Gollum (Andy Serkis) schreibt das Skript für das Sequel eines der kommerziell erfolgreichsten Comicfilme aus dem Jahr 2018: „Venom„. Was soll dabei schon schiefgehen? Im neuen „Venom: Let there be Carnage“ dreht sich wieder alles um die Symbiose zwischen dem CGI-Alien „Venom“ und dessen Wirt Eddie Brock (Tom Hardy). Die Beiden kämpfen nicht nur miteinander, sondern auch noch gegen dem Serienkiller Cletus Kassady (Woody Harrelson) und dessen Alien-Alter-Ego „Carnage“.

von Marius Ochs

Die Story ist damit zusammengefasst, das Ende kann sich dank Disney-Beteiligung jeder schon vorstellen. Der Film bemüht sich auch gar nicht den Anschein einer tiefgründigen oder doppelbödigen Geschichte zu erwecken. Stumpfe Sprüche von CGI-Venom und müde, auf PG-13 heruntergetrimmte Actionszenen setzen den Ton des Films – mehr Chart-Pop als Heavy Metal. Dabei ist der Trash noch nicht mal unterhaltsam. Komplett hirnbefreit hauen sich hier einfach zwei Comic-Monster auf die Kauleiste, ohne dass irgendwas auf dem Spiel steht.

Bezeichnend, dass es den lautesten Applaus und Jubel aus dem Zuschauerraum gab, als die Post-Credit-Szene über den Bildschirm flackerte, welche aus Spoilergründen hier selbstverständlich nicht näher geschildert wird. Immerhin: Venom und seine eigentlich eigenwillige Geschichte scheinen Fans zu haben. Schade, dass der Film trotzdem schon jetzt jegliche eigene Identität aufgegeben hat, die im ersten Teil immerhin noch angedeutet war. Aus dem wilden, brutalen und unberechenbaren schwarzen Monster mit Appetit auf Menschen wurde jetzt ein verstoßener Außenseiter. Er sucht in einer kurzen und unpassend platzierten Szene seine Anerkennung in der LGBTQI-Community. Nur: Die emotionale Verletzlichkeit will so gar nicht zu dem Alien passen, selbst Künstlerin Little Simz, die ihm bei ihrem Cameo das Mikrofon überlässt, weiß irgendwie nichts mit dem weinerlichen, großen, schwarzen Muskelprotz anzufangen.

Und so kauft man ihm den bunten Vogel, der die Freiheit sucht, leider nicht ab. Zu plötzlich passiert das alles und zu schnell ist es wieder vorbei. Ein klar erkennbares Muster des Films. Auch den beiden Bösewichten, gespielt von Woody Harrelson und Naomie Harris, glaubt man keine Sekunde ihrer Performances. Harrelson wirkt, als wäre er in seiner eigenen schauspielerischen Vergangenheit second-hand-shoppen gewesen. Und Harris‘ beknackte Fähigkeiten zwingen sie dazu, dauernd mit weit geöffnetem Mund Richtung Kamera zu „schreien“, was nie bedrohlich, aber immer lächerlich aussieht. Nichts passt zusammen, die Szenen fühlen sich durch diese seltsamen Darstellungen wie lose zusammengenäht an.

Gleiches gilt für die so typischen CGI-Schlachten. Beim letzten Marvel-Film, „Shang Chi: The legend of the ten rings„, hatten die Kampfszenen teilweise sogar metaphorischen Mehrwert und waren generell stark choreographiert. Beim ersten Venom waren sie wenigstens schonungslos brutal. In der Fortsetzung sind sie ohne Gefahr für Venom, ohne echte Gewalt und ohne irgendeinen Spannungsbogen oder Reiz. Und dazu sehen sie auch noch schlecht aus. Warum, wenn nicht wenigstens für gute Action, sollte man sich den Film dann anschauen?

Fazit

„Venom: Let there be Carnagekann man sich sparen. Der Film bietet eine Neuauflage des ersten Teils – nur ohne all die guten Komponenten. Der widerwillige Spaßfaktor der Buddy-Beziehung von Tom Hardy und Venom ist in der ständigen Wiederholung nur noch nervig, die Action ist nicht mehr physisch und schlagkräftig, sondern austauschbar und zahm. Woody Harrelson als Bösewicht hat man vergessen, sobald er den Screen verlässt. Der Film ist schlicht dumm, hässlich und uninspiriert. Der schlechteste Blockbuster seit Langem.

Bewertung

Bewertung: 3 von 10.

(28/100)

Bilder: (c) Sony Pictures