Als die attraktive Jen sich mit ihrem Liebhaber Richard in seine abgelegene Hütte mitten in der Wüste begibt, um dort ein Liebeswochenende mit ihm zu verbringen, ahnt sie noch nicht, welche Wendung die folgenden Tage für sie bereithalten würde. Früher als erwartet tauchen plötzlich Richards Freunde auf, um mit ihm den jährlichen Jagdausflug zu bestreiten. Beim Anblick von Jen gerät die Jagd allerdings schnell ins Vergessen, und Jen wird zum Objekt der Begierde.

Bei „Revenge“ handelt es sich um einen französischen Actionthriller aus der Feder von Coralie Fargeat. Das dritte Werk der Französin hat eine Laufzeit von 108 Minuten, feierte seine Premiere auf dem Toronto Film Festival 2017 und ist nun auch bei uns auf BluRay und DVD erhältlich.


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Dass es sich bei dem Film keinesfalls um ein tiefgründiges Werk handelt, das sich noch Tage später in den Gedanken des Zuschauers rumtreibt und für Verwirrung sorgt, sollte beim Anblick der offiziellen Poster und/oder des Trailers schnell klar werden. Vielmehr bietet „Revenge“ einen kurzweiligen, blutigen und äußerst stilbewussten Ausflug in das Actiongenre, bei dem der reine Konsum des Gutes über der Nachhaltigkeit thront. Kulisse, Story, Entwicklung – all das ist klar auf Unterhaltung gepolt. Fargeat kreiert eine Mixtur aus knalligen Farben, verlassenen Landschaften, skrupellosen Charakteren und, vor allem, literweise Blut. Die Kamera hält in vielen Szenen voll drauf und scheut auch nicht davor zurück, bestimmte Einstellungen immer und immer wieder zu präsentieren. Dies wird sicherlich nicht bei allen Zuschauern auf Verständnis oder gar Gegenliebe stoßen, ist für die Authentizität des Filmes aber unumgänglich.

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Gerade im Hinblick auf seine Geradlinigkeit kann „Revenge“ eine hohe Güteklasse attestiert werden. Die insgesamt vier Schauspieler überzeugen in ihren Rollen, leiten mühelos durch die teils vorhersehbare, aber dennoch nie langweilige Story und versuchen erst gar nicht, ihren Rollen Tiefe zu verleihen. Generell ist der Film gespickt mit Fragezeichen und Logiklöchern so groß wie das Haus des Millionärs Richard, aber anders als in „ernsteren“ Werken fällt dies bei „Revenge“ nicht negativ ins Gewicht. Viel zu überzeugend ist die Optik, viel zu viel Spaß macht das Katz-und-Maus Spiel der Protagonisten. Bei der visuellen Komponente schafft es der Film sogar in seinen stärksten Momenten Erinnerungen an Nicolas Winding Refn zu wecken, der es aktuell wie kein Zweiter versteht, eine Ästhetik zu erschaffen, die zwischen den Prädikaten „wunderschön“ und „abstoßend“ balanciert.

Einen vergleichbaren Spagat vollführt Fargeat beim Unterton ihres Werkes. Während ein Teil der Zuschauer die Verwendung einer weiblichen Hauptdarstellerin und die generelle Handlung als mutige Herangehensweise fernab des testosterongeschwängerten Actiongernes abfeiern wird, werden andere hier eine zu offensiv heraufbeschworene Feminismuskeule anprangern und dies als Kritikpunkt konstatieren. Im Endeffekt sollte dies aber kein Bewertungskriterium sein, sodass am Ende lediglich die bereits beschriebenen Logikfehler als einzige „echte“ Schwäche von „Revenge“ festgehalten werden können. Wer sich an die furiose Wiederauferstehung des Mad Max-Franchises aus dem Jahre 2015 erinnert, wird nicht um die Einsicht herumkommen, dass auch dies nicht zwingend zu einer Abwertung führen muss.

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Fazit:

In einer wilden Genremischung präsentiert sich „Revenge“ als äußerst unterhaltsames Spektakel, das sich charmanterweise selber nicht zu ernst nimmt und es trotzdem schafft, nicht in den Trash abzurutschen. Wer also die Lust auf lockere Unterhaltung verspürt und nicht allzu zartbesaitet ist, sollte auf jeden Fall einen Blick riskieren. Filmfans mit empfindlichen Mägen sollten davon absehen; es könnte sich rächen.

Bewertung:

8 von 10 Punkten

von Cliff Brockerhoff

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