Nach „Becky“ (Kritik) und „Becky 2“ versucht sich „King of Queens“ Kevin James erneut im Action-Genre: „Guns Up“ (2025) von Regisseur Edward Drake, der zuvor mehrmals mit Bruce Willis gedreht hatte, ist ein Action-B-Movie geworden, das vor allem auf die Zugkraft seiner Stars um James, Christina Ricci („Buffalo 66“) und Louis Guzmán („Havoc“, „Wednesday“) setzt. Seit 12.6.2025 im Kino – ob sich eine Sichtung lohnt, könnt ihr in unserer ausführlichen Kritik zu „Guns Up“ lesen.
von Richard Potrykus
Bevor bekannt wurde, dass er an Aphasie erkrankt war, nutzte der sehr gute Schauspieler Bruce Willis jede noch so kleine Möglichkeit, um seiner Kunst und Leidenschaft nachzugehen. Egal, wie klein das Engagement und wie unbedeutend das Projekt auch war, Willis nahm jede Schauspielrolle an. Es ging ihm einfach darum, die Zeit, die ihm noch blieb, sinnvoll und mit Freude zu genießen. Ein beachtlicher Teil der sehr zweitklassigen Filme, in denen Willis partizipierte, stammt dabei aus der Feder des Drehbuchautoren und Regisseurs Edward Drake.
„Guns Up“ (2025): Neuer Film des Bruce Willis-Kollaborateurs
In “Guns Up”, Drakes neuestem Produkt, ist Bruce Willis nicht mehr mit von der Partie. Dafür übernehmen Kevin James und Christina Ricci wichtige Rollen und man kann nur hoffen, dass sie nicht auch an irgendetwas erkrankt sind. “Guns Up” jedoch als eindeutig schlechten Film zu bezeichnen, wäre nicht richtig. Dafür hat der Film zu viele Momente, die wenigstens okay sind. Wohl aber wurde einiges an Potential verschenkt und die Mittel, die zur Verfügung standen, schlicht verschwendet.
“Guns Up” handelt von Ray (James), einem Polizisten, der den Weg der Legalität verlässt, um mehr Geld zu verdienen und seiner Familie eine bessere Zukunft zu bieten. Motiviert und unterstützt wird er dabei von seiner Frau Alice (Ricci), die ihn ohnehin erst auf die Idee gebracht zu haben scheint. Ray heuert bei der Bandenchefin Michael (Melissa Leo) an und übernimmt dort verschiedene Aufgaben, wie etwa das Eintreiben von Schulden oder das Einschüchtern von Personen, die eingeschüchtert gehören.
King of Queens als King of Crime
Für Ray ist dies von Anfang an ein Job auf Zeit, denn eigentlich wollen er und Alice einen Diner eröffnen und für den brauchen sie das nötige Kleingeld. Schließlich kommt der Tag der Tage: Das Ersparte reicht aus, um eine verlassene Immobilie zu erwerben. Die Familie kann ihren Traum endlich verwirklichen und so macht sich Ray auf, um bei Michael zu kündigen. Leider wird diese in der Zwischenzeit vom rivalisierenden Gangster Lonny (Timothy V. Murphy) ermordet und Michaels Unternehmen Lonnys Kontrolle untergeordnet. Die Konflikte spitzen sich zu.
In “Guns Up” schwingen verschiedene Dinge mit. Einerseits gibt es die Idee vom letzten Auftrag, dann das Narrativ vom Alle-aus-dem-Weg-räumen,-um-selbst-in-Frieden-leben-zu-können. Auch gibt es Elemente aus dem Buddy-Movie und allem wohnen Anklänge jener Coolness und Skurrilität inne, die nicht unerheblich an die Filme von Guy Ritchie erinnern. Wäre “Guns Up” besser als er geworden ist, wäre er eine astreine Mischung aus “Bube, Dame, König, GrAS” und “Bullet Train”.

Doch leider ist der Film eben nicht besser, als er ist – und so bleibt die Mischung reines Wunschdenken. Dabei bereitet James’ Darbietung durchaus Vergnügen. Er nutzt sein komödiantisches Talent, um den knallharten Mafia-Schläger und den liebevollen Familienvater unter einen Hut zu bringen, und kommt vor allem in den Kampfsequenzen erstaunlich überzeugend ‘rüber. Wenn in der Exposition ein Lager überfallen und mit den Worten “Wir brauchen die Armee” um Hilfe gerufen wird, dann dient dieser Hilferuf einzig Ray, der die Sachlage schnell und treffsicher zu klären weiß. Die Choreografien sind dabei anständig und im Verlauf des Films gibt es sogar einen Kampf, der vor roten Bildschirmen stattfindet und so eine bemerkenswerte Inszenierung bedeutet.
