Die Netflix-Doku „Should I Marry a Murderer?“ ist eine dreiteilige britische True-Crime-Serie (Regie: Josh Allott), die primär aus der Perspektive der forensischen Pathologin Dr. Caroline Muirhead erzählt. Am 29.4.2026 veröffentlicht begeistert sie seither das Publikum. Doch was liegt hinter der Geschichte? Alle Details.

„Should I Marry a Murderer?“: Neue True Crime-Doku bei Netflix

Muirhead erzählt in „Should I Marry a Murderer?“, wie sie 2020 über Tinder den schottischen Farmer und Jäger Alexander „Sandy“ McKellar kennenlernt. Nach einer intensiven, nur wenige Wochen dauernden Romanze mit Verlobung gesteht er ihr, drei Jahre zuvor in einen tödlichen Unfall verwickelt gewesen zu sein und die Leiche versteckt zu haben. Statt die Beziehung sofort zu beenden, bleibt sie (zumindest dem Anschein nach) bei ihm, geht zur Polizei, sammelt unter Lebensgefahr weitere Beweise. Die Serie thematisiert ihr moralisches Dilemma, die psychische Belastung, die Zusammenarbeit mit der Polizei und die Frage, was man selbst in einer solchen Situation tun würde. Sie basiert auf realen Ereignissen um den Tod des Radfahrers Tony Parsons.

Die wahren Hintergründe des Falls Alexander McKellar

Am 29. September 2017 unternahm der 63-jährige Tony Parsons, pensionierter Royal-Navy-Offizier, zweifacher Vater, Großvater und Prostatakrebs-Überlebender, eine 100-Meilen-Charity-Radtour durch die schottischen Highlands. Er sammelte Spenden für die Prostatakrebs-Hilfe – eine Art „Dankeschön“ für seine eigene Heilung. Trotz starken Regens wollte er die Strecke von Fort William in einem Rutsch nach Tillicoultry schaffen. Abends machte er einen Stopp im Bridge of Orchy Hotel.

Zur gleichen Zeit feierten dort Alexander „Sandy“ McKellar (damals 25) und sein Zwillingsbruder Robert mit einer deutschen Jagdgesellschaft. Sandy war angetrunken und fuhr später mit seinem Isuzu-Pick-up auf der A82 in Richtung Tyndrum. In der Dunkelheit erfasste er Parsons frontal. Statt zu helfen oder den Notruf zu wählen, ließen die Brüder den schwer verletzten Mann liegen. Parsons starb innerhalb von etwa 30 Minuten an massiven stumpfen Traumata (u. a. Rippen-, Becken- und Wirbelbrüche), die seine Atmung unmöglich machten – er hätte potenziell gerettet werden können.

Die McKellars fuhren nach Hause auf die abgelegene Auch Estate (ca. 9.000 Acres), wo sie als Farm- und Jagdhelfer lebten und arbeiteten. Später kehrten sie mit einem anderen Fahrzeug zur Unfallstelle zurück, nahmen Parsons’ Leiche, sein Fahrrad und seine Habseligkeiten mit. Sie vergruben die Leiche in einem abgelegenen „Stink Pit“ (einer Grube für Tierkadaver) auf dem Anwesen und versteckten das Rad hinter einem Wasserfall (es wurde nie gefunden). Sie zerstörten Telefon, SIM-Karte, Brieftasche und Helm und reparierten den Pick-up mit der Ausrede, sie hätten ein Reh angefahren. Drei Jahre lang blieb Parsons verschwunden – trotz groß angelegter Suchaktionen von Polizei, Bergrettung und Freiwilligen. Seine Familie litt unter der Ungewissheit.

Alexander McKellar
Alexander McKellar

Should I Marry a Murderer?

Im September 2020 matchte Sandy McKellar auf Tinder mit der damals etwa 32-jährigen Dr. Caroline Muirhead aus Glasgow, einer forensischen Pathologin. Die Beziehung entwickelte sich rasant: Nach wenigen Wochen gab es die Verlobung. Als Muirhead vor der Hochzeit wissen wollte, ob es etwas in seiner Vergangenheit gebe, das ihre Zukunft belasten könnte, brach Sandy zusammen und gestand den Unfall und die Vertuschung. Er zeigte ihr später sogar die Grabstelle. Muirhead geriet in einen schweren inneren Konflikt.

Sie kontaktierte die Polizei. Weil die genaue Lage des Grabes auf dem riesigen Gelände unbekannt war, bat man sie, weiter mitzuspielen. Muirhead kehrte zum Anwesen zurück, überredete Sandy zu einem Ausflug zum Schießstand in der Nähe der Stelle und markierte das Grab heimlich mit einer in den Boden gestampften Red-Bull-Dose. Sie sammelte in den folgenden Wochen und Monaten weitere Informationen und Aufnahmen, lebte weiter mit den Brüdern zusammen und stand unter enormem psychischem Druck. Die Brüder wurden Ende Dezember 2020 verhaftet, die Leiche im Januar 2021 geborgen.

Was geschah mit Alexander McKellar?

Im Juli 2023 bekannte sich Alexander McKellar vor dem High Court in Glasgow schuldig des „culpable homicide“ (vergleichbar mit Totschlag durch grobe Fahrlässigkeit) und der Behinderung der Justiz. Er wurde zu 12 Jahren Haft verurteilt. Robert erhielt 5 Jahre und 3 Monate für die Vertuschung. Die Familie Parsons erhielt später eine sechsstellige Entschädigung über die Versicherung.

Ohne Muirheads mutige, aber hoch riskante Entscheidung wäre Tony Parsons wahrscheinlich nie gefunden worden. Die Dokumentation beleuchtet nicht nur das Verbrechen, sondern vor allem die emotionale Zerreißprobe einer mutigen Frau, die letztlich für Gerechtigkeit sorgte. (red)

„Should I Marry a Murderer?“ – seit 28.4.2026 auf Netflix, vorübergehend Platz 1 der Serien-Charts.

Bilder: Cr. Courtesy of Netflix © 2026