelingt es „Michael“, auch künstlerisch zu überzeugen?
„Michael“ erzählt den Aufstieg des „King of Pop“
Erzählt wird die Lebensgeschichte von Michael Jackson – beginnend mit seinen Anfängen als musikalisches Wunderkind bis hin zu seinem Aufstieg zum weltweiten Superstar. Schon in jungen Jahren steht er als Mitglied der Jackson 5 auf der Bühne und erlebt erste große Erfolge, während sein strenger Vater seinen Alltag prägt. Mit zunehmendem Alter löst er sich künstlerisch von der Gruppe und startet eine Solokarriere, die ihn an die Spitze der internationalen Musikszene führt. Durch neue musikalische Ansätze, spektakuläre Auftritte und innovative Musikvideos erreicht er ein globales Publikum und wird zu einer prägenden Figur der Popkultur.
Während Jacksons Karriere immer größere Dimensionen annimmt, wird sein Leben zunehmend von öffentlicher Aufmerksamkeit begleitet. „Michael“ folgt seinem Weg durch verschiedene Schaffensphasen und zeigt, wie beruflicher Erfolg, persönliche Herausforderungen und der stetige Druck des Ruhms eng miteinander verwoben sind.
Ein Biopic als Schönheits-OP einer Karriere
„Michael“ stellt das Publikum einmal mehr auf eine moralische Belastungsprobe und vor die Aufgabe, zwischen einem grandiosen Musikkünstler und einer womöglich menschlich zweifelhaften Persona unterscheiden zu können oder zu müssen. Das Biopic versucht diesen Kontrast nun auch aufgrund der starken Kontrolle des MJ-Estate auszublenden. Wobei in einer früheren Produktionsphase offenbar deutlich stärker auf die biografischen Schattenseiten des Protagonisten eingegangen worden war, bevor das Drehbuch im Zuge rechtlicher und inhaltlicher Neuausrichtungen überarbeitet und Material verworfen wurde.
Dies alles gibt dem Film einen bitteren Beigeschmack, den man unmöglich ignorieren kann. Im nun veröffentlichten Film spielen die divervsen Kindesmissbrauchsvorwürfe gegen Michael Jackson allerdings schon deshalb keine Rolle, da nur die Zeit seiner Kindheit bis zur Bad World Tour Ende der 80er thematisiert wird. Ob das Zufall, Absicht oder Berechnung ist, lässt sich schwer sagen.
„Michael“ trennt Kunst und Künstler
Dabei erfindet „Michael“ im Gegensatz zur innovativen Künstlerfigur auf filmischer Ebene die Noten nicht neu und wird von einer stark konventionellen Biopic-Dramaturgie dirigiert. Doch das Werk vollbringt dennoch eine schwungvolle Mischung zwischen biografischen Einschnitten und der Bühne, die filmisch allerdings einer imageaufpolierenden Schönheitsoperation unterzogen wurden. Alles ordnet sich dem Phänomen des King of Pop unter.
Damit ist hier kein psychologisch besonders tiefgründiges Porträt des Menschen, aber dennoch ein überaus unterhaltsamer Film entstanden. Also ein Biopic, das vielmehr die künstlerische Leistung feiert, seiner Handlungszeit treu bleibt und damit das Werk vom Künstler rigoros trennt. Im Rahmen seiner Konventionen überzeugt „Michael“ zudem dank Jaafar Jacksons herausragendem Schauspiel. Er kann dabei ein paar emotional berührende Momente unterbringen, die zumindest kurzzeitig einen tieferen Blick auf Jacksons Innenleben gewähren.

Tolle Bühnenauftritte bleiben im Gedächtnis
Allerdings bleiben vor allem die Bühnenauftritte sowie das nachgestellte Thriller-Video die größten Highlights des Films. Jaafar ist hier voll und ganz in seinem Element, und nicht selten blendet man in den tänzerischen Sequenzen aus, dass hier nicht der echte King of Pop zu sehen ist. Hierbei gelingen durch länger gezeigte Auftritte auch immer wieder atmosphärisch inszenierte, liveähnliche Momente, die visuell schlichtweg beeindruckend-originalgetreu in Szene gesetzt wurden.
Colman Domingo befeuert schließlich als drillender Vater Joseph Jackson mit seinem einschüchternden Schauspiel den verlagerten Fokus auf das stark vereinfachte, „Black or White“-geprägte Narrativ des Biopics.
Fazit
In typisch geschönter und vereinfachter Biopic-Manier inszeniert, bleibt „Michael“ ein Film, der vor allem dank Jaafar Jacksons starkem Schauspiel, Tanztalent und den atmosphärisch nachgestellten Musikvideo- und Bühnenmomenten stimmungsvoll aufgeht. Unterhaltsam ist das allemal, aber natürlich wird auch durch den Fokus auf das allseits bekannte Phänomen ein tiefergreifendes Psychogramm mit kritischer Beleuchtung rund um den Menschen hinter dem King of Pop ausgeklammert. Dies wird den Erfolg jedoch sicherlich nicht aufhalten, denn die Marke Michael Jackson dürfte – vielleicht sogar aufgrund der kontroversen Betrachtung rund um den Film – fulminant wiederbelebt worden sein.
Bewertung
(75/100)
„Michael“ ist seit 22.4.2026 im Kino zu sehen.
-> Warum das Michael Jackson-Biopic problematisch ist
Der Artikel erschien in ähnlicher Form auch auf whatthefilm.ch.
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Bilder: © 2026 Lionsgate / Universal Pictures
