Ein Stück Land. Eine Farm. Zwei Familien mit jeweils einem Sohn im Krieg, und doch lebt man in getrennten Welten. Die Familie McAllen hat eine Farm im ländlichen Mississippi erworben. Auf dieser Farm lebt die Familie Jackson, die den Besitzern als Angestellte dient. Dieses Machtverhältnis soll sich auch unter Henry McAllen (Jason Clarke, „Dawn of the Planet of the Apes“ 2014) nicht ändern. Als eines Tages die beiden Söhne zu ihren Familien zurückkehren, merken beide schnell, dass der Krieg einen prägenden Eindruck in ihnen hinterlassen hat. Einerseits in Form von Kriegs-Traumata, andererseits durch die im Süden Amerikas herrschenden Klassenordnungen, die es so in Europa nicht zu spüren gab: Davon handelt der Film „Mudbound“ von Dee Rees.

Kritik von Valerian Happenhofer

Trotz geringer medialer Beachtung war der Film bei den Oscars 2018 für vier Preise nominiert. Neben Mary J. Blige als „Supporting Actress“, „Best Adapted Screenplay“ und „Best Original Song“, erreichte der Film die allererste Nominierung einer Frau in der Geschichte der Academy Awards, für Rachel Morrison („Black Panther“ 2018, „Dope“ 2015), in der Kategorie „Best Achievement in Cinematography“ (Beste Kamera).

„Mudbound“ ist ein Drama, in dem es in erster Linie um Rassenungleichheit geht. Familie Jackson kämpft, mit harter körperlicher Arbeit auf der Farm, um zu überleben und ihren Kindern eine bessere Zukunft ermöglichen zu können. Familie McAllen, zum Farmerleben hauptsächlich durch Henry McAllen verdonnert, ringt ebenso um gute Erträge, um sich ihren Lebensunterhalt zu sichern. Doch anstatt sich anzunähern und gegenseitig zu unterstützen, nutzt die durch ihre Hautfarbe „überlegene“ Familie McAllen ihre Arbeiter weiterhin aus.

Diese Ordnung der Dinge scheint dann allerdings aufgehoben, als Ronsel Jackson (Jason Mitchell, „Straight Outta Compton“ 2015) und Jamie McAllen (Garret Hedlund, „Tron“ 2010) beginnen, sich anzufreunden. Die ähnlichen Kriegserfahrungen geben ihnen einen gemeinsamen Nenner. So sind beide in ihren Erfahrungen teilweise stecken geblieben. Jamie versucht seine Erlebnisse mit Alkohol wegzuspülen, wobei Ronsel hofft, wieder in Deutschland bei seiner Geliebten sein zu können.

Was „Mudbound“ besonders macht ist, dass die Rassenungleichheit zwar Thema ist, jedoch kaum im Vordergrund steht. Vielmehr hat der Film die meiste Zeit eine „positive“ Atmosphäre. Rassistische Handlungen gibt es zwar ständig, sie werden aber oft beiläufig, als normaler Unterton, dargestellt. Es sei denn, Pappy McAllen (Jonathan Banks, „Breaking Bad“ 2009-2012) ist zu sehen: Der griesgrämige Vater von Jamie und Henry lässt seine veraltete Südstaatenattitude in jedem Augenblick raushängen. Dadurch ist er leider der eindimensionalste Charakter im ganzen Film. Die meisten anderen Figuren werden vielschichtiger gezechnet, durch innere Monologe, die Einblicke in ihre Gedankenwelt gewähren. Dadurch offenbart sich der eigentliche Kern der Geschichte: Menschen und ihre individuellen Probleme, die sie einerseits zu Feinden machen, sie aber andererseits auch verbinden.

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Trotz der größtenteils öden Landschaft fängt Rachel Morrison immer wieder wunderschöne Momente mit ihrer Kamera ein. Abgesehen davon ist der Film technisch auf hohem Niveau. Der dramaturgische Aufbau erfüllt seinen Zweck und baut, trotz überwiegender Ruhe, in passenden Momenten genug Spannung auf.

„Mudbound“ ist ein schöner, aber auch schmerzlicher Film. Trotz des Nachkriegssettings vermittelt die Geschichte zeitlose Werte. Es ist nicht unbedingt ein kurzweiliger Film. Wer jedoch genug Geduld aufbringen kann, macht mit einer Sichtung definitiv keinen Fehler.

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