Kleinere, sehenswerte Filme, die sich an Genre-Grenzen abarbeiten, findet man im derzeitigen Blockbuster-Kino kaum noch: Alles teilt sich ein zwischen: Big-Budget-Sequel/Prequel oder – Franchise mit Box-Office-Ambition, oder kleines Arthouse-Kino, das meist untergeht. Vor 10, 15 Jahren produzierte auch Hollywood noch kleinere Filme, die aus beschränktem Budget oft mehr machten als die kalkulierten Blockbuster der Jetzt-Zeit. „Secret Window“ von David Koepp lässt sich hier als Beispiel nennen, ein kleiner, gut gemachter und fesselnder Psycho-Thriller, der Johnny Depp auf Grundlage einer Stephen-King-Kurzgeschichte in bester Hitchcock-Manier auf eine düstere Reise durch den eigenen Geist, durch Wahnsinn und Paranoia, schickt.

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Inhalt: Schriftsteller Mort Rainey (Johnny Depp) hat schon bessere Tage gesehen: Nach der Trennung von seiner Frau, die ihn mit einem anderen betrogen hat, zieht er sich in ein Häuschen im Walde zurück, um seinen neuen Roman fertigzustellen. Ein ominöser Typ namens John Shooter (John Turturro) taucht vor seiner Haustür auf, und beschuldigt Rainey, seine Geschichte „geklaut“ und sie für sein Buch verwendet zu haben. Es häufen sich seltsame Ereignisse: Das gemeinsame Haus, in dem Morts Ex inzwischen mit dem neuen Partner lebt, geht in Flammen auf, und mehrere Leichen tauchen auf. Rainey ist überzeugt: Das muss das Werk des Irren Shooter sein, der sich an ihm rächen will. Doch, ist hier wirklich alles, wie es scheint?

Kritik: Johnny Depp liefert in „Secret Window“ eine Meisterleistung ab: Als versandelter Schriftsteller, der die meiste Zeit auf der Couch und nicht am Schreibtisch verbringt, ist er eine wahre Augenweide. Er spielt den Einsiedler mit sich langsam im Nichts auflösenden Verstand überzeugend und sehenswert. Die Inszenierung von Koepp ist dabei sehr gelungen, er versteht es, eine spannende Story mit guten Regie-Einfällen und gekonnt gefilmten Suspense-Sequenzen effektiv in Szene zu setzen. Wir begleiten in „Secret Window“ einen Mann, der langsam seinen Verstand verliert, und sich selbst noch nicht bewusst ist, was hier vor sich geht. Erst gegen Ende wird ihm selbst, und dem Zuschauen, das ganze Ausmaß der Katastrophe bewusst.

Fazit: „Secret Window“ bietet eine One-Man-Show von Johnny Depp ist düster-morbider Atmosphäre, und in einer eher ungewohnten Rolle, die ihm aber gut zu Gesichte steht. Im Großen und Ganzen bietet der Film gute Suspense-Unterhaltung, mit eine Schock-Finale, das offenbart, das hier nichts ist, wie es scheint: Manche „geheime Fenster“ sollen besser für immer geschlossen bleiben.