Es ist ein Film, der lange auf sich warten ließ: „Michael“ feierte seine Weltpremiere kürzlich in Berlin und soll die filmisch-musikalische Biografie des „King of Pop“, Michael Jackson, sein. Der Film hat eine Laufzeit von 127 Minuten, ein Budget von 155 Millionen US-Dollar und kommt am 23. April 2026 in die Kinos. Doch unproblematisch ist das Unterfangen keineswegs.

Von Johanna Noak

„Michael“ erzählt die Geschichte des womöglich größten Popstars aller Zeiten. Im Fokus stehen dabei vor allem die legendären Musikvideos und Bühnenauftritte. Was jedoch kaum thematisiert wird, sind die kritischen Aspekte dieser Weltkarriere und die Schattenseiten des Popstars: Die Missbrauchs-Vorwürfe gegen, Kontroversen um und auch die Vielschichtigkeit der Person Michael Jackson werden weitgehend ausgeblendet.

„Michael“: Film-Daten und Handlung

Regie bei „Michael“ führte Antoine Fuqua („Training Day“) und das Drehbuch stammt von John Logan. Produziert wurde der Film von Graham King („Bohemian Rhapsody“). In der Hauptrolle zu sehen ist Jaafar, der Neffe von Michael Jackson, der damit gleichzeitig sein Schauspieldebüt gibt. Die Ähnlichkeit zu seinem Onkel sowie die jahrelang einstudierten Tanzbewegungen sind deutlich erkennbar. In weiteren Rollen sind Colman Domingo als den gnadenlos erfolgsbesessenen Vater Joe, Nia Long als Mutter und Miles Teller als späterer Manager sowie Berater John Branca zu sehen.

Erzählerisch beginnt der Film 1966 mit der Kindheit von Michael Jackson und seiner Zeit in der Familienband mit seinen Brüdern, den Jackson 5. Diese Zeit ist vor allem geprägt von dem Drillen seines Vaters, für den der Erfolg nie genug ist. Mit 13 Jahren startet Michael seine Solokarriere. Im Laufe der Zeit gelingt die Abnabelung von seinem Vater, der gleichzeitig sein Manager war. Diese wichtige Rolle übernimmt nun John Branca (Miles Teller), der auch nach Jacksons Tod sein Erbe verwaltet.

„Michael“ leidet unter wichtigen Leerstellen

Warum „Michael“ wohl in erster Linie nur Fans begeistern kann, liegt daran, dass der Film vor allem die unvergleichbare Musik und das Tanztalent Jacksons in den Vordergrund rückt. Viel weiter in die Tiefe geht der Film nicht.

Ursprünglich war geplant, auch auf die Missbrauchsvorwürfe gegen Michael Jackson 1993 durch Jordan Chandler einzugehen. Es stellte sich aber heraus, dass dies gar nicht möglich sei, da die Darstellung sowie Erwähnung der Person nach einem gerichtlichen Vergleich juristisch nicht erlaubt war. Dies führte dazu, dass ein Teil von „Michael“ umgeschrieben bzw. neu gedreht werden musste. Auch wurden bereits gedrehte Szenen aus der Endfassung herausgeschnitten. Der Kinostart verschob sich immer weiter nach hinten. Es folgte ein Nachdreh mit über 22 Produktionstagen und Kosten von 10-15 Millionen US-Dollar.

joe jackson film
Colman Domingo spielt Vater und Tyrann Joe Jackson

Zudem ist das „Jackson Estate“ auch als Produzent an „Michael“ involviert. Diese Tatsache ist womöglich mit dafür verantwortlich, dass all die kritischen Aspekte des Sängers ausgelassen wurden. Gewisse persönliche Abgründe wie die Medikamentensucht werden nur leicht angedeutet.

Übrigens sind nicht alle Mitglieder der Jackson-Familie dem Film positiv zugewandt: Schwester Janet Jackson lehnte ab, Teil des Films zu sein, selbst als Filmfigur, und Michael Jacksons Tochter, Paris Jackson, meldete sich kritisch zu Wort.

Ein Film, nur für Fans

„Michael“ richtet sich daher vor allem an Hardcore-Fans des „Kind of Pop“, die kein Problem mit einer „filmischen Heiligsprechung“ haben. Die Kinobesucher*innen können sich auf einen musikalisch sowie visuell starken Blockbuster freuen, der Jackson von den ersten Karrierejahren bis zu seinem Album „Bad“ 1987 begleitet.

Ein zweiter Teil als Fortsetzung ist übrigens bereits geplant. Ob der eine kritischere und umfangreichere Sicht auf die Person Michael Jackson werfen wird, wird sich zeigen.

„Michael“ startet am 23.4.2026 im Kino.

Bilder: (c) Lionsgate