Bei der Berlinale 2020 wurde „Bad Tales“ von Fabio und Damiano D’Innocenzo (völlig zurecht) mit dem Drehbuchpreis prämiert. Einen regulären Kinostart 2020 bzw. 2021 verhinderte Corona, im Jänner 2022 war das italienische Drama schließlich in ausgewählten Kinos in Deutschland zu sehen, nachdem es in Österreich bereits im vergangenen Jahr kurzzeitig zu sehen war. Am 6.5. erschien „Bad Tales“ nun auf DVD bzw. auf VOD (bei MagentaTV verfügbar).

von Christian Klosz

bad tales

„Bad Tales“ ist eine düstere, melancholische Fabel über zerplatzte Träume, unerreichbare Sehnsüchte und soziale Spannungen, die niemanden verschonen und alles und jeden mitreißen: Oberflächlich erzählt das italienische brüderliche Regie-Duo D’Innocenzo von einem römischen Vorort, der den Bewohnern gerade noch das Gefühl gibt, den (ihren eigenen) (klein-)bürgerlichen Ansprüchen gerecht zu werden, während die Verzweiflung ob der Unentrinnbarkeit der Lage und die damit verbundene Hoffnungs- und Perspektivenlosigkeit immer größer werden. Dahinter liegt ein kluges Porträt einer in die Bedeutungslosigkeit abrutschenden Mittelschicht, deren Frust und Wut sich unweigerlich auf deren Kinder überträgt, die das finalisieren, wozu die Eltern nicht mehr den Mut und die Kraft haben.

„Bad Tales“ ist auch eine dunkle Zukunftsvision und eine Anklage, die Partei für eine verlorene (Kinder-)Generation ergreift, die in einer Welt ohne Träume, Wünsche und Möglichkeiten aufwächst. All das wird in teils atemberaubend schönen Bilder eingefangen, was den Film zu einer der Entdeckungen der letzten Filmjahre macht.

Bewertung

Bewertung: 9 von 10.

(90/100)

Weitere Infos

Platz 2 in unseren Redaktionscharts der Filme des Jahres 2021!

Bilder: (c) Pepito_Produzioni – Amka_Films bzw. Angelo Turetta