“The Devil’s Deal” ist ein südkoreanischer Politthriller von Regisseur Lee Won-tae („The Gangster, the Cop, the Devil“), der bereits 2021 seine Festival-Premiere feierte und 2023 seinen Kino-Release erhielt. Nun gibt es den Film auf DVD und Blu-Ray und mit deutscher Synchronfassung für das Heimkino.

von Richard Potrykus

“The Devil’s Deal” spielt im Jahr 1992 in der Stadt Busan zur Zeit der Parlamentswahlen. Im Zentrum der Handlung steht der eher unbekannte Poltiker Jeon (Cho Jin-woong), der seine Partei davon überzeugen möchte, für den Bezirk nominiert zu werden. Naiv, unerfahren und viel zu idealistisch ist er der Partei ein Dorn im Auge und wird kurzerhand durch einen linientreuen Parteikollegen ersetzt. Jeon ist wütend und entmutigt, doch er kann nicht aufgeben, da er sich für den Wahlkampf eine große Summe Geld geliehen hat und die kriminellen Eigentümer dieses Geldes nun die Rückzahlung verlangen.

Jeon taktiert und erhält so ein weiteres Darlehen, wodurch er den Wahlkampf als unabhängiger Kandidat führen kann. Die Prognosen stehen gut für ihn und ein Sieg ist in greifbarer Nähe. Doch am Wahlabend steht er mit leeren Händen und ohne Mandat dar. Durch Wahlbetrug unterliegt er dem Konkurrenten aus seiner alten Partei. Die Schlinge zieht sich nun mehr und mehr zu und Jeon muss immer ärgere Schritte ergreifen, um nicht unter die Räder zu geraten. Es entspinnt sich ein tödliches Intrigenspiel.

“The Devil’s Deal” ist ein dicht erzählter Thriller, der seinen westlichen Pendants in nichts nachsteht. Es gibt zahlreiche Fraktionen, die auf die eine oder andere Art mitmischen. Politiker, kriminelle Banden, die Presse, alle tragen sie ihren Teil bei und präsentieren eine spannende Erzählung nach durchaus bekanntem Muster und es sind nicht zuletzt Kameraarbeit und der unterlegte Score, die dafür sorgen, dass sich “The Devil’s Deal” doch anders anfühlt als die x-te Kopie eines Politiker-Gangster-Intrigen-Einheitsbreis.

Doch es ist nicht nur die intelligente Umsetzung des Stoffs, die aus “The Devil’s Deal” etwas Besonderes macht. Noch bevor das erste Bild gezeigt wird, gibt es einen Disclaimer. Dieser Film wäre Fiktion, heißt es da, gefolgt von der altbekannten Information, gemäß der alle Figuren erfunden und etwaige Ähnlichkeiten zu realen Personen reiner Zufall wären. Dann verschwindet der Disclaimer und es erscheint eine weitere Einblendung: “Busan, März 1992”. Unweigerlich denkt man hier an einen Widerspruch. Dafür, dass alles in dem Film Fiktion sein soll, ist die Angabe von Zeit und Ort erstaunlich präzise. Kenner*innen südkoreanischer Geschichte dürften hier aufhorchen. 1992 war für Südkorea nicht irgendein Jahr.

Seit dem Koreakrieg war Südkorea von den Militärs regiert gewesen und erst im Jahr zuvor, also 1991, den Vereinten Nationen beigetreten. Am 24. März 1992 fanden tatsächlich Parlaments- und Präsidentschaftswahlen statt. Die ersten seit Ende des Kalten Krieges und erst die zweiten seit dem Ende der Militärdiktaturen. 1992 war somit ein Jahr der Zäsur. Dass also ein rein fiktionaler Film damit anfängt, den März 1992 zu datieren und Busan, die nach Seoul zweitgrößte Stadt des Landes zum Schauplatz macht, mag an der Fiktion keine Zweifel schüren. Wohl aber lenkt es den Blick und verknüpft ihn mit realen Ereignissen.

Dem Mediabook zum Film (erschienen bei der Busch Media Group) ist ein Booklet beigefügt, in dem auf die Geschichte und den gesellschaftlichen Wandel in Südkorea näher eingegangen wird. Immer wieder wird dabei erwähnt, dass Filme wie “The Devil’s Deal” zur öffentlichen Diskussionsbildung beitragen, indem sie die Komplexität der Gegenwart abbilden und die Themen aufgreifen, die beeinflussen, ob es mit dem Land bergauf oder bergab geht. Jeon beginnt als idealistischer Mann, der von wirtschaftlichem Aufschwung und sozialem Aufstieg für die Menschen träumt, die in Südkorea, speziell in Busan, leben. Als der friedliche Weg nicht aufgeht, dehnt Jeon seine moralischen Prinzipien mal in die eine, mal in die andere Richtung.

Dass er sich das Geld bei Kriminellen leiht, scheint eine akzeptierte Prämisse zu sein, die schon vor Beginn der Erzählung gesetzt wurde. Auch im Booklet ist immer wieder von Korruption und Einflussnahme durch Geld die Rede. Die organisierte Kriminalität ist hier mehr als ein romantisiertes Familienepos des italoamerikanischen Kinos der 1970er Jahre. In Südkorea sind Vetternwirtschaft und Gefälligkeiten an der Tagesordnung. “Wer zahlt, schafft an” lautet die Devise, die kein rein österreichisches Phänomen darstellt, sondern auch in Fernost die politischen Getriebe gleichsam schmiert und stört.

“The Devil’s Deal” greift die Konflikte des Landes auf. Er beschreibt explizit den Wahlbetrug, den es auch 1992 gegeben haben soll, nennt Möglichkeiten, wie durch geschickte Stadtplanung Geld gewaschen und Macht gefestigt werden kann. Doch der Film zeigt auch, dass die politischen Ränkespiele zügig ein Ende finden, wenn mehr als eine Partei das gleiche Ziel vor Augen hat.
Und so erhält auch die physische Gewalt Einzug in den Film und in das Leben des Familienvaters, von dessen Familie schon bald keine Rede mehr ist.

“The Devil’s Deal” wird linear erzählt, doch die Welt im Film verläuft nicht linear. Wie auch im realen Südkorea geschehen viele Ereignisse gleichzeitig, verlaufen parallel, kreuzen sich und entfernen sich wieder. Im Film wird dies durch intelligente Parallelmontagen umgesetzt oder durch eine Widersprüchlichkeit, wenn etwa auf der Tonspur das eine gesagt, dann aber das Gegenteil gezeigt wird.

Fazit

“The Devil’s Deal” ist ein vermeintlich fiktionaler Film, der in den 1990ern spielt und eine beeindruckende Aktualität besitzt. Er erzählt von den Konflikten Südkoreas und kann doch für den gesamten Planeten sprechen. Er zeigt den Fall eines Mannes, der einst Ideale besaß und nun von der Gier nach Macht und Sieg zerfressen über Leichen geht. Doch “The Devil’s Deal” romantisiert nicht. Im Gegensatz zu ästhetisch aufgeblasenen Formaten wie “House of Cards” bleibt der Film geerdet und verweist immer wieder auf die einfachen Menschen, die eben keine Politiker*innen sind. Der Film hat mit einer Spieldauer von 116 Minuten eine nahezu optimale Laufzeit und ist definitiv eine Sichtung wert.

Bewertung

Bewertung: 7 von 10.

(72/100)

„The Devil’s Deal“ erschien am 6.3. als Mediabook und ist auch als VOD erhältlich.

Bild: (c) Busch Media Group