„Der Trafikant“ stellt die Verfilmung des gleichnamigen Romans des österreichischen Autors Robert Seethaler dar. Regisseur Nikolaus Leytner, der 1989 Mitbegründer der österreichischen Filmproduktionsfirma Allegro Film war und bereits zahlreiche Filme für das Fernsehen drehte, gelingt es, die in dem Bestseller in Wort und Schrift präsentierte Stimmung gekonnt in eindrucksvolle Bildwelten zu übersetzen, die einem auch nach Verlassen des Kinosaals noch beschäftigen.

Der aus dem Salzkammergut stammende und stets wohl behütete 17-jährige Franz Huchel (Simon Morzé) muss eines Tages aufgrund des Geldmangels seine Heimat und seine Mutter verlassen und eine Lehre in Wien bei dem befreundeten Trafikanten Otto Trsnjek (Johannes Krisch) antreten. Hier, im Wien der 1937/38 Jahre lernt er, was es heißt zu leben, und auch zu lieben. Unter anderem zählt die kleine Trafik auf der Währinger Straße den bereits damals überaus bekannten Psychoanalytiker Sigmund Freud (Bruno Ganz) zu seinen Stammkunden.

Als sich der Trafikantenlehrling eines Abends, wie es scheint unglücklich, in die böhmische Varietétänzerin Anezka (Emma Drogunova) verliebt und nicht weiß, wie ihm geschieht, scheint dies zugleich der Beginn einer einzigartigen Freundschaft zwischen dem Psychoanalytiker und Franz zu sein. Auch wenn Freud laut eigener Ansicht der Meinung ist, dass niemand so richtig Ahnung von der Liebe hat und diese auch für ihn selbst ein großes Rätsel ist, konsultiert Franz ihn fortan um Rat.

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Typische Jugendprobleme, die allerdings mit politischen Ereignissen dieser Zeit gepaart sind, die zuerst für das Leben des unerfahrenen Lehrlingsjungen unbedeutend sind, jedoch unmerklich immer mehr an Bedeutung zu gewinnen scheinen. Die Situation spitzt sich im Laufe des Films mehr und mehr zu und als Hitlers Truppen endgültig in Wien einziehen und das Kommando übernehmen, ist der Umbruch dieser Zeit mehr als deutlich für den Zuseher spürbar. Trotzdem sind die beiden Seiten des Alltags und der Ausnahmesituation stets miteinander im Einklang.

Die ganzen 113 Minuten des Films hindurch setzt Leytner immer wieder sind eindrucksvolle Traumsequenzen ein beziehungsweise auch Szenerien aus Franz Gedankengut, wie dieser nachfolgende Situation lieber enden hätte lassen. So sind diese Bildwelten womöglich einerseits Vorboten für das drohende Unheil und andererseits Ausdruck für den Helden, der Franz eigentlich gerne wäre. So einprägsam und imposant diese Traumsequenzen, die sich oftmals auch in den Tiefen des Attersees abspielen, da Franz in dieser Gegend aufgewachsen ist, tragen diese Traumwelten aufgrund mangelnder Erklärung das ein oder andere Mal zur Verwirrung und führen dazu, dass man schon mal aus der Geschichte herausgerissen wird.

„Der Trafikant“, dessen Drehbuch von Klaus Richter und Nikolaus Leytner verfasst wurde, hält sich weitgehend an die Romanvorlage Seethalers. Die wenigen Unterschiede zu Seethalers Bestseller sind durch das Medium Film begründet und gut umgesetzt.

Bewusst wird hier auf visueller Ebene eine leicht surreale Ästhetik eingesetzt, die auf die intensive Farbgebung und nicht zuletzt auf diverse Traumsequenzen zurückzuführen ist. Auch die DarstellerInnen des Films setzen ihre Rollen souverän und glaubwürdig um, wobei hier vor allem die Leistung von Bruno Ganz („Der Untergang“, „Der Vorleser“) heraussticht, der Sigmund Freud als eine liebevolle, warmherzige Vaterfigur darstellt.

Fazit:

Nikolaus Leytners Adaption des gleichnamigen Romans „Der Trafikant“ von Robert Seethaler vereint gekonnt die Probleme eines kleinen Individuums, das sich aufgrund des Umbruchs in der Welt zur Zeit der Machtübernahme von Hitlers Truppen in Wien auch mit größeren Problemen auseinandersetzen muss. Auch gerade in der heutigen Zeit sicher ein interessantes Thema.

Bewertung:

8 von 10 Punkten

von Elli Leeb

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