Nachdem die Award-Saison (zum Glück) zu Ende ist, und die Oscars vergeben sind, können wir unser wieder anderen Filmen widmen, die nicht gerade von Hypes begleitet werden und in der Öffentlichkeit stehen. In unserer Reihe „Film der Woche“ präsentieren wir regelmäßig Filme, die sehenswert sind; Klassiker, aber auch Werke, die unserer Meinung nach (zu Unrecht) zu kurz gekommen sind.

Diese Woche wird „Nell“ vorgestellt, ein mehrfach Oscar-nominierter Film mit Jodie Foster in der Hauptrolle, der die Frage nach der Verbindung von Natur und Mensch auf bewegende Weise stellt und beantwortet.

In einem Häuschen im Wald lebt, abgeschieden von der Zivilisation, eine alte Frau, die kaum Kontakt zur Außenwelt hat. Der Polizist des nahegelegenen Dorfes entdeckt eines Tages die Leiche der alten Dame, und informiert die Behörden. Beim Untersuchen der Verstorbenen entdeckt Dr. Lovell (Liam Neeson), dass in dem Haus noch eine weitere Person lebt: Nell (Jodie Foster).

Die ersten Kommunikationsversuche mit dem „wilden Wesen“ scheitern, da Nell nur eine für andere Menschen unverständliche Sprache spricht. Sie lebte ihr Leben lang in dem Haus im Wald, ihre Mutter konnte nach einem Schlaganfall ebenfalls nicht mehr „normal“ kommunizieren, und ihre Zwillingsschwester May starb in jungen Jahren. Dr. Lovell versucht, Kontakt zu Nell herzustellen, und ihr Vertrauen zu gewinnen, und sie mit dem „normalen Leben“ bekannt zu machen. Unterstützung erhält er dabei von Dr. Olsen, die für Nell jedoch eine Einweisung in ein Krankenhaus vorsieht, wo man sich „um sie kümmern will“, um sie zu „zivilisieren“. Doch Lovell will genau das um jeden Preis verhindern: Er will Nell ihre Würde als Mensch lassen, und ihr ermöglichen ihr Leben so zu führen, wie sie es wünscht.

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Nell ist ein berührender und bewegender Film. Die Performance von Jodie Foster als „wildes Kind“ ist zwar sehr gewöhnungsbedürftig, aber auch gedankenanregend: Wie stellt man sich einen Menschen vor, der ohne festes soziales Gefüge, mit wenig menschlicher Interaktion aufwächst, nicht eingebunden und eingeweiht in soziale Rituale, Formen des Zusammenlebens, und ohne Sprache?

Wenn man diese Fragen im Hinterkopf behält, findet man in „Nell“ einen wunderbaren Film, der von guten Schauspielleistungen und einer gelungene Regie von Michael Apted getragen wird. Neben Jodie Foster überzeugt vor Allem Liam Neeson als idealistischer Arzt, der als einziger lernt, Nell zu verstehen – und im Gegenzug die Erfahrung macht, dass auch Nell ihn versteht – und zwar ganz ohne (verständliche) Worte. Am Ende lernen Nells Mitmenschen von ihr mindestens so viel, wie sie von ihnen. „Nell“ bietet knapp 2 Stunden guter Filmunterhaltung: Ein Film, der auf jeden Fall einen Blick Wert ist.

 

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