Ein Film für Gewaltkino-Fans, der ungeplant eine politische Dimension erhält: „Cabin Fever“-Regisseur und Tarantino-Buddy Eli Roth liefert mit seinem Remake „Death Wish“ grundsolides Brutalo-Action-Kino mit Bruce Willis in der Hauptrolle, der einen „Rächer wider Willen“ gibt. Muss man nicht sehen, kann man aber.

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Dr. Paul Kersey (Bruce Willis) hat alles: eine wunderschöne Familie, ein tolles Zuhause und eine erfüllte Karriere als Chirurg. Doch als Kerseys Ehefrau Lucy (Elisabeth Shue) bei einem Raubüberfall im eigenen Haus umgebracht wird und seine Tochter Jordan (Camila Morrone) nach einem Kampf mit den Angreifern im Koma liegt, bricht für ihn eine Welt zusammen.

Am Boden zerstört macht Kersey emotional komplett dicht. Er verlässt sich auf die Hilfe seines Bruders Frank (Vincent D’Onofrio) – und darauf, dass ihn die ermittelnden Detectives Raines (Dean Norris) und Jackson (Kimberly Elise) auf dem Laufenden halten bei der Suche nach den Männern, die seiner Familie diese Grausamkeit angetan haben. Doch als die Polizisten ihm eine ganze Wand voller ungelöster Fälle zeigen und in Aussicht stellen, dass auch der Fall seiner Familie womöglich nie aufgeklärt wird, legt sich ein Schalter in Kersey um: Ein Mann sieht rot.

Kersey beschließt, sich eine Waffe zuzulegen. Seine ärztliche Bestimmung war stets: Egal wer vor ihm auf dem OP-Tisch liegt, alle Patienten werden gleich behandelt. Wie also könnte dieser Mann nun selbst zu Gewalt greifen und Selbstjustiz ausüben? Doch als Kersey in die Nacht aufbricht, stößt er schnell auf Unschuldige in Gefahr.

Bald führt Kersey ein Doppelleben: tagsüber rettet er Leben, nachts löscht er als „Sensenmann“ Leben aus. Die Medien sind sich uneins in der Einschätzung des „grim reaper„: Die einen feiern ihn als Helden, der „endlich aufräumt“, die anderen hinterfragen das Recht auf Selbstjustiz.


Eli Roth ist bekannt für sein – stets mit Humor gespicktes – Gewaltkino. Sein neuester Film „Death Wish“ bekommt durch die in den USA eben stattfindende Debatte um Waffenbesitz zusätzliche Brisanz – geht es doch um einen „self-made„-Rächer, der das Gesetz in die eigene Hand nimmt.

Nach den jüngsten Attentaten ein Thema, das die US-Öffentlichkeit und Politik beschäftigt. Dabei ist davon auszugehen, dass „Death Wish“ keine politische Agenda verfolgt. Die Dreharbeiten waren vor den letzten Vorkommnissen abgeschlossen, Roth ist nicht bekannt dafür, mit seinen Filmen politisch Position zu beziehen – sondern will einfach nur unterhalten. Und das gelingt „Death Wish“ auch recht ordentlich.

Bruce Willis nimmt man seine Rolle als (anfänglich) „seriöser“ und sich sorgender Familienvater und Arzt ab, der durch die Umstände und die eigenen Hybris in einen Strudel aus Rache und Wut gerät, aus dem er nur schwer wieder herausfindet. Subtilität und Charaktertiefe sieht natürlich anders aus – wer aber das erwartet, ist sowieso im falschen Film.

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Die Gewalt-Sequenzen erinnern in ihrer Brutalität oft ans Tarantino-Kino (ohne je dessen Raffinesse zu erreichen) – nicht umsonst gelten Regisseur Roth und Tarantino als „best buddies“ in Hollywood. Zuseher mit schwachem Magen sollten vielleicht eher einen weiten Bogen um „Death Wish“ machen – für Thriller- und Splatter-erprobte Gemüter sollte die Brutalität erträglich sein.

Fragen nach Moral oder Ethik stellt der Film, wie erwähnt, nicht wirklich. Die Taten von Racheengel Kersey werden weder glorifiziert, noch kritisiert. Im Grunde muss sich jeder selbst ein Bild machen, und eine Meinung bilden. Würden die jüngsten Attentate in de USA weiter zurück liegen, würde der Film wohl kaum Aufmerksamkeit erregen – die Figur des „selbsternannten Rächers“ ist nichts Neues im US-Actionkino.

Wer also auf Brutalo-Action steht, nicht zu viel Tiefgang erwartet, und Bruce Willis wieder einmal in einer ordentlichen Rolle sehen möchte, dem ist „Death Wish“ gerne empfohlen. Ein Film, der nicht wirklich notwendig war, aber auch keinem schadet: Solides Brutalo-Popcornkino eben. 7 von 10 Sterne

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