Es ist immer riskant, Filmemacher, Filmschaffende oder nur Filme als „überschätzt“ zu brandmarken, vor Allem dann, wenn sie gerade gehyped werden, oder von einer „breiten Masse“ an Filmfans oder einer eingeschworenen „Fanboy“- (oder Fangirl) Community verehrt und bis auf den Tod verteidigt. Fans und Follower fühlen sich angegriffen, und reagieren nicht selten mit Hass, oder fühlen sich gar persönlich gekränkt.

Das ist nicht das ziel dieses Artikel. Vielmehr ist die Absicht einen genaueren Blick zu werfen auf 3 Regisseure, die das Mainstream-Kino der letzten 10 bis 15 Jahre dominierten, und regemäßig durch bombastische Neuproduktionen oder gehypte Machwerke im Zentrum des Interesses standen. Denn oft entpuppen sich Filme, die schon vor dem Erscheinen als „Bester Film aller Zeiten“ bezeichnet werden nach einer Weile als recht mau – während im Gegenzug Filme, die am Anfang ignoriert werden, mit der Zeit wachsen, und ihr Publikum finden – um am Ende nicht selten interessanter sind, und ein längeres Leben haben.

Ziel ist es auch nicht, diese 3 Regisseure zu diskreditieren, sondern eher ein „closer look“, um zu beurteilen, ob die Qualität der Filme dem Hype oder der Einschätzung dieser Filmemacher standhält.

->->-> english Translation at the end

In medias res:

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  1. Christopher Nolan:

Dass Nolan ein talentierter Filmemacher ist, der sein Handwerk beherrscht, lässt sich nicht bestreiten. In diesem Satz findet sich aber bereits der Haken: „Sein Handwerk“; Nolan ist ein ausgezeichneter „Handwerker“, der immer größere, bombastischere Filme macht, die einen mit ihrer Effektwucht erschlagen. Was dabei oft auf der Strecke bleibt, ist die Story, das Gefühl, die Sensibilität, die Emotion, die einen wirklich guten Film ausmacht.

Oft hat man das Gefühlt, dass Nolans Zugang derart technisch ist, dass er versucht, immer komplexere, tiefgründigere Plots zu KONSTRUIEREN, zu basteln, dass er dabei vergisst, dass wahr Tiefe ohne Emotion nicht möglich ist. Deshalb wirken sein Filme oft kalt, kühl, gefühllos und blutleer.

Nolan soll hier nicht als Dilettant diskreditiert werden, überhaupt nicht, und er ist sicher ein innovativer Filmemacher. Wirkliche Meisterwerke für die Ewigkeit sind seine Filme aber mitnichten, eher sehr kluges und unterhaltsames Popcorn-Kino mit perfekter Marketingstrategie ausgestattet.

zu sehen in: „The Dark Knight Rises“, „Inception“

2. Damien Chazelle:

Der Regie-Jungstar, nach dem Überraschungshit „Whiplash“ in den Himmel gelobt, und zum neuen Regie-Messias erklärt. Bei aller Intensität, und der gekonnten Inszenierung übersahen viele bei Whiplash, was sich beim Nachfolger „La La Land“ erst manifestieren sollte: Chazelle ist ein Pessimist, der seinen Protagonisten keine Aussicht auf „Erlösung“ gibt. Das ist für eine Kunstrichtung wie den Film, die auch Entertainment ist, und einen großen Teil ihrer Popularität aus Möglichkeiten zu Eskapismus zieht, problematisch.

In „Whiplash“, das insgesamt düster und sehr trist erscheint, fiel das weniger auf. Als am Ende der sadistische Jazz-Lehrer doch die Oberhand behält, und der Schüler sich quasi fügt, ist das das Gegenteil eins „Happy Ends“, vielmehr ein „Unhappy End“, totally devastating. Der Bösewicht gewinnt, und das scheint hier ausweglos.

Unpassender erschien der Zugang dann schon in „La La Land“, einem Film, der, zumindest in der ersten Hälfte, voller rosaroter Träume war, und diese ziemlich ungefiltert plakatierte; bis Chazelle im letzten Drittel alles zerstört. Das ist nicht nur fies, und unfair denen gegenüber, die vom Kino wirklich Eskapismus erwarten, sondern auch simpel unpassend. Ein Film muss sich entscheiden, ob er Hoffnung machen will – und sich so mitunter dem Kitsch-Vorwurf aussetzen – oder Gesellschaftkritik üben, indem er den Zeitgeist kritisiert, und zum Nachdenken anregt. Ein Film, der, wie „La La Land“ zuerst eine bunte Kitsch-Szenerie aufbaut, und sie dann kunstvoll zerstört, im Sinne von „eh alles hoffnungslos“, nimmt sein Publikum nicht ernst. Und wer will schon mit dem Gefühl „das Leben ist sinnlos“ aus dem Kino gehen?

zu sehen in: „Whiplash“, „La La Land“

3. David Fincher:

Vor 15 Jahren galt Fincher als das neue Wunderkind des modernen Kinos. Mit „Sieben“ hatte er einen der prägenden Thriller der 90-er gedreht, mit „Fight Club“ vielleicht den wichtigsten Film des endenden Jahrtausends. Doch danach kam nicht mehr allzu viel nach, das diese beiden Filme übertreffen würde.

