„Community“-Star und „Atlanta“-Schöpfer Donald Glover hat keine Freude mit der als „Cancel Culture“ bezeichneten Schattenseite der amerikanischen woke-Kultur: „We’re getting boring stuff and not even experimental mistakes because people are afraid of getting cancelled. So they feel like they can only experiment with aesthetic.“ schrieb er kürzlich auf Twitter, wo sich immer mehr Menschen über langweilige Filme und Serien beschweren.

Die woke-Kultur hat die US-Filmbranche fest im Griff: Ausgehend von den elitären Universitäten verbreitete sich die Ideologie in den letzten Jahren in der Medien- und Unterhaltungsbranche. Werte wie Toleranz, Gleichberechtigung und Diversität verkehren sich allerdings immer mehr in leere Worthülsen und Vorwände, all jene, die den Vorgaben nicht folgen, zu „canceln“. Diese Praxis passiert vor allem in den „Sozialen“ Medien, wo wirkmächtige Wortführer regelmäßig mit ihrer Reichweite für Shitstorms sorgen, wenn Filme, Filmschaffende, aber auch andere Kulturprodukte oder Medieninhalte gegen die selbst definierten Grenzen des politisch korrekten Anstands verstoßen. Problematisch wird es dann, wenn es schon reicht, zu provozieren, anzuecken, zu experimentieren oder Neues, Ambivalentes zu wagen, um einen Shitstorm zu ernten: Darauf bezieht sich Glovers Kritik.

Jedenfalls trifft er einen wunden Punkt der Bewegung, die sich Toleranz und Vielfältigkeit wünscht, aber mit ihrer oft intoleranten Art das Gegenteil bewirkt: Wenn Filmschaffende Angst haben müssen, gecancelled zu werden, sind die Resultate langweilige, eindimensionale und brave Filme, die in erster Linie darauf abzielen, niemandem auf die Füße zu treten – das exakte Gegenteil also davon, was etwa die nouvelle vague Mitte des letzten Jahrhunderts wollte. Es bleibt so hoffen, dass in Zukunft mehr Filmschaffende – insbesondere aus den USA – den Mut haben, gegen diese Entwicklung aufzustehen. (ck)