Das Crossing Europe 2021 widmete sein Tribute dem slowakischen Regisseur und Produzenten Ivan Ostrochovský. Im Programm lief auch sein neuester Film „Servants“ („Služobníci“), der seine Premiere in der Encounters-Sektion der Berlinale 2020 gefeiert hatte und von einer eher unbekannten Episode des tschechoslowakischen Kommunismus erzählt: Dem Konflikte zwischen der katholischen Kirche und dem „Regime“, das Priester und Seminaristen mit harten Repressalien – bis hin zum Tod – „auf Linie“ bringen wollte.

von Christian Klosz

Ostrochovský sprach im Rahmen eines Q&A davon, dass diese Art von Konflikt, diese Oppression, dieser Totalitarismus universal sei, zu allen Zeiten stattgefunden habe, zwar in unterschiedlichen Formen und mit verschiedenen Konfliktlinien, aber nach dem selben Prinzip (und das auch heute noch): Regimes nehmen ihren (gewünschten) Kollaborateuren etwas weg, und geben ihnen dafür etwas (mehr), um sie gefügig zu machen. In „Servants“, angesiedelt in den 1980ern, sieht das konkret so aus: Die kommunistische Regierung in Form des Geheimdienstes ist unzufrieden mit diversen Umtrieben an der theologischen Fakultät in Bratislava, wo geheime und anti-kommunistische Treffen und Lesezirkel stattfinden sollen, die die Ideologie der Führung untergraben wollen. Ein Geheimdienstmitarbeiter wird hingeschickt, der die zentralen Ordensträger „auf Linie“ bringen soll – auch unter Androhung von Gewalt. Vor allem aber sollen sie sich dem pro-kommunistischen Verein „pacem in terris“ verpflichten, der zwar scheinbar katholische Inhalte predigt, aber in erster Linie dem Regime hörig ist. Wer nicht mitmacht, hat mit Repressalien zu rechnen, von der Einberufung in die Armee über Schläge bis hin zum Tod.

Zwei junge Seminaristen, gerade erst an die Fakultät gelangt, finden sich in diesem Spannungsfeld der Ideologien wieder und müssen für sich entscheiden, welcher sie folgen wollen. Ostrochovský und seine Drehbuchautoren machen kein Hehl daraus, dass ihre Sympathien den geistlichen „Freiheitskämpfern“ gelten, die sich einer Macht entgegenstellen, die sich kalt, kalkuliert und emotionslos jedem in den Weg stellt, der sich ihr in den Weg stellt (es sollte nicht vergessen werden, zu erwähnen, dass sich die katholische Kirche im Lauf der Geschichte auch in genügend Fällen auf der anderen Seite der Macht befunden hatte).

Ostrochovský erzählt die Geschichte in Form eines schwarz-weißen, hochstilisierten Film Noir, dessen kompositorische Strenge auch auf die Rigidität der beiden behandelten Glaubenssysteme verweist. Es ist auch diese betörende äußere Form, die an „Servants“ am meisten hervorsticht, während der Inhalt zwar verständlich, aber über weite Teile unzugänglich präsentiert wird. Eine gewisse Sprödheit ist nicht von der Hand zu weisen, die den mit nur 80 Minuten an sich kurzen Film über weite Strecken langatmig erscheinen lässt.

Wenngleich: Die Absicht ist klar, hier universelle Phänomene abbilden zu wollen, die überall auf der Welt in unterschiedlichen Formen zutage treten; zu zeigen, dass Machtverhältnisse relational sind und kein System, keine Ideologie davor gefeit ist, in Oppression und Totalitarismus zu verfallen. Dies ist es, was man aus „Servants“ mitnehmen kann, einem stilistisch hochinteressanten und künstlerische anspruchsvollen Beitrag, dessen dramaturgische und erzählerische Distanziertheit das Publikum allerdings eher abstößt, als es zu berühren.

Bewertung:

Bewertung: 5 von 10.

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Bilder: (c) Crossing Europe