Das Problem ist, auch hier, der Zugang. Bereits durch „Sieben“ zieht sich ein derartiger Pessimismus, eine Nihilismus, dass die Freude beschränkt bleibt.

„Überschätzt“ ist Fincher aber auch in stilistischer Hinsicht. Seine Filme sind zwar solide gemacht, aber was stilistische Brillanz oder Kreativität betrifft, gibt es, bereits vor ihm , viele, die ihn mit Leichtigkeit übertreffen. Das soll nicht heißen, dass seine Filme schlecht wären. Aber Meisterwerke sind sie nicht. Auch „Sieben“ ist im Kern ein recht solide gemachter Thriller, der aber in keinem Aspekt wirklich herausragend ist. Vermutlich hat die Machart, die furchtbare Szenerie, und cleveres Marketing darüber hinweggetäuscht. Inzwischen scheint auch in der Kritik angekommen zu sein, dass Fincher zwar ein interessanter Filmemacher ist; ein überragender Meister seines Fachs aber ist er nicht.

zu sehen in: „The Game“, „Panic Room“, „Sieben“

 

GOOGLE Translation:

It is always risky to brand filmmakers, cinematographers or only movies as „overrated“, especially when they are being hyped, or revered by a „broad mass“ of film fans. Fans and followers feel attacked, and often react with hate, or even feel personally offended.
This is not the goal of this article. Rather, the intention is to take a closer look at 3 directors who dominated the mainstream cinema of the last 10 to 15 years, and were regularly centered on bombastic new productions or hype-based works. For often films, which are already described as „the best movie of all time“ before a film, turn out to be quite right after a while – while in return movies, which are initially ignored, grow with time and find their audience – on the End not infrequently more interesting, and have a longer life.
1. Christopher Nolan: The fact that Nolan is a talented filmmaker who masters his craft can not be denied. But this sentence already contains the catch: „His craft“; Nolan is an excellent „craftsman“ who makes ever larger, more bombastic films that kill one with its effect-weight. What is often left behind is the story, the feeling, the sensitivity, the emotion, which makes a really good movie. Often one feels that Nolan’s approach is so technical, he tries to construct ever more complex, more profound plots, that he forgets that true depth is not possible without emotion. That is why his films are often cold, cool, unfeeling and bloodthirsty. Nolan is not to be discredited here as a dilettante, not at all, and he is certainly an innovative filmmaker. Real masterpieces for eternity are his films, but not very, very clever and entertaining popcorn cinema with a perfect marketing strategy. see in: „The Dark Knight Rises“,
2. Damien Chazelle: The director-young star, after the surprise hit „Whiplash“ praised in the sky, and the new director-Messiah explained. Despite the intensity, and the skilful production, many of Whiplash’s writers overlooked what was to become the first manifestation of the successor „La La Land“: Chazelle is a pessimist who does not give his protagonist any chance of „redemption“. This is problematic for an art direction such as the film, which is also entertainment and a large part of its popularity from opportunities to escapism. In „Whiplash“, which appears altogether gloomy and very dreary, this was less noticeable. When, at the end of the sadistic jazz teachers, the upper hand remains, and the disciple quasi, this is the opposite of a „happy end“, rather an „unhappy end“, totally devastating. The villain wins, and this seems hopeless. The entrance seemed to be more inadequate in „La La Land,“ a film that was, at least in the first half, full of pinkish dreams, and placarded it quite unfiltered; until Chazelle destroys everything in the last third. This is not only nasty, and unfair to those who expect the cinema really escapism, but also simply unsuitable. A film has to decide whether it wants to make hope – and sometimes expose itself to the kitsch accusation – or to practice social criticism by criticizing the Zeitgeist, and stimulating them to think. A film that, like „La La Land“ first creates a colorful kitsch scenery, and then artfully destroys it in the sense of „eh everything hopeless“, does not take his audience seriously. And who wants to go out of the cinema with the feeling „life is
3. David Fincher:
15 years ago, Fincher was regarded as the new miracle child of modern cinema. With „Seven“ he had made one of the defining thriller of the 90s, with „Fight Club“ perhaps the most important film of the ending millennium. But after that, there was not much more to go beyond these two films.
The problem is, also here, the access. Already through „sieves“ draws such pessimism, a nihilism, that the joy is limited.
„Finished“ is Fincher but also in stylistic terms. His films are made solid, but as far as stylistic brilliance or creativity is concerned, there are many who surpass him with ease. This is not to say that his films are bad. But they are not masterpieces. „Seven“ is a very solid thriller in the core, but it is not really outstanding in any aspect. Presumably, the design, the terrible scenery, and clever marketing have deceived. In the meantime, he also seems to have come to the conclusion that Fincher is an interesting filmmaker; but he is not an outstanding master of his discipline.

 

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