Chemie zwischen James und Ricci, aber (zu) dünne Handlung
Riccis Figur auf der anderen Seite erscheint etwas plump, aber nicht weniger liebevoll. Sie und James bringen eine sympathische Chemie auf die Leinwand, was nicht unerheblich ist, angesichts der eher dünnen Handlung. Überraschen kann „Guns Up“ an keiner Stelle, was an sich kein Problem darstellen würde, wenn denn die Figuren überzeugten. Leider ist dies nicht durch die Bank der Fall. Durch die handlungsmotivierende Ermordung wird Michael, eine sehr coole Rolle, viel zu früh aus dem Film genommen. Währenddessen mimt Francis Cronin Rays naiven, aber loyalen Kollegen Danny auf unspektakuläre Art und Luiz Guzmán den undurchsichtigen, aber wenig überzeugenden Ignatius, Michaels rechte Hand und ihr Nachfolger.
James und Ricci sind hier gute Leitfiguren und führen sicher durch „Guns Up“. Doch auch sie können nicht ausgleichen, was ihnen mit Lonny, der Eindimensionalität in Person, als Bösewicht entgegengesetzt wird. In der Hochzeit des Kalten Krieges oder in den Propagandafilmen der 1940er Jahre hätte es keinen simpler gestrickten Gegenspieler geben können als Lonny. Nichts an dieser Erscheinung ist beeindruckend und “Guns Up” wäre ohne ihn weitaus besser dran gewesen.
Dabei kommt der Vergleich mit den Filmen Guy Ritchies nicht von ungefähr. Auch dort steht die kriminelle Unterwelt im Zentrum der Erzählungen und es werden diverse Charaktere und Institutionen eingeführt. Ritchies Filme machen indes ganze Welten auf. Es gibt Institutionen, auf denen alles steht, und eine Infrastruktur, die es ermöglicht, einen eigenen Kosmos abseits der Legalität aufzubauen. Regeln dienen als eigene Gesetzgebung und bilden einen Überbau, um Figuren und Gewalt auf teils surreale Weise zu verbinden.

„Guns Up“: Anklänge an „John Wick“
All dies ist in Anklängen auch in “Guns Up” vorhanden und ein anderes Drehbuch hätte sicherlich so einiges daraus ziehen können. Man denke nur an den Kodex, der über allem zu schweben scheint, und die Möglichkeiten des geregelten Ausstiegs. Auch gibt es Referenzen an die “John Wick”-Filme, nicht nur wörtlich, denn John Wick wird an einer Stelle tatsächlich erwähnt, sondern auch inhaltlich. In einer Rückschau wird die Legende des Metzgerkindes erwähnt. Wie in den Actionfilmen mit Keanu Reeves, erfährt die Welt in “Guns Up” so eine mythische Aufladung.
Vor einiger Zeit gab es mit “Back in Action” (Kritik) bereits einen Film, in dem Gangster-Dasein und Familienleben miteinander verbunden wurden und hier wie dort wird dieser Konflikt allzu abgeklärt gelöst. Nun stellen weder “Back in Action” noch “Guns Up” sozialkritische Milieustudien dar, in denen es um Traumabewältigung geht, doch wenn Kindern eröffnet wird, dass die Eltern Schwerverbrecher sind, die für andere Schwerverbrecher tätig sind, dann sollte dies einen ärgeren Impact haben als einen erschrockenen Gesichtsausdruck und ein paar Sprüche, die verbalisieren, was ohnehin gerade gezeigt wird.
Fazit
“Guns Up” ist eine Mogelpackung, da der Film mehr verspricht, als er halten kann. Er ist seicht und gerade in der Rückschau wirkt vieles bedeutungslos. Im Film werden zahlreiche Ideen probiert, aber keine wirklich umgesetzt. Für vergnügliche anderthalb Stunden taugt “Guns Up” allerdings allemal und wer weiß, vielleicht kommen ja eines Tages talentiertere Menschen auf die Idee, weitere Filme “aus der Welt von Guns Up” zu drehen.
Bewertung
(59/100) -> weitere Film-Ratings aus dem Juni 2025
Filmdaten
| Titel | Guns Up |
| Laufzeit | 92 Minuten |
| Regie | Edward Drake |
| Darsteller/-innen | Kevin James, Christina Ricci, Melissa Leo |
| IMDb | 5/10 |
| Kinostart | 12.6.2025 |
„Guns Up“ (2025) – Trailer
Bilder: (c) Splendid Film
