Die Tücken und Gefahren des Online-Datings sind heutzutage ein vieldiskutiertes Thema. Gerade die Dating-App Tinder steht hier hoch im öffentlichen Diskurs. Zuletzt spielten Dating-Apps gerade in diversen romantischen Komödien eine nicht unwichtige Rolle. Netflix veröffentlichte zuletzt den Film „Love Hard“, der von einer jungen Frau handelt, die über eine Dating-App den Mann ihrer Träume kennenlernt, nur um schließlich festzustellen, dass sie reingelegt wurde und ihr „Match“ nicht ist, wer er vorgibt, zu sein. Während der Online-Dating-Betrug in diesem Fall beim Publikum wohl eher für Lacher sorgen soll, ist die Netflix-Doku „Der Tinder Schwindler“ alles andere als zum Lachen.

von Lena Wasserburger

Denn anders als in „Love Hard“ gibt es hier kein romantisches Happy End. „Die True-Crime-Dokumentation von Regisseurin Felicity Morris, die bereits mit ihrem Film „Don’t F**k With Cats: Die Jagd nach einem Internet-Killer“ für Aufsehen sorgte, erzählt die wahre Geschichte von Cecile, die auf Tinder einen Mann namens Simon Leviev kennenlernt. Simon ist der Sohn eines Diamanten-Moguls, charmant und großzügig – zumindest soll Cecile das glauben. Denn Simon, der eigentlich Shimon Hayut heißt, ist ein „Schwindler“, der eine falsche Identität vortäuscht, um Frauen um ihr Geld zu betrügen. Als Cecile die Wahrheit erfährt, beschließt sie mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen, sich mit anderen Betrugsopfern zusammenzuschließen und Simon auffliegen zu lassen.

True Crime Dokumentationen haben seit jeher etwas Faszinierendes an sich und „Der Tinder Schwindler“ ist hier keine Ausnahme. Der Film beginnt mit Ausschnitten aus dem Disney-Klassiker „Die Schöne und das Biest“, die auf einem Smartphone abgespielt werden. Im Hintergrund erzählt Cecile von ihrem Wunsch, die Liebe zu finden. Zu Anfang ist es dieser Aspekt der im Fokus steht: die Liebe. In einer Mischung aus Handyaufnahmen, die von den Protagonisten selbst stammen, sowie nachgedrehten Szenen, erzählt Felicity Morris eine Geschichte, die mit jeder Minute düsterer und bedrohlicher wird, bis schließlich klar wird, dass es hier ganz und gar nicht um die Liebe geht, sondern um Lügen, Betrug und schließlich auch Rache.

Das Tempo der Erzählung und die Dynamik des Films ergeben zusammen mit einer unheilvollen, immer wieder in den Vordergrund tretenden Musik einen immersiven Effekt, den Dokumentationen nicht allzu oft erzeugen. Die Geschichte selbst wird immer verrückter, immer unglaublicher und die Spannung, die der Film erzeugt, hält bis zum Schluss an. Es muss allerdings erwähnt werden, dass der Film wohl kaum dieselbe Wirkung hätte, hätten sich die Protagonistinnen, Cecile und zwei weitere Frauen, die Opfer von Shimons Betrügereien wurden, nicht dazu bereit erklärt, sich an dem Film zu beteiligen. Ihre Erzählungen sind es, die die Geschehnisse erst real werden und nicht wie eine fiktive Erzählung wirken lassen. Dennoch muss natürlich bedacht werden, dass es sich hier, wie bei jedem Dokumentarfilm natürlich auch um eine Inszenierung handelt, die besonders unterhaltsam sein soll und sich dramatisierender Stilmittel bedient.

Fazit

„Der Tinder-Schwindler“ ist eine der unterhaltsamsten und spannendsten Dokumentationen, die Netflix in den letzten Jahren veröffentlicht hat. Die Geschichte hinterlässt, besonders aufgrund ihres Ausgangs, einen bleibenden Eindruck und stimmt in punkto Online-Dating jedenfalls zumindest nachdenklich, wenn nicht misstrauisch.

Bewertung

Bewertung: 8 von 10.

(76/100)

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Bilder: (c) Netflix