Als Sawyer Valentini aufgrund eines Stalkers von Boston in das weit entlegene Pennsylvania zieht, scheint zunächst noch alles in Ordnung. Sie findet schnell einen neuen Job und Anschluss bei den Kollegen. Doch ihre Vergangenheit lässt sie nicht los, und so begibt sie sich zu einem Gespräch mit einer Psychologin. Kurz darauf findet sich Sawyer in einer Nervenheilanstalt wieder. Als sie dort plötzlich ihrem vermeintlichen Stalker begegnet, sieht sie Rot.

„Unsane“ ist das neueste Werk von Steven Soderbergh („Traffic“, „Ocean´s Eleven“), der nach einer selbst auferlegten Kino-Schaffenspause nach „Logan Lucky“ nun den zweiten Film in kürzester Zeit präsentiert: Den Thriller „Unsane“ mit einer Lauflänge von 98 Minuten, der ausschließlich mit dem iPhone gedreht wurde, und so ein Budget von lediglich 1,5 Millionen US-Dollar aufweist. Seine erfolgreiche Premiere feierte der Film 2018 im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele in Berlin. Seit dem 30. März ist er in den österreichischen Kinos zu sehen.

Die Grundvoraussetzungen des Films sind durchaus interessant: Eine Geschichte über das Thema Stalking, gemischt mit einer Prise Sozialkritik, verpackt in ein experimentelles Gewand. Ohne große Umwege startet die Story und schmeißt den Betrachter in weniger als 10 Minuten in die Ausgangsposition. Die einzelnen Charaktere bekommen vorerst wenig bis keinen Background; es geht sofort in der Irrenanstalt los.

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Das Tempo des Anfangs wird in weiten Teilen des Films hochgehalten, allerdings legt es Soderbergh sehr dialoglastig an und vergisst dabei an manchen Stellen den Unterhaltungsfaktor. Grusel- oder gar Schockmomente sind sehr rar gesät. Die Entwicklung der Geschichte weiß anfangs zu gefallen und bietet hier und da auch interessante Momente und/oder Wendungen, für erfahrene Zuschauer ist dies aber letztlich zu wenig, und der Film bleibt bis zum Schluss verhältnismäßig vorhersehbar.

Die Stimmung in der Klinik wird leider auch mehr schlecht als recht eingefangen, sodass nur selten eine wirklich dichte Atmosphäre entsteht. Vergleicht man „Unsane“ mit anderen Genrevertretern wie „Shutter Island“ oder zuletzt „A cure for wellness“, zieht Soderberghs Experiment den Kürzeren. Auch der Sound wirkt oft deplatziert, und kann nur wenig Positives zum Gesamteindruck beitragen. Einzig die durch die technischen Voraussetzungen bestimmte Kameraführung ist in der Lage, eine klaustrophobische und unheilvolle Stimmung zu kreieren. Das i-Phone stößt indes an manchen Stellen auch sichtbar an seine Grenzen, sodass man entgegen Soderberghs Meinung sehr wohl erkennen kann, dass es sich um ein Low-Budget-Werk handelt.


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Die Leistung des Cast ist recht ansehnlich. Die für Ihre Leistung hochgelobte Claire Foy kann in Ihrer Rolle als Stalking Opfer durchaus überzeugen – vom Prädikat „grandios“ ist Foy jedoch weit entfernt, und Ihre Leistung wird wohl nur den wenigsten nachhaltig im Gedächtnis bleiben. Das liegt vor allem auch daran, dass sich ihr Charakter oft nicht nachvollziehbar verhält, sodass es trotz ihrer sehr wohl misslichen Lage schwer fällt, eine Bindung zu ihr aufzubauen. Sawyers Gegenspieler wird von Joshua Leonard porträtiert, der als vermeintlicher Stalker mit gelungener Mimik für die intensiveren Momente sorgt. Neben den beiden Hauptakteuren finden sich mit Juno Temple und einem Oscarpreisträger als Überraschungsgast noch zwei weitere bekannte Gesichter im Film.


Insgesamt bleibt festzuhalten, dass „Unsane“ ein ambitioniertes, aber leider nicht sonderlich aufregendes Experiment bleibt. Ausbaufähige Atmosphäre, eigenartige Handlung und seltsame Wendungen der Charaktere sowie diverse Logiklöcher sorgen letzten Endes dafür, dass „Unsane“ ein mittelmäßiger Vertreter bleibt, der die Thematik auf der einen Seite authentisch aufzuzeigen versucht, auf der anderen Seite aber darauf vergisst, den Zuschauer wirklich zu fesseln. Die Machart des Films – Stichwort i-Phone – ist mutig, trägt jedoch nur ansatzweise zu einer Aufwertung bei. Im besten Fall könnte man (hinein-)interpretieren, dass eine Verbindung zwischen dem Thema „Stalking“ und der heutigen Vernetzung via Smartphones und sozialer Medien besteht. Ob Soderbergh dies damit ausdrücken wollte, ist allerdings fraglich.

von Cliff Brockerhoffhttps://www.instagram.com/man_of_steelbook/

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Bilder: 20th Century Fox

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